Die "Glückspelze" der Nothilfe für Polarhunde e.V. danken allen, die mitgeholfen haben, ihnen einen Platz zum Leben zu geben.
Nordische, die im September 2018 ein neues Zuhause gefunden haben

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Niva - N eugierig
I ntelligent
V erschmust
A usgeglichen
und nicht mehr wegzudenken!

NivaNivaWas uns in unserer Zeit offenbar am meisten fehlt, ist Zeit. Und so wurde, wie viele andere Hunde in letzter Zeit, auch die gerade mal neun Monate alte Husky-Hündin Niva wegen Zeitmangels abgeben. Dabei zeigte sie sich in unserer Station, wie die meisten, fröhlich, freundlich und verträglich. Zum Glück fand Niva aufgrund dieser Beschreibung schnell eine neue Familie und alle sind überglücklich:

"Liebes Team der Nothilfe für Polarhunde!

Vor drei Monaten hat Niva unser Herz mit ihrer freundlichen, offenen und unbeschwerten Art im Sturm erobert. Innerhalb von vier Tagen konnten wir sie von Burladingen mit in den Nordschwarzwald nehmen. Niva hat sich schnell eingelebt und ist für alle Aktivitäten zu begeistern, sei es für lange Spaziergänge, Canicross oder aber Dogscootern. Sie liebt den Kontakt zu anderen Hunden und führt die Hausaufgaben der Hundeschule lernwillig aus. Für uns ist sie eine absolute Bereicherung und ein Glücksfall, sie bei uns zu haben.

Niva

Herzliche Grüße Familie T."

Wir freuen uns sehr, dass es unser junges Temperamentsbündel so gut getroffen hat und wünschen allen eine lange und glückliche gemeinsame Zeit.

Niva

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt

 

(G)Ismo passt gut in sein neues „leicht gestörtes Rudel“

Nein, wir werden nicht unverschämt, wir hätten weder gewagt noch überhaupt im Traum daran gedacht, Gismos neue Familie so zu bezeichnen. Der Ausdruck stammt von Gismos Familie selbst, denn endlich, endlich, nach fast drei Jahren in unserer Station, hat Gismo eine Familie gefunden, „seine letzte Station“, wie die Familie schreibt. Und das i-Tüpfelchen: In dieser Familie lebt auch Gismos Schwester Happy.

Der 2011 geborene Gismo stammt aus dem 9er-Musher-Rudel, das im April 2015 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten seines Herrchens bei uns in der Station einzog. Wie seine Geschwister kannte auch Gismo, bevor er zu uns kam, kein Gassigehen und kein Haus von innen, da er mit seinem Rudel auf einer großen Anlage gelebt hatte. Gismo war (und ist) der scheueste und sensibelste Hund aus diesem Rudel. Wobei es die Beschreibung „scheu“ nicht so richtig trifft: Gismo möchte nur nicht bedrängt werden, sondern erst einmal Abstand wahren, um die Lage und sein Gegenüber richtig checken zu können; Gismo geht nicht von sich aus auf Fremde zu, um ihn muss man sich bemühen. Wenn er dann aber einmal Vertrauen zu einem Menschen aufgebaut hat, ist Gismo sehr anhänglich und verschmust. Im Grunde seines Herzen liebt Gismo die Menschen, aber er braucht Menschen, die ihm Orientierung und Sicherheit geben. Und genau diese Menschen hat er nun gefunden:

Gismo

"Liebe Polarhunde-Auffangstation,

ich will Ihnen im Namen von Ismo einen kleinen Bericht schreiben, dass Sie wissen, wie es um ihn steht. Erst einmal aber zum Namen: es gab in den 80ern die Horror-Klamauk-Filme Gremlins. Der ein oder andere erinnert sich vielleicht. Da gab es den kleinen süßen Mogwai Gizmo, der nicht mit Wasser und Sonnenlicht in Berührung kommen und nicht nach Mitternacht fressen darf, weil sonst schreckliche Dinge geschehen. Irgendwie finden wir den Namen für den lieben (G)Ismo ganz passend … Gismo mit Rudel

An und für sich hat von Anfang an alles gut geklappt. Happy hat ihn und seine Gassi-Gänger sofort erkannt (sich tierisch gefreut) und gleich das Kommando übernommen. Nanook, unseren alten Knaben, hat alles nicht wirklich interessiert, solange ihm keiner seinen Platz auf dem Sofa streitig macht… Blue Eyes hat schon ab dem ersten Tag versucht, mit Gismo zu spielen, was der erstmal nicht so gut fand, mittlerweile aber (wenn Gismo sich unbeobachtet fühlt) gerne mitspielt. Fressen wollte er zwar am ersten Tag noch nichts, aber er hat sich zum Schlafen schnell seine Schutzräume gesucht, wobei wir immer noch rätseln, wie dieser Riesenhund sich hinter die Heizung gequetscht bekommen hat. Da legt sich nicht einmal Happy hin. In den ersten Nächten bin ich dann alle vier Stunden aufgestanden und mit ihm raus, und so kam es erstmal zu keinen Malheurs. Er hat ziemlich schnell begriffen, was „stubenrein“ bedeutet, und ab der vierten Nacht hat er durchgehalten.Gismo - gleich gehts los

Ich habe mir erstmal viel Zeit genommen, mit ihm alleine zu arbeiten. Er hat innert kürzester Zeit verstanden, was „Fuß“ bedeutet und ist im Gegensatz zu seiner Schwester ein sehr angenehmer Gassi-Gänger. Seine ganzen Abläufe mit Verweigern, die ich in der Auffangstation mitbekommen habe, hat er hier kein einziges Mal versucht. Hier nun der erste Namenseinschub: Man läuft mit Gismo völlig entspannt einen Weg entlang, den er auch schon kennt, und er läuft neben einem her, ohne unentspannt zu sein oder zu ziehen. Aus heiterem Himmel, ohne dass ich als Mensch einen Auslöser sehen könnte, rennt er dann los und ist, wenn er dann an der Leine nicht wegkommt, ziemlich panisch, eiert von links nach rechts und zittert am ganzen Körper. Läuft man dann einfach stur weiter, gibt sich das nach einigen 100 Metern wieder, und er läuft wieder entspannt und völlig normal. Beim ersten Mal (er hat erst nach zwei Wochen damit begonnen) bin ich tierisch erschrocken und auf dem Hosenboden gelandet. Seither geschieht das immer mal wieder, obwohl er die letzte Woche ohne ausgekommen ist.

Wie Sie ja wissen, laufen Happy und BE sehr gerne am Fahrrad oder am Trike. Als es dann kälter geworden ist, habe ich, nachdem ich mit Gismo eine längere Runde gelaufen bin, Happy und BE ans Trike gemacht. Das hat Gismo gar nicht eingesehen. Er ist im Haus sprichwörtlich durchgedreht, auf und über alle Möbel und gegen die Haustür gesprungen. Ich habe ihn dann aus dem Haus geholt, und er hat sich sofort neben Happy gestellt und gewartet. Nachdem ich eine Behelfsleine für ihn gebaut hatte, ging es los. Er lief problemlos mit den anderen zweien mit, wobei ich natürlich nur eine kleine Runde zum Drangewöhnen gemacht habe. Auch an meine Befehle hat er sich gleich gewöhnt und ging mit den anderen schön rechts, links, und auch Stoppen hat er schnell begriffen. Dies war für mich umso erstaunlicher, weil er ein paar Tage davor das Fahrrad gar nicht gut fand und so lange gegen mich gerannt ist, bis ich es aufgegeben habe. GismoGismo

Aktuell sind wir drei Mal am Tag mit ihm unterwegs. Am Morgen und Abend je eine halbe Stunde mit allen. Hier macht ihm die Rollleine viel Spaß, und er rennt und kreuzt, wie wir das von Happy schon kennen, läuft aber mittlerweile besser Fuß als sie. Nach dem Mittag ist dann eine lange Runde dran. Da alle drei zusammen zu anstrengend für mich sind, gehe ich immer abwechselnd mit einem lange an den kurzen Leinen mit viel Training und mit den anderen eine kurze Spaßrunde an den Rollleinen. Je nach Wetter bau ich dann immer mal Trike mit allen dreien ein. Zusätzlich durch den Trouble, den BE und Happy im Haus betreiben, scheint es Gismo nicht langweilig zu werden, und seine schlechten Angewohnheiten vom Anfang hat er fast alle abgelegt.

Und hier kommen wir dann zum Namenseinschub Gismo die zweite: nach einigen Tagen hatten wir schöne Pfützen und das ausgerechnet im Wohnzimmer (einziger Holzboden im EG). Da wir das von BE schon kennen und Gismo kein Wässerchen getrübt hat, haben wir natürlich sofort BE „verdächtigt“ und uns Sorgen gemacht, dass er sich vernachlässigt fühlt. Wir haben ihn wieder ins Schlafzimmer mit hochgenommen und siehe da, es war trocken. Aber wehe, wenn man am Morgen nur einen Moment nicht aufgepasst hat, sofort war es wieder nass. Schließlich kam mir das dann doch einigermaßen komisch vor, weil BE bei einer früheren Pinkelattacke nie reingepieselt hat, sobald Betrieb im Raum war. Ich habe mich also eines Morgens ums Haus geschlichen und durch die Fenster gelinst. Nun, Gismo lag ganz entspannt im Wohnzimmer, und BE kam rein. Sofort steht Gismo auf, pinkelt an die Wand und legt sich, ohne ein Wässerchen zu trüben, sofort wieder an die alte Stelle und tut nicht der gleichen, als ich dann reingekommen bin. Ab da habe ich dann Gismo unter Wohnzimmerkontrolle genommen und bin jedes Mal am Morgen direkt mit BE ins Wohnzimmer. Beim ersten Mal hat er gezuckt, sich aber gleich wieder hingelegt, beim zweiten Mal ist er herumgewandert und beim dritten Mal hat er dann vor meinen Augen das Bein gehoben. Ich habe dies dann sofort unterbunden und das die nächsten Tage immer so gemacht. Mittlerweile pinkelt er, wenn er unbeaufsichtigt ist, nicht mehr rein, aber manchmal, wenn ich ins Wohnzimmer komme, kuckt er mich mit einem ziemlich herausfordernden Blick an, so nach dem Motto „ich könnte, und ich mach es nicht, weil ich nicht will, und nicht, weil du es willst“. Ich weiß, ich weiß, zu viel Menschliches in den Husky interpretiert… Gismos Rudel unterwegs

Gismos Umgang mit Menschen ist sehr gut. Er ist sehr zurückhaltend, gibt klare Signale, wird aber, auch wenn er z. B. von einem Kind bedrängt wird, nie aggressiv. Witzig ist, dass Happy ihre Vorsicht und vornehme Zurückhaltung, seit Gismo da ist, Stück für Stück verliert und manchmal freudig auf andere Hunde und sogar andere Menschen zusteuert. Nur mich lässt Gismo nach wie vor links liegen. Zwar bin ich, wenn ich mit ihm rausgehe oder Futter bringe, der beste Freund, ansonsten flieht er vor mir und benimmt sich, wie wenn ich ihn misshandeln würde. Übrigens ändert sich das schlagartig, wenn ich etwas esse … Meine Lebensgefährtin hat er dafür ins Herz geschlossen und lässt sich von ihr ausgiebig streicheln und sogar kämmen. Das Training mit Gismo ist sehr zweigeteilt. Alles, was in Bewegung ist, also „Fuß“, „stopp“, „rechts“, „links“, „langsam“ und „schnell“, hat er sehr schnell begriffen. Alles, was aus dem Stand ist, funktioniert dafür so gut wie gar nicht. „Sitz“, „Plunsch“, „hoch“. Kann man so oft trainieren, wie man will, ohne körperlichen Einsatz ist nichts zu machen. Gerade ihn zum Sitzen bringen, ist echt ziemlich schwer, wobei er, wenn er dann mal sitzt, auch sitzen bleibt. Ganz grundsätzlich sind das alles Kommandos, die unser Leben erleichtern, aber anders als „stopp“, „langsam“ und „Fuß“ nicht dringend notwendig sind. Wir müssen sehen, was wir hier noch hinbekommen. Bisher haben alle Ansätze auch mit einer ganzen Reihe von Belohnungsversuchen nicht funktioniert. Hier muss dann auch der nächste Namenseinschub folgen: Wenn man mit Gismo trainiert (ich mache das meistens beim Laufen, weil er da konzentrierter ist), kann es vorkommen, dass er eine ziemlich (für mich) peinliche Show abzieht – übrigens nur außerhalb unseres Geländes. Er läuft schön brav Fuß, ich sage „stopp“. Er stoppt, ich stell mich vor ihn hin, sage (mit Leckerli in der Hand) „sitz“ und präsentiere ihm das Leckerli so, dass er es besser betrachten könnte, wenn er sich hinsetzt (das nutze ich später dann als Geste, weil ich lieber gar nicht spreche, sondern nur pfeife und Zeichen gebe). Gismo setzt sich nicht hin. Ich will also nachhelfen, indem ich leichten Druck auf seinen Schwanzansatz ausübe. Nun kommt es vor, dass er, bevor ich ihn noch berühre, wie ein sterbender Schwan zur Seite kippt und heult und winselt, wie wenn ich ihn aufs übelste misshandeln würde. Sobald ich dann weitergehe, hört er sofort auf und läuft weiter neben mir her, wie wenn nichts gewesen wäre. Beim nächsten Versuch dann setzt er sich, nach leichtem Druck auf den Schwanzansatz, problemlos hin, ohne ein Wässerchen zu trüben.

Gismo unterwegs mit dem RudelWie gesagt, ist Laufen mit ihm grundsätzlich sehr angenehm. Er hat auch die Rollleine schnell verstanden und sein Ausreißerdrang ist nicht sehr ausgeprägt – ganz anders ja Happy, die, sobald die Leine weg ist, losrennt. Auch ist er sehr geduldig. Man kann sich problemlos auf eine Bank oder ans Flussufer setzen, und er legt sich hin oder beschäftigt sich mit sich selber. Auch den Fluss findet er großartig, und er kann stundenlang innerhalb des Rollleinenradius im Fluss oder am Ufer entlanggehen, und schnüffeln, saufen und spielen. Besonders witzig ist, wenn er im Wasser nach etwas schnappt. Aber auch hier wird der liebe Gismo manchmal zum Gremlin. An den meisten Tagen interessieren ihn andere Hunde, die Schafe und sogar die Katzen kaum. Mal ein Blick, mal kurz ziehen, mal schnüffeln, kein Problem. Eine Katze kann ein paar Meter vor ihm über die Straße gehen, und es ist völlig egal. Manchmal aber kann eine Katze weit weg, kaum zu sehen sein, und er stürmt urplötzlich und ohne Vorwarnung los. Ihn dann abzufangen, braucht ziemlich viel Kraft. Wenn er so losstürmt, ist ihm alles egal. Alles, was ihm in den Weg kommt, wird gnadenlos „weggeckeckt“. Selbst Happy wird einfach umgerannt. Wenn er so drauf ist, dann reicht auch eine Spur, dass er kaum mehr zu halten ist. Mittlerweile kriegt er sich zwar nach fünf Minuten wieder ein, aber am Anfang ging das auch mal 15 Minuten und ich kann danach gut nachfühlen, wie sich ein Hochseeangler fühlt.

Nun, insgesamt passt Gismo gut in unser leicht gestörtes Rudel. Im Großen und Ganzen kommen wir für die kurze Zeit schon super klar, und wir möchten ihn nicht mehr missen. Wir freuen uns auf die gemeinsame Zeit und hoffen, dass wir Gismos letzte Station sind und er bei uns ein gutes Leben hat. Das nächste große Projekt wird jetzt das Außengehege zum Rennen und Spielen.

Liebe Grüße

M. A."

Unsere Station ist voll belegt – aber ohne Ismo fühlt sich das trotzdem immer noch so leer an. Er war doch sehr lange bei uns und gehörte sozusagen zum „Hausstand“. Aber wir sind überglücklich, dass er nun „seine eigenen Menschen“ gefunden hat und sich weiter entwickeln kann. Und wir sind sehr froh, dass er sich so gut und schnell integriert hat. Dass es nach dieser kurzen Zeit schon so gut läuft, übertrifft alle unsere Erwartungen, aber es zeigt uns, dass Gismo im für ihn genau richtigen Rudel gelandet ist. Herzlichen Dank für die unvoreingenommene und herzliche Aufnahme von Gismo! Wir wünschen allen Rudelmitgliedern eine lange und schöne gemeinsame Zeit, und würden uns freuen, immer mal wieder von Ihnen zu lesen, vielleicht mit Fotos von der neuen Außenanlage?

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt