Die RegenbogenbrückeDie Regenbogenbrücke

Es gibt eine Brücke, die den Himmel und die Erde verbindet. Weil sie so viele Farben hat, nennt man sie die Regenbogenbrücke. Auf der anderen Seite der Brücke liegt ein wunderschönes Land mit blühenden Wiesen, mit saftigem grünen Gras und traumhaften Wäldern. Wenn ein geliebtes Tier die Erde für immer verlassen muss, gelangt es zu diesem wundervollen Ort. Dort gibt es immer reichlich zu fressen und zu trinken, und das Wetter ist immer so schön und warm wie im Frühling. Die alten Tiere werden dort wieder jung und die kranken Tiere wieder gesund. Den ganzen Tag toben sie vergnügt zusammen herum.
Nur eines fehlt ihnen zu ihrem vollkommenen Glück: Sie sind nicht mit ihren Menschen zusammen, die sie auf der Erde so geliebt haben.
So rennen und spielen sie jeden Tag miteinander, bis eines Tages eines von ihnen plötzlich innehält und gespannt aufsieht. Seine Nase nimmt Witterung auf, seine Ohren stellen sich auf, und die Augen werden ganz groß. Es tritt aus der Gruppe heraus und rennt dann los über das grüne Gras. Es wird schneller und schneller, denn es hat Dich gesehen!
Und wenn Du und Dein geliebtes Tier sich treffen, gibt es eine Wiedersehensfreude, die nicht enden will. Du nimmst es in Deine Arme und hältst es fest umschlungen. Dein Gesicht wird wieder und von ihm geküsst, deine Hände streicheln über sein schönes weiches Fell, und Du siehst endlich wieder in die Augen Deines geliebten Freundes, der so lange aus Deinem Leben verschwunden war, aber niemals aus Deinem Herzen. Dann überquert ihr gemeinsam die Regenbogenbrücke und werdet von nun an niemals mehr getrennt sein ...

 

 

Die Erinnerung ist ein Fenster,
durch das ich dich sehen kann,
wann immer ich will
.
(unbekannt)

Romulus

Romi alias Romulus * ca. 2010,09.09.2018

Wer erinnert sich nicht an unsere zwei ‚Römer‘, die von einem Amtsveterinär aus dem sechs lange Jahre dauernden Leben in einem Treppenhaus befreit wurden und auf der Alb ihre Chance auf eine neue Zukunft bekamen. Romulus fand Freunde, die ihn oft besuchten und sich dann ganz bewusst für ihn entschieden haben und immer hinter ihm standen.

"Leider blieben Romi bei uns nur 13 Monate bis er sehr plötzlich verstarb. Für diese Zeit die wir mit ihm verbringen, mit ihm herumtollen, schmusen und lachen konnten sind wir jedoch von tiefsten Herzen dankbar! Unser Malamute-Sonnenschein hatte sich in den 13 Monaten, seit denen er bei uns lebte und unser Leben bereicherte,  prächtig entwickelt. Er hatte gelernt perfekt an der Leine zu laufen, ausnahmslos zu kommen wenn man ihn rief und sich einwandfrei zu benehmen. Er war stets tiefenentspannt, nur seine Angst alleine gelassen zu werden hatte sich leider in dieser Zeit nie richtig beheben lassen, was manchmal schwierig war. Doch insgesamt ist zu sagen, dass Romi stets ein sehr glücklicher Hund war. Trotz seinem immer wieder nachwachsenden Tumor an seinem linken Vorderbeinchen, hatte er nie an Lebensfreude und Heiterkeit eingebüßt! Unbeirrt und voller Neugierde eroberte er viele Orte und Landstriche mit uns gemeinsam. Er rannte durch die goldenen Getreidefelder des Sommers, durch das bunte Laub des Herbstes, durch funkelnden Schnee und über die mit bunten Blümchen bestickten Wiesen des Frühlings. Unseren letzten gemeinsamen Sommer haben wir sorglos und heiter verbracht, waren viel unterwegs. Romulus hatte Bewunderer wohin wir auch gingen, was aber noch viel wichtiger ist, er hatte es geschafft tief in die Herzen seiner beiden Menschen und ebenso ausnahmslos in die Herzen von Freunden und Verwandten geschlossen zu werden. Am 12. August feierten wir drei noch unsern ersten gemeinsamen Jahrestag. Den Kuchen aus Hack mit Karottenkerzen ließ er sich dann bestens schmecken!
Er ließ bis zu seiner letzten Stunde keine Gelegenheit verstreichen seine Umgebung zu erkunden und die Menschen um ihn herum mit seinem Strahlen mitzureißen. Dieser freudig-strahlende Gesichtsausdruck führte dazu, dass wir ihn gelegentlich auch liebevoll „Grinsezahn“ nannten.
Mit vier weinenden Augen und zwei lachenden Herzen danken wir dir, Romi, für diese schöne Zeit. Du wirst immer in unserem Herzen und in liebevoller,  freudiger Erinnerung bleiben! Tolle ruhig noch ein bisschen, bis wir uns wieder sehen. Wir sind immer bei dir!

Martina und Robin"

Kann ein neuer Lebensabschnitt eines einst missachteten Hundes schöner sein? Das ist wahre Freundschaft! Die Zeilen haben uns sehr berührt und wir sind den zweien unendlich dankbar, dass Romulus das erleben durfte.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e.V., Freudenstadt


Nanouk
* 11.11.2005,
23.10.2018

Als Nanouk Mitte August mit seinem ganzen Rudel zu uns auf die Station kam, war er insgesamt sehr schwach, konnte sich kaum auf den Beinen halten und machte einen besorgniserregenden Eindruck. Er konnte nur kleine, wenige Trippelschritte tun. Lag er, schaffte er es aus eigener Kraft nicht wieder aufzustehen. Seine ganze Gestalt wirkte traurig und verloren. Und so hofften wir auf ‚Beistand von oben‘.

Ja – das kleine Wunder ist geschehen und Nanouks Lebensgeister erwachten im September. Nach einem großen Blutbild konnten wir ihm die für seinen Zustand angepassten Medikamente geben. Seine Ohren wurde gepflegt, seine ‚Hosen‘ täglich gewaschen und er bekam einen ‚Schlafanzug‘, wenn es kühl wurde. Er fraß immer mit Appetit und liebte es, Menschen und sein Rudel um sich zu haben. Bei Runden um den Hasleberg ging er ab wie in alten Tagen.

Nanouk

Leider hielt dieser Zustand nur ein paar Wochen, der nahende Winter warf ihn um. Es war sehr schwer für uns, es anzunehmen und zu akzeptieren. Er war immer noch sehr klar im Kopf, aber sein Körper war am Ende. Wir konnten ihm leider nur noch diesen letzten Dienst erweisen, ihn in Würde gehen zu lassen.

Jetzt braucht er niemanden mehr, der ihn auf seine Beine stellt, die ihn nicht mehr tragen mochten. Jetzt ist er dort, wo er Flügel bekommt.

Das traurige Team der Nothilfe für Polarhunde e.V., Freudenstadt


Man sieht die Sonne langsam untergehen,
und erschrickt doch,
wenn es plötzlich dunkel ist.

(unbekannt)

Simba
* 25.09.2010 27.09.2018

Nur acht Jahre waren Simba vergönnt, nur sieben Monate davon in seiner neuen Familie.Trotzdem möchten wir hier schreiben: Simba hatte viel Glück – mit genau dieser Familie. Denn diese hatte „eigentlich“ wegen eines anderen Hundes bei uns nachgefragt, sich dann aber beim ersten Blick in Simba verliebt und ihm eine Chance gegeben, obwohl wir nicht viel über Simba und seine Vergangenheit erzählen konnten. Direkt nach seiner Vermittlung wurde bei Simba eine Niereninsuffizienz diagnostiziert, seine Familie aber hielt trotzdem zu ihm. Wir wissen, viele hätten diesen kranken Hund zurückgebracht, uns vielleicht sogar unterstellt, von der Krankheit gewusst zu haben. Nicht aber Familie K.. Bei ihr sollte Simba wohl behütet, geliebt und medizinisch optimal versorgt seine letzten Jahre genießen. Leider durfte Simba dieses Glück nur wenige Monate genießen, viel schneller als erwartet musste er über die Regenbogenbrücke gehen.

Simba

"Dieser stolze Hund wurde uns von der Station ans Herz gelegt, obwohl wir uns eigentlich für einen anderen interessierten. Dass es dann doch Simba geworden ist, haben wir nicht einen Tag bereut.

Trotzdem bei ihm erst eine Niereninsuffizienz diagnostiziert wurde, haben wir ihn nicht wieder abgegeben. Er sollte seine letzten Jahre bei uns in guter Pflege haben. Nach sieben Monaten und einer bereits begonnenen Nierendiät, und nach erfolgreicher Gewöhnung an uns, wollten wir das nun kontrollieren. Und siehe da, es war keine Nierenkrankheit mehr zu sehen. Aber leider eine enorme Milzvergrößerung sowie eine vergrößerte, nicht mehr so gut aussehende Leber. Die Vermutung lag nahe, dass er einen Lebertumor hatte, und das schon seit längerer Zeit, der durch die Niereninsuffizienz überlagert war und nicht erkannt wurde. Die Leberwerte waren nun sehr schlecht. Daher wollten wir ihm weitere Leiden ersparen. Er hat schon nichts mehr gefressen, und es zeigte sich eine Gelbsucht. Der Arzt konnte uns keine Hoffnung mehr machen. Sehr traurig!

Simba hat sich in kurzer Zeit bei uns super entwickelt! Er war ein lieber und kluger Hund. Obwohl er als Futterneider beschrieben wurde und auch in verschiedenen Situationen schnappen würde, haben wir es ihm mit Geduld abgewöhnen können. Er gewöhnte sich in sehr kurzer Zeit an uns und sein neues Umfeld. Wir konnten ihm an die Schnauze fassen und auch reinschauen, das Pfötchen anfassen (das war auch so eine Schnappsituation). Er hat immer bei uns gelegen und sich gerne und lange kraulen lassen. Er war immer mit uns dabei, wo etwas los war. Aber er hat auch oft den Garten durchsucht nach Mäusen, Fröschen und Maulwürfen und gefangen. Den Urlaub an der Nordsee hat er sehr genossen, er kannte wohl kein Wasser. Das war dann aber trotzdem nur zum Schnuppern und nicht zum Hineinspringen.

Wir freuen uns, dass Simba bei uns war, auch wenn es nur eine kurze Zeit war. Er hat unser Leben sehr bereichert. Und er hat sich sehr wohl bei uns gefühlt, das haben wir jeden Tag gesehen. Er freute sich immer, wenn Herrchen und Frauchen jeden Tag mit ihm zusammen Gassi gingen. Dabei konnte er in Ruhe alles beschnuppern und manchmal auch einfach nur zügig und weit laufen.

Wir vermissen Simba sehr und sind dankbar, dass es ihn gab und er bei uns war!

Viele Grüße
und wer weiß, bis bald
M. und O. K."

Liebe Familie K., Simba hatte, vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben, bei Ihnen sein Glück gefunden. Dies tröstet, wenn auch der viel zu frühe Abschied traurig macht. Wir können Ihnen gar nicht genug danken, dass Sie sich auf Simba eingelassen haben und auch in schweren Zeiten zu ihm gehalten haben.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Ein außergewöhnlicher Hund ist nun frei.
(Dexters Frauchen)

Dexter

Dexter

* 11.02.2005 † 06.08.2018

Als der damals zehnjährige Husky-Rüde Dexter vor circa drei Jahren aus Schleswig-Holstein zu uns kam, war er, trotz gegenteiliger Versicherung des Besitzers im Vorfeld, in einem desolaten Zustand und sehr krank. Wir suchten händeringend schnell nach einer Pflegestelle, denn Dexter konnte unmöglich in der Station bleiben – er brauchte sehr viel Fürsorge und ein Rempler von anderen Hunden, und Dexter wäre umgefallen. Dexter hatte so eine berührende und liebe Ausstrahlung, dass sich zum Glück eine solche Pflegestelle fand. Eine Pflegestelle, die ihn nach kurzer Zeit so ins Herz geschlossen hatte, dass sie ihn trotz seiner Krankheiten fest übernahm. Wie lange Dexters Krankheiten unbehandelt geblieben waren, konnten wir nicht mehr feststellen, sie konnten jedenfalls nicht mehr geheilt, sondern nur noch gelindert werden. Dass Dexter noch ein dreijähriges lebenswertes Leben haben würde, hätte damals niemand vorherzusagen gewagt. Dexter jedenfalls fand sein neues Leben lebenswert, er genoss, dass SEINE Menschen sich um ihn kümmerten, dass er umsorgt und geliebt wurde. Dies wurde von seinen Menschen nicht als Mühe empfunden, im Gegenteil, Dexter gab ihnen so vieles zurück. Doch jetzt konnte auch alle Fürsorge und Liebe seine Leiden nicht mehr lindern, und seine Menschen ließen ihn schweren Herzens über die Regenbogenbrücke gehen.

"Am 5. Juli 2015 bekam ich eine E-Mail mit einem Notruf für eine Pflegestelle für den sehr kranken Dexter und holte ihn kurzerhand zu mir und meinem Huskyrudel. So konnten wir in aller Ruhe abklären, was dem lieben, alten, verschmusten Kerl fehlte.

Diabetes, Spätfolgen der "Nichtbehandlung" wie trübe und entzündete Augen, kahle Stellen im Fell, eventuell auch eine Änderung im Hirn, nur 20 % Nierentätigkeit, neurologische Schäden, die seine Hinterbeine beeinträchtigten, etc.. Er fraß oft viel zu wenig und hat die meisten Futter verweigert.

Einen Teil seiner Beschwerden konnten wir mit Medikamenten und Pflege lindern, aber leider nicht heilen.

Nach wenigen Wochen war klar – ich gebe Dexter nicht mehr her. Somit war er nun ein festes Mitglied meines kleinen Rudels von Nordischen, die ohne Probleme miteinander lebten.

Dexter war ein unheimlich zäher Hund. Obwohl er nie gesund war, ist er der einzige Hund gewesen, der 2016 am St.-Michaelstag-Lauf der Sicherheitskräfte teilgenommen hat und die acht Kilometer bis zum Schluss ganz stolz mitgelaufen ist. Er liebte es zu laufen, wobei er seinen ganz eigenen Stil hatte.

Den hatte er durchwegs in allem. Es musste alles genauso gehen, wie er dies für richtig befand. Ansonsten wurde reklamiert. Seine zwei Gesichter waren außergewöhnlich ausgeprägt: Zuhause war er ein liebes Häschen und draußen ein wilder Stier.

Dexterli, wie wir ihn nannten, da es nicht so hart klang, hat uns immer wieder überrascht. Plötzlich konnte er trotz seiner schwachen Hinterbeine aufs Sofa springen, weil er mit uns schmusen wollte. Oder er ging in den Teich, um die Plastikente zu "fangen". Er hat wunderbar gesungen zusammen mit Luna und Kimi. Und liebte es, Joghurteis zu schlecken oder in einem Karton mit Zeitungspapier sein Goodeli zu suchen. Es war berührend zu sehen, wie verliebt er in seine Mädchen war.

Er hat es sich von Anfang an zur Aufgabe gemacht, auf meine "Füße aufzupassen", um genau zu wissen, wo ich bin und was ich mache. Diesen Job hat er bis zum letzten Tag wahrgenommen. Wie er das gemacht hat, fast blind, taub, mit zittrigen Hinterbeinen, weiß ich nicht.

Schmerzen hat er nie gezeigt aber ich wusste, dass er trotz täglichen Schmerzmitteln welche hatte. In den letzten Wochen wurde es schlimmer, er musste lange nach einer Position suchen, die ihm das Hinlegen ermöglichte. Auch Akupunktur konnte ihm nicht helfen, und irgendwann konnte er auch nicht mehr aufstehen. So musste ich mich leider entscheiden, ihn auf seine letzte Reise zu schicken, über die Regenbogenbrücke in ein Land, wo er frei und unbeschwert sein darf.

Du fehlst uns Zwei- und Vierbeinern, Dexterli, und alle vermissen Dich, Du außergewöhnlicher, lieber Hund. Du hast mir vieles beigebracht. Ich dankeDir für die Zeit, die wir zusammen hatten, und freue mich auf ein Wiedersehen.

Meine Liebe ist mit Dir.

Toja D."

Wie so oft verband sich bei uns beim Lesen dieser Zeilen Trauer und Dankbarkeit. Zu wissen, dass so eine geschundene liebe Seele wie Dexter noch ein paar wirklich schöne und behütete Jahre erleben durfte und dass es Menschen gab, die ihm das ermöglichten, erfüllt uns mit tiefer Dankbarkeit und bestätigt uns in unserem täglichen Tun. Kleiner Dexter, mach’s gut da drüben und genieße Deine Freiheit. Liebe Familie D., danke für alles, was Sie für Dexter getan haben, und viel Kraft, den Verlust zu verarbeiten.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Als der Regenbogen verblasste, kam der Albatros
und trug mich mit sanften Schwingen weit über die sieben Weltmeere.
Behutsam setzt er mich an den Rand des Lichts.
Ich trat hinein und fühlte mich geborgen.
Ich habe Euch nicht verlassen, ich bin Euch nur ein Stück voraus.
(unbekannter Verfasser)

Holly

Holly

*Mai 2003 16.07.2018

Holly, ehemals Gixy, ist nun als letzte aus dem „Verwahrlosten-Rudel“ auch über die Regenbogenbrücke gegangen. Vor ein paar Monaten noch konnten wir von einer Holly berichten, die an guten Tagen sogar noch einen Galopp hinlegte und zwei Stufen auf einmal nahm, aber schon damals gab es eben, altersgemäß, auch schlechtere Tage. Jetzt ging Hollys Kraft wirklich zu Ende, und ihre Menschen haben sie in Würde gehen lassen. Friedlich durfte Holly in den Armen einschlafen, die sie nach ihrem langen, unbeachteten Zwingerleben aufgefangen haben. Zweieinhalb Jahre ist dies her, und Holly durfte noch erfahren, wie es sich anfühlt, ein geliebtes Familienmitglied zu sein. Und sie hat es genossen! Sie hinterlässt ein trauriges Frauchen und Herrchen und ihren Malamute-Gefährten Buddy. Ihre Menschen schreiben:

"Liebe Holly,

vor knapp zweieinhalb Jahren haben wir Dich von der Station geholt, nachdem Du mit deinem Rudel circa zwei Wochen vorher aus Deiner schlechten Haltung geholt wurdest. Buddy, unser Malamute, war nicht erfreut, als er bemerkte, dass Du bleiben würdest. Es hat lange gedauert, bis er Dich einigermaßen akzeptiert hatte, und wir mussten Dir schon sehr zur Seite stehen, sonst hätte das nicht geklappt. Irgendwann hat er es dann hingenommen, aber ein Dreamteam seid Ihr leider nie geworden.

Zu diesen anfänglichen Sorgen kam dann Deine fast komplette Gehörlosigkeit sowie die schwere Magenerkrankung, die Dir das Fressen erschwert hat. Daher hast Du trotz Untergewicht und bestem Fressen auch nicht zugenommen. Erst nachdem die Krankheit erkannt und mit Cortison behandelt wurde, hast Du mit Appetit gefressen und auch zugenommen, das war sehr schön für uns alle.

Deine anfängliche Weigerung, Deine Geschäfte draußen zu erledigen, haben wir auch in den Griff bekommen, und Du bist in Deinem hohen Alter noch stubenrein geworden. Alle Achtung, das war schon eine tolle Leistung.

Du warst auch für Dein Alter noch recht fit und hast uns auf den morgendlichen Joggingrunden noch ein Jahr lang begleitet. Vor einem guten Jahr wurde Dir das dann auf einmal zu viel, und wir sind nur noch spazieren gegangen.

Etwa Anfang des Jahres hast Du dann langsam abgebaut, und das Alter machte sich bemerkbar. Du hast nach und nach einiges vergessen, wurdest unruhig und bist oft ruhelos im Haus oder auch Garten herumgelaufen. Das Medikament gegen Demenz hast Du leider nicht vertragen. Dazu kam dann eine komplette Inkontinenz. Der Sommer heuer mit seinen hohen Temperaturen hat Dir auch arg zugesetzt.

Als das Leid dann im Juli zu groß wurde, haben wir Dich schweren Herzens gehen lassen. Du bist friedlich bei uns eingeschlafen. Wir sind sicher, Du spielst jetzt im Hundehimmel mit unseren anderen beiden, die schon vorausgegangen sind und es geht Dir wieder gut.

Liebe Holly, Du warst unsere kleine Maus, unsere Prinzessin, und wir vermissen Dich!!

Und ganz auf bairisch sind wir uns sicher: amoi seng mia uns wieda!

Liebe Grüße
Eva und Gerold H."

Wir trauern mit Ihnen um eine äußerst liebenswerte Hündin, die trotz ihrer schlechten Erfahrungen ihre Menschenbezogenheit nicht verloren hatte. Wir sind aber vor allem sehr, sehr dankbar, dass Sie Holly für ihren letzten Lebensabschnitt ein Zuhause, eine Heimat gegeben haben und damit diesen Lebensabschnitt zu Hollys glücklichstem gemacht haben. Danke, dass SIE für Holly da waren!

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Gina
* 26.05.2007,
02.08.2018

Gina lebte seit Ende März auf der Station. Der Abgabegrund war ihre Inkontinenz. Sie ist relativ schnell mit der Situation im neuen Umfeld klargekommen und freute sich an Hunde- und Menschenkontakt gleichermaßen. Anfänglich ließ sie sich ungern an der Kruppe berühren und wich aus. Doch schnell hatte sie so viel Vertrauen gewonnen, dass wir sie unserer Tierärztin vorstellen konnten.

Gina war ruhig und kooperativ. Sie bekam eine große harmlose Warze im Gesicht entfernt und konnte sogar ohne Betäubung geröntgt werden. Die Ursache dafür, dass sie unkontrolliert Kot verlor, lag in einem Unfall, der ihr vor längerer Zeit passiert sein musste. Er führte zur Verknöcherung einiger Schwanzwirbel. Schmerzen hatte sie aktuell wohl keine mehr, aber der hintere Bereich war für sie nicht mehr steuerbar. Der Zustand war irreparabel.
Das hielt Gina jedoch keinesfalls von einem ganz normalen Hundeleben ab. Wild mit dem Schwanz wedeln war zwar nicht mehr drin und bei genauer Beobachtung bemerkte man auch ihr ungewöhnliches Gangbild, aber das störte sie keineswegs.

Bei Spaziergängen war sie immer gern gut 1,5 Stunden wacker dabei. Sie war eine sehr liebenswerte Hündin. Wollte sie gekrault werden, nähert sie sich unaufdringlich und zeigte uns Menschen mit Blicken, dass sie schmusen möchte. Das genoss sie dann sichtlich mit geschlossenen Augen!

Nach ihrer Läufigkeit entzündete sich ihre Gebärmutter und aufgrund ihrer schlechten Blutwerte hätte sie sicher eine Operation nicht überlebt. Eine alternative Therapie wurde versucht, aber die Blutwerte wurden leider immer schlechter. Wir hatten zusammen mit unserer Tierärztin alles versucht und die Kämpferin mit der robusten Lebenseinstellung machte uns die Entscheidung nicht gerade leicht, aber es blieb nur noch eine Möglichkeit, ihr zu helfen. Am 2. August mussten wir sie gehen lassen. Das tut uns sehr leid, denn wir hätten ihr alle gerne noch ein paar schöne Jahre gegönnt. Jeder, der sie kannte, spricht voll Bewunderung über sie.

Gina

Mach es gut, kleine Gina, wir werden dich sicher nie vergessen!

Das traurige Team der Nothilfe für Polarhunde e.V., Freudenstadt


Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben,
sondern den Tagen mehr Leben.

(Icely Saunders)

Mina

Mina

*ca. 200605.072018

Der hübschen Husky-Hündin Mina, die wir 2009 in der Vermittlung hatten, klebte irgendwie das Pech an den Pfötchen. Erst musste sie in Spanien lange auf ihre Ausreise warten, so lange, dass eine deutsche Tierschützerin sie „auf gut Glück“ nach Deutschland holte. Sie fand allerdings keine Familie und übergab Mina schließlich uns. Auch hier, damals noch in unserer Station in Horb, musste Mina lange auf Interessenten warten – und als sie dann umziehen durfte, führte sie sich im Haus auf wie die sprichwörtliche „Axt im Walde“, sodass sie zurückgegeben wurde. Und wieder hieß es warten, warten, warten …. Im September 2009 endlich kam sie wieder ins Gespräch für eine Vermittlung, als Interessenten mit einem Malamute-Rüden, Nanuk, nach einer Nachfolgerin für dessen verstorbene Gefährtin suchten. Und hier war Mina genau richtig, in Nanuk fand sie ihren Meister: Mit Malamuten konnte sie sowieso gut – die waren wohl am ehesten ihrem Temperament gewachsen -, und Nanuk zeigte der jungen Wilden ruhig, aber bestimmt, wer der Herr im Hause ist und bleibt. Das hatte bei Mina vorher noch keiner geschafft, Mina lenkte ein, wenn auch erst nach langem und hartnäckigem Immer-wieder-Nachfragen und –Austesten, aber das war IHRE Chance. Die Familie nahm Mina, wie sei eben war, und Mina war endlich angekommen. Endlich hatte Mina Glück gehabt. Mina wäre allerdings nicht Mina, wenn es nicht immer wieder Pechsträhnen, sprich diverse Krankheiten, gegeben hätte. Nun gingen, viel zu früh, neun glückliche Jahre in ihrer Familie zu Ende, Mina musste mit zwölf Jahren über die Regenbogenbrücke gehen.

Hallo liebe Nothilfe für Polarhunde,

so oft dem Tod von der Schippe gesprungen (2 Magendrehungen, 1 Babesiose, 1 Hüfte ausgekugelt), um dann doch mit zwölf Jahren nach kurzer Krankheit am 05.07.2018 sanft einzuschlafen.

Unser Mäuschen, was figurtechnisch nicht ganz hinkommt, musste sich zwar Nanuk unterordnen, konnte aber bei uns Menschen ganz klar ihre Bedürfnisse äußern. Schnell brachte sie uns bei, wann man gerne speisen würde, Nachschlag hätte oder das Haus verlassen würde. Auch der nächtliche Pinkelgang wurde mit Frauchen eintrainiert.

Mina war eine lebenslustige, temperamentvolle, schmusige und süße Hündin, die durch ihren herben Charme uns selbstverständlich um den Finger wickelte. Stets wusste diese autarke Persönlichkeit ihre Grenzen aufzuzeigen: beim Bürsten durch Knurren und Schnappen oder durch beleidigtes Brummen, kam man ihrer Funktion als Türvorleger zu nahe. Natürlich wusste man irgendwann, dass man den Morgenmuffel bis zur Speisung einfach in Ruhe zu lassen hatte.

Aber wenn für sie alles rund lief, belohnte sie uns mit einer überschwänglichen Begrüßung, einem nassem Küsschen und ihrer unbändigen Lebensfreude, die sich vor allem im Schwimmen und Tauchen zeigte oder in der Aufforderung zum Spielen.

Sie hatte sich für uns entschieden, und neun Jahre durften wir mit ihr leben. Es war eine schöne Zeit mit ihr!

Liebe Grüße
von Nanuk und seiner Familie

So traurig es uns auch immer macht, vom Tod eines unserer Schützlinge zu erfahren, so dankbar sind für doch, gerade im Falle der nicht ganz „einfachen“ Mina, dass sie letztendlich eine Familie gefunden hat, die sie ohne Erwartungshaltung aufnahm, annahm, wie sie war, und sie mit viel Humor neun Jahre lang begleitet und geliebt hat.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. v., Freudenstadt


Den Ehrenplatz in unserem Herzen hat sie.
Wir vermissen unser Mädchen sehr.
Sie war einzigartig.
(Talaskas Familie)

Talaska

Talaska
*2009
03.07.2018

Im April 2014 kam Talaska in unsere Obhut – eine äußerst hübsche Husky-Hündin, die bis dahin nur in dem, was beschönigend „Draußenhaltung“ genannt wird, gehalten worden war, sprich: Zwinger. Sie hatte auch schon einmal Welpen haben müssen – was mit diesen Kleinen passiert ist, wissen wir nicht. Talaska durfte zunächst in einer Pflegefamilie einziehen, wo sie sich gut einlebte. Aber dann erkrankte das Pflegefrauchen, und Talaska „musste“ in unserer damals neuen Station einziehen. Hank und Digger machten ihr das Leben dort allerdings nicht schwer, die drei hatten ihren Spaß miteinander. Lange gab es – unverständlicherweise – keine Anfragen für Talaska, aber dann – dann gab es gleich zwei! Die ersten Interessenten erwiesen sich als äußerst positiv, einfühlsam und kompetent, und so durfte Talaska dort einziehen. Und Talaska war für alle ein Glücksgriff. Sie durfte überall mit dabei sein und benahm sich vorbildlich: Autofahren, Wanderungen, Biergarten, Fahrradfahren, und sie hielt ihre Menschen mit Spielen, ihrer Neugier und ihrer endlosen „Sucht“ nach Knuddeln auf Trab. Doch jetzt wurde sie urplötzlich mitten aus dem Leben gerissen, ohne Anzeichen von Krankheit – der Krebs war stärker als ihr Lebenswille. Wenn ein Tier altershalber gehen möchte und Zeit bleibt, sich zu verabschieden, dann ist es vielleicht ein bisschen einfacher (aber dennoch immer zu früh) – wenn der Abschied so plötzlich kommt, ist es umso schwerer.

Liebes Team der Nothilfe,

in tiefer Trauer teilen wir Ihnen mit, das unsere geliebte Fellnase Talaska vom Krebs besiegt wurde. Sie konnte diesen Kampf nicht gewinnen.

Es kam für uns völlig überraschend. Denn sie hat sich nie beschwert, hat nie irgendwelche Anzeichen gezeigt, dass der Krebs in ihr wütete. Wir waren noch kurz zuvor an ihrem so sehr geliebten Meer gewesen. Alles war noch so wie immer. Doch zwei Tage, nachdem wir zurückgekommen waren, ist sie auf einmal zusammengebrochen. Völlig unerwartet.

Sie hatte in ihrem Leben schon so oft gelitten. Doch immer behielt sie ihr liebevolles und charmantes Lächeln.

Sie hat in ihrem Leben so oft kämpfen müssen, die ersten Jahre in Gefangenschaft, die erste Zeit, in der sie zu uns kam, als sie schwerkrank war. Sie hat ihre wohl schönste Zeit in unserem Rudel gehabt. Zuerst mit X-Ray, unserem Rüden, den wir im Winter 2017 über die Regenbogenbrücke gehen lassen mussten. Sie hat ihn vermisst, über viele Monate. Wir entschieden uns dann, ein neues Familienmitglied zuzulassen. Es kam Ghost, ein Welpe von damals gerade acht Wochen. Talaska hatte am Anfang so ihre Schwierigkeiten mit ihm, hat ihn aber letztendlich unter ihre Fittiche genommen. Sie hatte ein unendlich liebevolles Wesen, und sie wurde von allen geliebt. Ganz besonders von uns. Sie hinterlässt eine unbeschreiblich große Lücke.

In tiefer Trauer

S. und U. B. und Ghost

Liebe Familie B., wir fühlen mit Ihnen. Überall sieht und fühlt man seine Lieblinge - auch wenn sie schon gegangen sind. Sie hinterlassen Spuren, die nicht so einfach wegzuwischen sind. Was aber bleibt, das ist die schöne Erinnerung an eine unvergessene gemeinsame Zeit. Halten Sie diese fest. Lieben Dank für die herzliche Aufnahme von Talaska seinerzeit in Ihrer Familie – es war für Talaska die schönste Zeit in ihrem Leben.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Die Erinnerung an Dich begleitet uns Tag für Tag, seitdem Du von uns gegangen bist.
Du hast tiefe Spuren hinterlassen und uns aufgezeigt, was Vertrauen heißt.
Unvergesslichen sind uns Deine Energie und Dein Leben.
Wir vermissen Dich – immer mehr.

(unbekannt)

Chano

Chano
*27.12.2003
23.06.2018

Chano, der Glückliche – so stand es im August 2017 bei den Glücksfellen. Jedoch währte dieses Glück nicht lange, nur wenige Monate waren dem so liebenswerten Hundemann in seiner Familie vergönnt. Wenige Monate als Ausgleich für 14 Jahre Vernachlässigung, Nichtbeachtung, Missachtung, Weggeperrtsein in einem Zwinger. Das macht uns sehr traurig. Doch die Tiefe der Beziehung und Liebe, die Chano in dieser Zeit von seinen Menschen bekam – und zurückgab! –, wiegt die Kürze der Zeit auf. Wir sind deshalb sehr dankbar, dass Chano bei Euch, liebe Beate, lieber Thomas, spüren durfte, was es heißt, geliebt und umsorgt zu werden. Chano war etwas ganz Besonderes: auch sein Zwingerdasein konnte sein liebes verschmustes Wesen nicht brechen, ihm die Lust am Leben und die Freundlichkeit zu Menschen nicht nehmen.

Liebe Freunde,

diesmal muss ich schreiben...
Chano hat leider seine letzte Reise angetreten... er war viel zu kurz bei uns...

Wir bedanken uns von ganzem Herzen für die gemeinsame Zeit und Liebe, die er uns geschenkt hat ❤🐾.
An Euch vielen Dank, dass Ihr es möglich gemacht habt.

Wir wünschen Euch alles Gute und weiterhin viel Kraft und Erfolg bei der Vermittlung der besten und liebevollsten Hunde der Welt.

In Trauer
Beate N. und Thomas H.

Liebe Beate, lieber Thomas, wir trauern mit Euch um den lieben kleinen Hundemann, Und wir bedanken uns sehr herzlich, dass ihr Chano eine – seine einzige - Heimat gegeben habt.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. v., Freudenstadt


Immer,wenn wir von dir erzählen, fallen Sonnenstrahlen in unsere Seelen.
(unbekannt)

joey

Joey - alias Fridolin
* geb. ca. 2003 -
25.05.2018

Mit Joey zog 2003 ein wirklicher Shiba-Sonnenschein bei der Nothilfe ein, anders kann man es gar nicht sagen. Und das, obwohl Joey aus sehr schlechter Haltung, AnimalHoarding, kam.

Joey war in jeder Hinsicht ein Unikat: Er konnte sich wohl bei seiner Geburt nicht entscheiden, zu welchem Geschlecht er gehören möchte. So hatten wir es zum ersten Mal in unserer Tierschutzzeit mit einem Zwitter zu tun. Eine OP an den Geschlechtsorganen war nötig, Joey überstand diese gut, und es machte ihm nichts aus, dass er fortan wie ein Mädel pinkelte.

Leider brachte Joey auch einige Eigenheiten aus seinem Vorleben mit – vermutlich hat er dort gelernt, sich alleine zu beschäftigen, mit allem, was Hund so finden konnte: Joey spielte mit Steinen – verschluckte sie aber auch. So gab es auch mal eine Not-OP. Joey fraß auch Schnecken und schnappte nach sämtlichem Getier, das sich so frei auf Gottes Erdboden bewegte: Schmetterlinge, Bienen – auch hier war eine Not-OP angesagt, weil Biene ihren Stachel in seiner Zunge hinterlassen hatte. Vielleicht war dieses Verhalten ein Ersatz für Joey, weil er nicht schnüffelte/nicht schnüffeln konnte (?). Warum, haben wir nicht herausgefunden, vielleicht hatte er keinen Geruchssinn. Dafür war jedes Blatt im Wind, einfach alles, was sich bewegte, ein Spiel für ihn. Man musste beim Gassigehen höllisch auf den kleinen wundersamen Kerl aufpassen. Sein Spieltrieb war unerschöpflich, er hüpfte und sprang und fand das Leben nur schön.Auch was ihm an vierbeinigen Kameraden vor die Pfötchen lief, wurde angespielt.

Was Hund und Katz betraf, war sein soziales Verhalten einzigartig. Mit besonderer Hingabe hat er seinen vierbeinigen Kameraden die Augen und Ohren geputzt, und alle haben es sich von ihm gefallen lassen. Auch alle Menschen fand er nur nett. Er machte sich ein Spiel daraus, auszubüchsen und den Garten unsicher zu machen. Dann saß ihm der Schalk im Nacken. Auch wenn man ihn dabei ständig einfangen musste, böse sein konnte man ihm nicht.

Ein großes Problem war jedoch sein ganzes Leben lang das unstete Fressen. Schüsseln ignorierte er, man musste ihm sein Futter auf den blanken Boden legen, damit er überhaupt etwas in sein Bäuchlein bekam. Oder unterwegs das Trockenfutter wie zum Spiel werfen. Und wenn alles nichts genützt hatte, packte man ihn ins Auto und fuhr mit ihm eine Strecke, nur, damit er während der Fahrt gefressen hat. Ein seltsames Verhalten, auf das man sich jedoch die ganzen Jahre hindurch eingestellt hatte. Man hat den kleinen Joey genommen, wie er eben war. Und er war einfach nur genial.

Leider kam im Jahr 2018 ein massiver gesundheitlicher Einbruch, er bekam Probleme mit seinen Hinterbeinen. Nach einigen Wochen intensiver tierärztliche Betreuung schien man das Problem einigermaßen in den Griff bekommen zu haben - doch dann, an Pfingsten, hat er uns alle geschockt: Joey hatte einen Schlaganfall und musste umgehend notversorgt werden. Tägliche Infusionen brachten ihn jedoch auch nicht wieder auf seine Pfötchen. Der kleine liebenswerte Hundemann wurde immer schwächer. Bevor man sein Leiden verlängerte, musste man sich mit dem Gedanken tragen, Abschied zu nehmen. So ließen wir Joey am 25.05.2018 in Frieden einschlafen.

Auch wenn dies eine Erlösung für den kleinen Schatz war, so hat er doch trauernde Menschen hinterlassen, die ihn und sein so charmantes Wesen nie vergessen werden. Joey hat eine große Lücke hinterlassen, die schwer zu schließen ist. 15,5 Jahre war er ein treuer und fröhlicher vierbeiniger Kamerad.

Zurück gelassen hat er sein Frauchen, das ihn nach dem Tod seines Herrchens im Jahr 2015 adoptiert hat, und seine frühere Tagespflegemama: Danke, dass Du uns so viele Jahre begleitet hast und uns Dein Vertrauen und Deine Liebe geschenkt hast!

Joey, Du bleibst unvergessen!

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V. Freudenstadt


Je schöner und voller die Erinnerung,
desto schwerer ist die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel,
sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.
(Dietrich Bonhoeffer)

Samu

Samu

* 13.02.2011 20.05.2018

Als Samu im Januar 2015 in unsere Station kam, begegneten wir einem in jeder Beziehung außergewöhnlichen Hund. Vom Aussehen her: ein Karelischer-Bärenhund-Mix, dunkelbraun, nicht „typisch nordisch“, was es vielleicht erschweren könnte, Menschen auf sich aufmerksam zu machen. Vom Charakter her überaus friedlich, unkompliziert, mit vorbildlichem Benehmen Mensch und Hund gegenüber, egal, wie groß oder alt Mensch war, egal, ob der Artgenosse ein Rüde oder eine Hündin war. Es geschah wie erwartet: Es dauerte ein paar Monate, bis eine Familie auf Samu aufmerksam wurde, aber damit hatte Samu gewonnen, denn Samu kennen lernen und begeistert sein, war eines. Die Vorkontrolle und der Katzentest fielen positiv aus, und so durfte Samu umziehen. Er war für seine Familie „ein echter Glücksfall“, wie sie im Glücksfelle-Text schrieben. Es folgte eine für alle wunderschöne unbeschwerte Zeit mit Spaziergängen, Fahrradtouren, Zeltlager und ganz viel Schmusen, und es hätte gerne für alle noch lange so weitergehen können. Aber das Schicksal hatte anderes vor: Samu bekam Krebs und musste über die Regenbogenbrücke gehen. Er hinterlässt eine sehr traurige Familie, allerdings mit vielen schönen Erinnerungen an ihn:

"Liebes Team der NfP,

wir müssen Euch leider mitteilen, dass unser Samu heute Nacht eingeschläfert werden musste. Wir können es immer noch nicht wirklich
begreifen.

Vor 6 Wochen wurde bei ihm Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Das war für uns ein furchtbarer Schock. Er war doch noch relativ jung. Dann haben wir zusammen mit unserem Tierarzt gehofft, dass die Chemotherapie unserem Samu noch ein paar schöne Jahre schenken könnte. Er hat vier Termine ganz toll hinter sich gebracht, und alle hatten ihn sehr gern. Es ging ihm nach dem zweiten Termin auch wieder richtig gut. Dann kam es zu einer Infektion wegen des geschwächten Immunsystems. Da war unser gemeinsamer Weg zu Ende, und wir mussten ihn gehen lassen.

Da sind so viele wunderschöne Erinnerungen, ganz viele Bilder gehen mir die ganze Zeit durch den Kopf, während ich dies hier schreibe. Er war ein ganz toller Hund, liebevoll und total kuschelig. Er hat meine Kinder und mich jedes Jahr in ein Feriencamp mit vielen Kindern begleitet. Er war der Liebling aller Kinder. Das Zelten dort fand er super und liebte es, meinen Schlafsack zu kapern. Autofahren ist nie so richtig seine Sache gewesen, aber Schiffstouren haben ihm gefallen. Im Wald spazieren zu gehen, fand er toll, aber nicht im Dunkeln. Da ist noch so viel mehr.

Wir hoffen, dass es ihm dort, wo er jetzt ist, gut geht und er keine Schmerzen mehr hat. Es war eine wunderschöne gemeinsame Zeit, und er wird immer einen Platz in unseren Herzen haben.

Wir sind ganz furchtbar traurig und vermissen ihn so sehr.

Ganz herzliche Grüße

Familie S."

Liebe Familie S., auch wir waren geschockt – damit hätte niemand gerechnet – Samu war doch erst sieben. Wir durften Samu kennen lernen und verstehen, was Sie an diesem Schatz verloren haben. Aber wir sind sehr froh, dass Samu bei Ihnen, nach vier wohl nicht so schönen Jahren, endlich geliebt wurde und voll in Ihre Familie integriert war. Er hatte bei Ihnen das, was er verdient hatte: den Himmel auf Erden. Wir sind traurig, dass er dieses Leben nicht länger genießen durfte, und auch wir werden diesen außergewöhnlichen Hundebub nie vergessen.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Für einen ganz außergewöhnlichen Hund

Man kann Tränen vergießen, weil sie gegangen sind,
oder man kann lächeln, weil sie gelebt haben.

Man kann seine Augen verschließen und beten, dass sie wiederkehren,
oder man kann seine Augen öffnen und all das sehen, was sie hinterlassen haben.

Das Herz kann leer sein, weil man sie nicht sehen kann,
oder man kann voll Liebe sein, die man mit ihnen geteilt hat.

Man kann sich vom Morgen abwenden und im Gestern leben,
oder man kann morgen glücklich sein wegen dem Gestern.

Man kann sich erinnern, dass sie gegangen sind,
oder man kann ihr Andenken bewahren und es weiterleben lassen.

Man kann weinen und sich verschließen, leer sein und sich abwenden,
oder man kann tun, was sie gewollt hätten:
lächeln, seine Augen öffnen, lieben und weitermachen.

(Autor leider unbekannt)

Digger

*16.10.200717.01.2018

Digger ist einer der elf Trennungswaisen, die wir Anfang März 2014 in unsere neue Station aufgenommen haben. Alle Hunde waren zwischen sechs und neun Jahre alt – uns war klar, dass es kein leichtes Unteranfangen werden würde, so viele ältere Hunde zu vermitteln. Aber sie alle sollten die Chance haben, noch einmal im Leben zu spüren, wie es sich anfühlt, geliebter Familienhund zu sein. Digger gehörte bei seinem Einzug in unsere Station zu den jüngeren Kandidaten; trotzdem gehörte er nicht zu den ersten, die zu ihrer eigenen Familie umziehen durften. Und auch für Frau Sch., die in die Station gekommen war, weil sie gerne gleich zwei älteren Nordischen ein neues Zuhause schenken wollte, war Digger nicht die erste Wahl. Das hat sich aber schnell geändert – Digger wurde zu ihrem Seelenhund. Viel zu früh musste sie nun im Januar diesen außergewöhnlichen Schatz über die Regenbogenbrücke gehen lassen – der Knochenkrebs kannte kein Erbarmen.

Seelenhunde

Man spürt es - in seinem Denken, in seinem Handeln, in seinem Fühlen.
Seelenhunde hat sie jemand genannt - jene Hunde, die es nur einmal geben wird im Leben, die man begleiten durfte und die einen geführt haben auf andere Wege.
Die wie ein Schatten waren und wie die Luft zum Atmen.
Kein Tag wird vergehen, ohne an sie zu denken und ohne sie zu vermissen. Nur Hundemenschen können verstehen, wie es ist, diesen Hund zu verlieren.

Digger ist mein Seelenhund.

Er trat in mein Leben, und von Sekunde an war es ein anderes Leben. Viel bunter, viel lustiger, viel spannender und umso vieles besser.

Die ersten acht Jahre seines Lebens waren sicher nicht die schönsten, die letzten zwei Jahre davon verbrachte er mit 15 weiteren Leidensgenossen in einem schäbigen Zwinger. Ohne Ansprache, ohne Auslauf, ohne nichts.

Als ich damals die Auffangstation besuchte, um nach zwei älteren Huskys zu suchen, war Digger nicht die erste Wahl. Eigentlich sollten es Uppik und Kojak werden. Kojak verwechselte jedoch den Shi-Tzu meiner Mutter mit einem Kaninchen – so kam Digger ins Gespräch. Denn für die scheue Uppik wäre ein umweltsicherer Hund eine gute Stütze zur Eingewöhnung.

Der erste Spaziergang lief ganz gut, die Entscheidung war getroffen. Also den kleinen Malamutemischling geschnappt, die scheue Uppik ins Geschirr gelockt und ab ging die Fahrt in die Pfalz.

Die ersten Spaziergänge: Uppik auf maximalen Abstand bedacht, Digger um mich rum kreiselnd. Wir brauchten ein paar Wochen zum Kennenlernen, uns einzuschätzen zu lernen und um Vertrauen aufzubauen. Digger öffnete sich, legte seine Angst vor Strafen ab, traute sich, etwas falsch zu machen, und begann zu strahlen.

Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und vertraute ihm. Ich vertraute darauf, dass er hören würde, wenn ich rufe. Wir hatten das wochenlang an der Schleppleine geübt, und Digger war ein Musterschüler. Würde es aber auch ohne Schleppleine funktionieren? Es war der Beginn eines neuen Lebens für den kleinen Schlittenhund. Er sauste über die Felder, rannte die Äcker rauf und runter, galoppierte wie ein Wirbelwind in großen Bögen um mich rum und strahlte. Er holte nun alles nach, lebte auf und kostete jede Sekunde seines neuen Lebens aus.

Digger liebte sein neues Hundeleben so sehr. Wir wanderten stundenlang durch Felder, Wiesen und Wälder. Anfangs mied er noch das Wasser und sprang wie ein Ziegenbock über die Bäche. Doch Digger wäre nicht Digger gewesen, wenn er nicht das Positive daran gefunden hätte. Er begann ins Wasser zu gehen, und im zweiten Sommer liebte er es, durch die Bäche zu rennen und das Wasser spritzen zu lassen. Rennen, Sausen, das war seine große Leidenschaft. Es genügte jedoch ein „Digger-Doooooog“, und er kam angesaust und strahlte.

Wir haben wunderbare Tauschgeschäfte auf unseren Spaziergängen abgewickelt: Eine Lauchstange gegen eine Handvoll Fleischwurst. Undefinierbare Knochen gegen Leckerlis, und eine gefundene Pizza gegen die gesamte Leckerlitüte. Er hatte einen riesen Spaß, mir alles zu bringen und zu tauschen.

Er grub mit unermesslichem Eifer seine Lieblingsplätze im Garten. Mal die Grube etwas weiter links, zwei Wochen später etwas weiter nach vorne, dann wieder an einem ganz anderen Platz …. Wir haben gemeinsam den Garten komplett umgestaltet.

Sein unerschütterlicher Optimismus, seine unermessliche Lebensfreude, seine Neugier auf alles, er steckte uns alle damit an. Was hat uns dieser Hund zum Lachen und Staunen gebracht mit seinen Ideen und Einfällen.

Der kleine Flauschi hat das Leben hier so sehr geprägt. Digger hat mir bei Uppik und Juri so wertvolle Hilfe geleistet. Wieviel, das wird erst jetzt sichtbar.

Als die Diagnose Knochenkrebs Anfang Januar feststand, zog es uns den Boden unter den Füßen weg. Er kämpfte so tapfer, doch seine Kraft wurde immer weniger. Es war sicher die schwerste Entscheidung meines Lebens, ihn gehen zu lassen.

Danke Digger, dass Du mir vertraut und mich dreieinhalb wundervolle Jahre begleitet hast.

U. Sch.

Wie immer sind wir sehr traurig, wenn einem unserer Schützlinge nicht viel Zeit bleibt, sein neues Leben zu genießen. Nur knapp vier von elf Jahren durfte Digger sein Leben genießen, nur elf Jahre durfte Digger werden. Aber wir sind gleichzeitig auch sehr dankbar, dass Digger bei Ihnen, liebe Frau Sch., und bei Uppik eine wundervolle Zeit verbringen durfte, die schönste seines Lebens. Wie immer bleibt die Frage „warum so früh“ unbeantwortet. Wir trauern mit Ihnen um einen ganz außergewöhnlichen Hund.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Leuchtende Tage,
nicht weinen, dass sie vorüber,
lächeln, dass sie gewesen sind.

(Konfuzius)

Tami

Tami

*2006 02.05.2018

2009 haben wir vier wunderschöne junge Husky-Mädels, Tami, Tenshi, Toya und Ajuma, in die Vermittlung bekommen, eine schöner als die andere. Leider war das Glückskleeblatt bis dahin nicht gut behandelt worden und hatte sehr isoliert gelebt, sie hatten noch nicht viele Erfahrungen machen dürfen.
Als Dritte zog im Mai 2009 Tami zu ihrer eigenen Familie. Alles war neu, ihren Menschen war klar, dass es noch viel Zeit brauchen würde, bis Tami gelassener würde. Im Haus war Tami schnell „angekommen“, sie war stubenrein und hatte binnen kurzem verstanden, dass sie nun Prinzessin ist. Geräusche draußen allerdings, Autos, viele Menschen, Einkaufswagen, dunkle Hauseingänge versetzten sie anfangs in Panik. Aber da Tami intelligent und wissbegierig war, taute sie unter der sanften Anleitung ihrer Menschen auf. Von Anfang an wollte Tami lernen, wollte endlich LEBEN. Und ihre Menschen gingen zusammen mit ihr „den Weg der kleinen Erfolge“. Tami war überall dabei, in die Familie eingebunden und wurde geliebt. Und dann ganz plötzlich war Tami nicht mehr da: Gestern noch eine Wanderung, einen Tag später musste sie über die Regenbogenbrücke gehen. Entsprechend der Schock bei Tamis Familie und bei uns.

„Liebes Polarhunde-Team,

wir sind noch geschockt von den Ereignissen der letzten Tage. Am 02.05.2018 mussten wir uns plötzlich und unerwartet von unserer Tami verabschieden.

Wir sind so unendlich traurig und können es immer noch nicht fassen. Obwohl unser Mädel mit einem Schätzalter bei uns vor neun Jahren einzog, haben wir nicht gedacht, dass wir sie so früh gehen lassen müssen. Hatten wir uns doch mindestens noch auf drei bis vier schöne Jahre mit unserer kleinen Rennsemmel eingestellt. Aber es war wohl anders für sie geplant. Sie hatte in den letzten drei Wochen schon diverse Verdauungsprobleme, und wir waren zwei- bis dreimal wöchentlich mit ihr beim Tierarzt. Es gab eine Analfistel, aber Tami war ja tapfer im Nehmen.

Am 1. Mai stand einer Wanderung nichts im Wege, und keiner der Teilnehmer hat je bemerkt, dass mit Tami etwas nicht stimmt. Ja, sie hat viel getrunken, ja, sie hatte ein Bäuchlein, aber fit wie ein Turnschuh! Wir hatten zuvor ein großes Blutbild machen lassen: alles im grünen Bereich.

Umso geschockter waren wir, als am 2.5. unsere Tami nicht mehr hoch kam, wieder umfiel, eigentlich zu uns wollte …. Schrecklich!! Sofort zum Tierarzt … Röntgen, Ultraschall, Schnellblutbild …. Diagnose: innere Blutungen nach Organversagen!

So mussten wir sie gehen lassen …. Jetzt hat sie ein schönes Plätzchen in ihrem geliebten Garten. Wir können es nicht fassen! Wir sind so unendlich traurig!

R. und K. B.“

Auch wir sind geschockt und traurig, zu gut haben wir Tami in Erinnerung, und wie sehr hätten wir dem lieben Mädel gewünscht, dass es sein Leben noch lange genießen darf. Was aber bleibt, liebe Familie B., das ist eine schöne Erinnerung an eine unvergessene gemeinsame Zeit. Halten Sie diese fest. Ganz herzlich möchten wir uns bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie Tami ein so tolles und liebevolles Zuhause gegeben haben. Wir wünschen Ihnen viel Kraft für die Verarbeitung der Trauer.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Unser Herz will Dich halten.
Unsere Liebe Dich umfangen.
Unser Verstand muss Dich gehen lassen.
Denn Deine Kraft war zu Ende
.
(unbekannt)

Meggie

Meggie (ehemals Bjelka)

* ca. 200312.06.2017

Im Mai 2008 übernahmen wir Bjelka von einem befreundeten Tierheim. In unsere Station, damals noch in Horb, zog ein verängstigtes Huskymädel ein, das in ihrem bisherigen Leben (geschätzt fünf bis sechs Jahre) nichts kennen gelernt hatte außer einem Verschlag, den sie mit ihrem Hundekumpel teilte, und das bisschen Welt drum herum. Zum Glück waren nun die Hunde beschlagnahmt worden, wir befürchteten allerdings, dass es nicht leicht werden würde für Bjelka, da die meisten Menschen offene, neugierige, „unkomplizierte“ Hunde bevorzugen. Aber eben nur die meisten, nicht alle – überraschend schnell fanden sich genau die richtigen Menschen für Bjelka, Menschen, die Bjelka, jetzt Meggie, die Liebe und Geduld entgegenbrachten, die sie brauchte, um Vertrauen zu fassen. Jetzt ging ihre Lebenskraft zu Ende, wenn die Altersschätzung richtig war, in einem stolzen Alter, aber es ist immer zu früh, wenn ein geliebter Freund gehen muss.

„Liebes NfP-Team,

im Juni 2008 haben wir die total verängstigte Bjelka, die damals auf fünf bis sechs Jahre geschätzt wurde, aus der Auffangstation in Horb übernommen. Unter ihrem neuen Namen Meggie lernte sie bei uns langsam Vertrauen zu fassen und das Leben zu lieben. Auch wenn es anfangs sehr schlimm war mit ihren Panikattacken und Ängsten vor Geräuschen, Bewegungen - eben vor allem, was ihr fremd war – ging es irgendwann doch steil bergauf. Wir hatten ein Huskymädchen, das gerne draußen unterwegs war, mit uns schöne Urlaube verbrachte und uns unsere Geduld auf ihre ganz persönliche Weise dankte.

Umso trauriger war es, mit ansehen zu müssen, wie Anfang letzten Jahres ihre Kräfte nachließen. Als sich ihr Zustand zusehends verschlechterte und man ihr selbst in der Tierklinik nicht mehr helfen konnten, mussten wir sie am 12.06.2017 schweren Herzens erlösen lassen. Wir hatten neun gemeinsame Jahre mit ihr, die uns trotz der Startschwierigkeiten unvergessen bleiben werden.

Selbst zehn Monate später vermissen wir unsere Meggie noch sehr - so sehr, dass ich es erst heute fertig bringe, Ihnen diese traurige Nachricht mitzuteilen.

Mit herzlichen Grüßen
K. L. und K. R.“

Meggies erste Jahre können wir alle nicht ungeschehen machen, aber es ist, trotz der Trauer, ein gutes Gefühl, dass Meggie neun Jahre das Leben als geliebtes Familienmitglied genießen durfte. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bei Ihnen, liebe Frau L, lieber Herr K., bedanken. Sie haben es mit Ihrer unvoreingenommenen Liebe geschafft, aus dem Panikhund Bjelka die glückliche Meggie zu machen. Wir trauern mit Ihnen um ein ganz besonderes Huskymädel.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Gestern hatten wir noch Pläne,
heute sind sie schon Vergangenheit
.
(unbekannt)

Laika

Laika (ehemals Lara) *01.11.2007 27.3.2018

Laika wurde in ihrem „ersten Leben“ zum Verhängnis, dass sie ein Husky war, ein wunderschöner Husky – und jemand mit so einem Hund angeben wollte. Als alle diesen schönen Hund dann bewundert hatten, hatte Laika, damals hieß sie noch Lara, ausgedient und landete im Zwinger. Nachdem ihr Besitzer verstorben war und der Rest der Familie nichts von Lara wissen wollte, stellten Tierfreunde den Kontakt zu uns her. Lara kam in unsere damals noch existierende Station in Schleswig-Holstein. Ihr Aufenthalt dort allerdings war nur kurz, denn auf der Suche nach einer Nachfolgerin für ihre verstorbene Hündin verliebte sich eine uns schon lange bekannte Freundin der Nordischen in Lara. Im August 2011 begann für Lara endlich das Leben – sie wurde geliebtes, umsorgtes, vollwertiges Familienmitglied und bekam zum Zeichen des Neufangs den Namen Laika. Leicht machte sie es ihrem neuen Frauchen nicht, aber Laika wieder aufgeben, war nie eine Option. Man raufte ich zusammen, nicht nur das, man wurde ein Dreamteam. Jetzt gingen sechs glückliche Jahre zu Ende, Laika ist über die Regenbogenbrücke gegangen und hinterließ ein tieftrauriges Frauchen – aber auch viele schöne Erinnerungen:

„Laika, die so viel bewegte

Es ist vielleicht keine Geschichte à la Lassie, aber es ist meine besondere Geschichte mit einem ganz besonderen Hund.

Man könnte anfangen mit ... sich selbst gnadenlos über- und den Hund unterschätzt. Schon in der Station gab sich Laika selbstbewusst, aber ich war guten Mutes. Mit den früheren Hunden hatte es ja auch immer geklappt. Nichts hatte mich auf Laika vorbereitet. Bei jemand anderem wäre es vielleicht auch ganz anders gewesen, aber bei mir ging es in eine andere Richtung, und das lag an meiner und Laikas Persönlichkeit.

Laika war damals selbständig, selbstbewusst, mit geringer Frusttoleranz, eisernem Willen und Konsequenz ausgestattet. Ich harmoniebedürftig, unbedarft und leider mangelnd konsequent. Frust machte sich auf beiden Seiten breit. Doch eines hatten wir gemeinsam ... einen eisernen Willen! Und so suchte und fand ich die Lösung in dem Hundetrainer Rico Hafner. Ich will gar keine Schleichwerbung machen, ich bin einfach nur von seiner Arbeit beeindruckt. Ich landete in einer ganz anderen Hundewelt. Es gibt nicht nur einen Fahrplan, nein, jedes Hund-Mensch-Team wird individuell betreut. So auch wir. In Einzelstunden, Sozialisierungsgruppe (Leinepöbeln konnte Laika sehr gut) und Kursen zu verschiedenen Themen erarbeiteten Laika und ich ein ganz anderes Miteinander, das wir genießen konnten. Viele der Übungen beruhten darauf, Körpersprache zu lesen und sich selbst körpersprachlich auszudrücken. Es war und ist bis heute eine ganz eigene faszinierende Welt. Die Kämpfe bei Hundebegegnungen, Finden von Fressbaren etc. wurden weniger.

Trotz der guten Fortschritte passierte dann doch der glückliche Unglücksfall. Wir gingen Gassi. Blue drehte sich nach weit entfernt laufenden Hunden um. Was Laika damals geritten hat, kann ich bis heute nicht ganz nachvollziehen. Wie von der Tarantel gestochen schoss sie (obwohl sie jede Menge Platz hatte) zu Blue rüber. Ein Huskyknäuel rollte vor meine Beine. Laika ging in schüttelndes Maßregeln über. Leider war es nicht der dicke Pelz von Blue, den sie da zwischen den Zähnchen hatte, sondern, da Sommer, mein unbehostes Wadenbein. Nach zwei Sekunden bemerkte sie ihren fatalen Fehler und ließ, selbst erschrocken, ab. Nun ja, zwei Wochen war ich aus dem Verkehr gezogen. Meine Hunde waren in dieser Zeit bei meinem Trainer im "Ferienlager", der sie noch einmal genau beobachtete. Fazit: der zwar liebenswerte, aber stets verspielte Blue nervte Laika ab und an dann doch etwas (er war damals noch nicht so lange bei uns). Also lenkten wir Blues Energie in den Sport um. Nie hätte ich daran gedacht, mit einem Husky Agility zu machen. Wir laufen zwar keine Turniere, aber mittlerweile sind wir doch ganz schön gut geworden, da wir das trotzdem mit Ernst betreiben.

Nun sollte aber Laika auch etwas zur Beschäftigung haben. So kamen wir zum Mantrailing. Und DAS war genau IHR Ding!!! In den letzten zweieinhalb Jahren liebte sie es, die verrücktesten Trails im Museum oder Baumarkt, am Strand, durch leere Häuser, Parks zu laufen und die "Opfer" in Kisten, auf Bäumen oder auch mal in der Badewanne aufzuspüren. Sie erhielt den Spitznamen Miss Marple. Ich lernte, meinen Hund anhand der Körpersprache gut zu lesen, und konnte das in den Alltag transportieren. Das Trailen schweißte uns zusammen, dabei waren wir eins.

Es war eine wunderschöne Zeit, die nun leider zu Ende ist. Obwohl ich mich über Lees erste Trails gefreut habe, musste ich mich einen Moment aus dem Training nehmen. Die Tränen warteten in den Augenwinkeln. Ich vermisse die kleine Maus sehr. Durch Laika hat sich so vieles verändert. Ich bin so unendlich froh, dass sie mich ein Stück in meinem Leben begleitet hat. Ich will ganz fest daran glauben, dass ich sie eines Tages in einer anderen Welt wieder in den Armen halten kann. Bis dahin wird sie mich in meinem Herzen begleiten.

Ganz liebe Grüße
A. S.

Vielleicht ist es doch ein bisschen eine Lassie-Geschichte.“

Auf alle Fälle ist es eine wunderbare Liebeserklärung an einen ganz besonderen Hund! Auch wir werden Laika nie vergessen. Liebe A. S., wir verstehen Ihre Trauer, wir bedanken uns sehr herzlich, dass Sie trotz aller Schwierigkeiten mit solchem Durchhaltevermögen zu Laika gehalten haben – und wir bedanken uns herzlich, dass Sie nicht gezögert haben, einem neuen Pechfell (Ilva, jetzt Lee) ein Zuhause zu schenken. Wir wünschen Ihnen viele schöne Erinnerungen und viele genauso schöne neue Erfahrungen!

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Und immer sind da Spuren eures Lebens:
Gedanken, Bilder, Augenblicke und Gefühle.
Sie werden mich immer an euch erinnern.

(unbekannt)

NanookSendy

Sendy *21.01.2001 + 01.11.2017
Nanook *24.07.2001
+ 23.03.2018

Sendy und Nanook – lange ist es her, dass diese beiden Hundeschätze in unserer Station waren. Nicht zusammen, kennen und lieben gelernt haben sie sich erst in ihrer neuen Familie. Beide kamen 2006 als Trennungswaisen zu uns. Sendy durfte im April 2006 in den Taunus umziehen, im August folgte ihr Nanook. Jetzt ging ein zwölfjähriger gemeinsamer Weg zu Ende – erst ging Sendy über die Regenbogenbrücke, dann Nanook. Dass beide ein stolzes Alter erleben durften, tröstet das Frauchen und den zurückbleibenden Hundefreund Jakko nur wenig:

"Liebes Team der NfP,

auch wenn alte Hunde sterben, ist es immer viel zu früh ....

Am 01.11.2017 musste ich mich von meinem 17-jährigen Mädel Sendy für immer verabschieden. Letzten Monat, am 23.03.2018, folgte ihr mein fast 16-jähriger Bub Nanook über die Regenbogenbrücke.

Nun ist nur noch Jakko an meiner Seite. Er gibt Trost in dieser traurigen Zeit.

Sendy und Nanook sind zwölf Jahre Lebensweg mit mir gegangen, und ich blicke in Liebe und Dankbarkeit auf diese Zeit zurück.

Herzliche Grüße
C. F. mit Jakko
"

Wir fühlen mit Ihnen und Jakko, zwölf Jahre sind eine lange Zeit, und doch viel zu schnell vorbei. Wir möchten uns sehr herzlich bei Ihnen bedanken für die langjährige und liebevolle Begleitung von Sendy und Nanook und hoffen, dass Sie Trost finden in den schönen Erinnerungen.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Das einzig wichtige im Leben
sind Spuren von Liebe,
die wir hinterlassen,
wenn wir Abschied nehmen.
(Albert Schweitzer)

Sam

Sam: *14.06.200511.04.2018

Wir haben heute unseren Sam verloren.

Der fast dreizehnjährige Hound kam zusammen mit seinen drei Lebensgefährten, die früher zusammen Rennen gefahren sind, als Trennungswaise im letzten Jahr zu uns auf die Station. Sie lebten sich in Windeseile auf der Station ein und fielen jedem gleich auf, nicht nur wegen ihres Stockmaßes von ca. 60 cm, sondern vor allem durch ihren geradezu fürsorglichen Umgang miteinander und ihre äußerst freundliche Art allen anderen Lebewesen gegenüber.

Sam war uns als etwas schreckhaft und leicht panisch beschrieben worden, deshalb gab es an Silvester wieder menschliche Wache auf der Station. Wir trauten unseren Augen nicht, als ausgerechnet er sich - nach einem kurzen Kontrollgang durchs Gehege - trotz der etwas entfernten Knallerei als erster wieder in seinem Korb zusammenrollte und weiterschlief. Das war cool! Auch wenn es die jungen Schnösel im Gehege mal wieder mit dem ausgelassenen Spiel maßlos übertrieben und ihn dabei anrempelten, war das Höchstmaß an Verwarnung ein Zischen, das er zwischen seinem geschlossenen Fang mit gekräuselten Lefzen hervorbrachte. Wir hätten uns ins Eck schmeißen können vor Lachen. Setzte sich mal ein Mensch auf die Bank, war der sanfte Riese sofort zur Stelle und versuchte sich auf dessen Schoß zu legen.

Letzte Woche ging es ihm nicht gut und die Blutwerte wiesen alarmierend auf eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hin. In der Tierklinik konnte das u.a. per Infusionen wieder aufgefangen werden. Der CT brachte auch Dinge im Magen-Darm-Trakt ans Licht, die da sicher nicht hingehörte. Er durfte nach zwei Tagen und Nächten wieder mit ‚heim‘ auf die Station. Leider ging es ihm heute wieder schlechter und er wurde wieder zur Klinik gefahren. Dort mussten wir nach Öffnung des Bauchraums mit den Ärzten nach Abschätzung der Chancen und überwiegenden Risiken entscheiden, ob man ihm einen Großteil des Darmes entfernt. Wir ließen ihn schweren Herzens gehen, um ihm Leid zu ersparen.

Oh ja, Sam hat viele Spuren von Liebe hinterlassen und alle, die ihm begegnen durften, werden ihn sehr vermissen und wohl nie vergessen.

Ihr trauriges Team der Nothilfe für Polarhunde e.V. Freudenstadt


Alles hat seine Zeit.
Es gibt eine Zeit der Freude,
eine Zeit der Stille,
Zeit des Schmerzes, der Trauer
und eine Zeit der dankbaren Erinnerung.
(unbekannt)

Akiba

Akiba *2007 † 14.03.2018

Mit vier Jahren hatte Akiba bereits eine Berg- und Talfahrt hinter sich: Geboren ganz unten, bei einem gewerblichen „Vermehrer“ (da wir das Wort „Züchter“ hier nicht verwenden möchten, kann sich jeder sein eigenes Bild von ihrer Welpenzeit machen), wurde sie von lieben Menschen erworben, die bereits einen von Akibas Brüdern, Drago, gekauft hatten. Bei Drago war diesen Menschen noch nicht bewusst gewesen, aus welchen „Verhältnissen“ er kommt, und als es ihnen bewusst wurde, wollten sie Akiba nicht dort zurücklassen und nahmen sie kurzerhand auch auf. Obwohl Drago seine Schwester immer „unter der Fuchtel hatte“, führten beide ein glückliches Leben, das gerne hätte so weiter gehen können. Aber leider wurden die Menschen krank – und Akiba und Drago kamen in unsere Obhut. Eine Vermittlung im „Doppelpack“ strebten wir nicht an, da, wie gesagt, Akiba immer hinter ihrem Bruder zurück gestanden hatte. Und noch einmal begann für Akiba der Weg nach oben: Bereits wenige Tage, nachdem wir sie in der Vermittlung hatten, wurde eine Familie, die nach einer neuen Gefährtin für ihren „verwitweten“ Husky-Rüden suchte, auf Akiba aufmerksam. Alles passte, die neuen Menschen, Djuke, die familiären Verhältnisse. Akiba durfte endlich ankommen, für immer. Jetzt musste sie mit gerade einmal elf Jahren über die Regenbogenbrücke gehen.

„Guten Tag liebes Team der Nothilfe für Polarhunde,

wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass unsere liebe Akiba, «Lady Akiba», am 14. März 2018 beim Abendspaziergang zusammengebrochen und innert Minuten verstorben ist. Der Tod von Akiba kam nicht ganz überraschend, aber dennoch waren wir nicht darauf vorbereitet. Wir haben nicht damit gerechnet, dass Akiba, obwohl sie chronisch krank war, so plötzlich stirbt. Seit über zwei Jahren war Akiba ernsthaft erkrankt. Einerseits hatte Akiba das Cushing-Syndrom, und andererseits litt sie an einer (unbekannten) neuromuskulären Krankheit. Leider war es trotz der vielen Abklärungen in der Tierklinik und der Therapien nicht möglich, Akiba zu heilen. Akiba war, auch als sie ernsthaft krank wurde, stets eine ausgeglichene und liebe treue Hündin. Akiba hat nie aufgegeben, sie hat ihr Schicksal stets gut gemeistert – bis am Schluss. Akiba verstarb im 11. Lebensjahr. Wir sind traurig über den Verlust und vermissen unsere Akiba sehr. Die vielen schönen Erinnerungen an sie, Akiba war sieben Jahre unser Familienmitglied im «Rudel G.», trösten uns.

Mit herzlichen Grüssen

M. & C. G.-J.“

Viel zu früh musste Akiba gehen, wir trauern mit der Familie. Aber wir sind auch sehr dankbar, dass Akiba bei Ihnen ihren Platz im Leben gefunden hat, und für immer in Ihren Herzen ihren Platz haben wird.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Wenn die Kraft versiegt,
die Sonne nicht mehr wärmt,
dann ist der ewige Frieden eine Erlösung.

(unbekannt)

Jodel

Jodel * 200402.03.2018

Im März 2016 kam Jodel gemeinsam mit seinen Rudelmitgliedern verwahrlost und gesundheitlich angeschlagen in unsere Station. Mit im Gepäck hatte ein großes, fast ein Kilo schweres Fettpolster auf seiner Schulter, das seine Bewegungsfreiheit enorm einschränkte und welches zum Glück bald darauf entfernt werden konnte.

Ende 2016 wurden zu unserer großen Freude liebevolle Menschen auf ihn aufmerksam, die ihn sofort ins Herz geschlossen haben und ihm einen Altersruhesitz als Dauerpflegehund anboten. An Weihnachten 2016 konnte Jodel sein neues Leben beginnen, ein Leben, in dem er Liebe und Fürsorge erfahren durfte, was er bis dahin nicht gekannt hatte.

15 Monate dauerte sein Glück gemeinsam mit seiner Familie. Wir sind sehr traurig, dass Jodel sein neues Leben nicht länger genießen konnte, doch wir sind auch überaus dankbar, dass Jodel seinen letzten Lebensabschnitt als geliebtes und behütetes Familienmitglied verbringen durfte und im Alter Menschen fand, die ihn liebten, unterstützten und begleiteten.

"Liebes Team der Nothilfe,

wir durften am 26.12.2016 Jodel bei Ihnen abholen.

Obwohl Jodel von Anfang an Probleme hatte mit der Stubenreinheit (er war nie stubenrein), war er sofort in unser Herz eingezogen. Es dauerte eine Weile, bis Jodel verstanden hatte, dass er nun alleiniger Prinz bei uns ist und nichts, wie Futter oder Schlafplatz, mit einem anderen teilen muss. Dies gefiel ihm dann sehr, und er wurde immer zutraulicher. So nach acht Wochen kam er dann auch das erste Mal so richtig zum Kuscheln, und wir merkten, er war angekommen.

Leider hatte Jodel gesundheitliche Probleme mit seinen Gelenken und musste Medikamente, unter anderem Schmerzmittel, nehmen. Wir haben versucht, ihm das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Die letzte Woche wollte er kaum noch vor die Tür, weil es ihm sehr schwer fiel.

Am Freitag, den 02. März, hatte Jodel dann leider zwei Schlaganfälle und kam nicht mehr auf die Beine. Unser Tierarzt empfahl uns, ihn zu erlösen. Da haben wir schweren Herzens unseren Jodel auf seine letzte Reise geschickt. Er starb in unseren Armen, ruhig und sehr gelassen, wie es seine Art war."

Jodel war ein äußerst liebenswerter Vierbeiner, der alle, die ihn kennen lernen durften, um seine Pfötchen wickelte. Wir werden Jodel immer im Herzen behalten. Unser ganz besonderer Dank gilt der Pflegefamilie für ihre Liebe und Fürsorge und den Paten, die Jodel in seinen letzten Monaten unterstützt und begleitet haben.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e.V. Freudenstadt


Leise ging die Wanderung über Tal und Hügel, und uns wär's, als wüchsen still seiner Seele Flügel.
(anonym)

Tyson

Tyson *200407.02.2018

Tysons Geschichte ist eine unglaubliche: Seine Besitzerin, eine in Deutschland stationierte US-Soldatin, wurde in die USA zurück abberufen, und wollte den damals elfjährigen Malamute-Buben einfach so hier lassen – ohne Versorgung! Und wenn das ein Frauchen fertig bringt, kann man sich ausmalen, wie Tyson bis dahin bei ihr „gelebt“ hat. Zum Glück erfuhren wir rechtzeitig davon und nahmen Tyson auf. Entgegen den ersten Fotos und der Beschreibung entpuppte sich Tyson als ausgesprochen hübscher und verträglicher Bursche. Und so konnte er schon bald im Sturm eine Familie erobern, die einem älteren Kandidat eine Chance auf einen glücklichen Lebensabend geben wollte. Tyson hatte das große Los gezogen, wurde geliebt und verwöhnt. Jetzt verließen ihn die Kräfte, und seine Familie ließ ihn schweren Herzens über die Regenbogenbrücke gehen:

„Liebes Team der NfP,

unendlich traurig müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir von unserem lieben Bub Tyson für immer Abschied nehmen mussten.

Nach einem beschwerlichen letzten Jahr wurden seine Spaziergänge immer kürzer und kürzer. Aufgrund seiner Lähmungserscheinungen wurde er immer schwächer.

Der Kopf wollte immer mehr, als er konnte. Nicht mehr alleine aufstehen zu können und seine totale Inkontinenz, das alles war unendlich schwer mit anzusehen. Deshalb haben wir ihn (nach langem Kampf und in Absprache mit dem Tierarzt) am 7. Februar 18 seine letzte Reise antreten lassen.

Wir vermissen unseren Prinz auf dem roten Teppich so sehr. Danke für diesen wunderbaren Bub.

S. und W. W.“

Wir trauern mit Ihnen, und wir sind unendlich dankbar, dass Tyson durch Sie wenigstens noch 2 ½ Jahre erfahren durfte, was es heißt, geliebtes Familienmitglied zu sein.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Betty

Es weht der Wind ein Blatt vom Baum.
Von vielen Blättern eines,
Das eine Blatt, man sieht es kaum,
Denn eines ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein
war Teil von unserem Leben.
Drum wird dies eine Blatt allein
Uns immer, immer fehlen.

-unbekannt-

Betty

Leider mussten wir unsere liebe Betty noch vor Weihnachten über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Sie hatte ein schnell wachsendes Rezidiv des Krebses bekommen, welches nicht mehr behandelbar war. Wir sind unsagbar traurig, dass dieses so liebe und genügsame Kätzchen leider nicht gerettet werden konnte.
Einziger Trost ist, dass sie ihren letzten Weg nicht alleine gehen musste.

Die Pflegestelle von Betty


Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Rocky *10.09.200805.02.2018

Der Husky-Malamute-Rüde Rocky ist ein Paradebeispiel für einen Hund, dem man wohl als knuffigen Welpen nichts abschlagen konnte, den man nach Strich und Faden verwöhnte, der dann, wahrscheinlich bereits als Junghund, das Zepter in der Familie übernahm – und dieser Rolle weder gewachsen war noch in ihr glücklich wurde. Aber er traute seinen damaligen Menschen nicht zu, die richtigen Entscheidungen zu treffen, und so traf er sie selbst. Als sich seine vorigen Besitzer wegen schwerer Krankheit von Rocky trennen mussten und ihn in unsere Obhut gaben, hieß es für uns, für diesen Macho, der seinen Willen durchaus mit Hilfe seiner Zähne durchzusetzen versuchte, eine Familie zu finden. Rocky hatte Glück im Unglück: er durfte zu einer Pflegefamilie ziehen, bei der er bleiben durfte. Eine Entscheidung, die Rocky den Menschen wahrlich nicht leicht gemacht hat und vor der wir immer noch ganz großen Respekt haben. Rocky versuchte immer wieder, seine bisherigen Privilegien durchzusetzen, seine Menschen erklärten ihm über fast vier Monate täglich, dass die Regeln jetzt andere sind. Die bewundernswerte Geduld und das unerschütterliche Zu-Rocky-Halten, sogar nach einem Beißvorfall, zahlten sich letztendlich aus: Rocky wurde, je mehr er akzeptierte, dass nicht er das Sagen hat, und je mehr er seinen Menschen vertraute, entspannter. Acht Jahre können eben nicht einfach mal so weggewischt werden, schon gar nicht bei einem solch charakterstarken Hund wie Rocky.

Als aus dem rüpelhaften und dominanten Macho ein lieber und empfindsamer Familienhund geworden war, als man endlich ein entspanntes Miteinander hätte genießen können, kam die Katastrophe: Bei Rocky wurde ein inoperabler Nasentumor diagnostiziert. Er bekam Kortison, aber es war klar, es war eine palliative Behandlung, die Rocky allerdings immerhin noch acht schöne Monate schenkte.

Rocky

„Ciao Rocky!“

"Wir mussten uns von unserem Malamute-Husky-Rüden Rocky verabschieden.

Als Du vor vierzehn Monaten als westfälischer Stadt-Husky, italienischer Malamute-Macho mit polnischen Wurzeln und „Notfallhund“ (weil Herrchen schwer erkrankt war und die Familie fortan mit der Situation völlig überfordert war) zu uns gekommen bist, hat sich Deine Welt von einem Tag auf den anderen völlig verändert. Unsere allerdings auch! Dein Vertrauen in die menschliche Eignung als Rudelführer war eher gering, unsere Überraschung in Anbetracht von so viel Dominanzgehabe eher groß …

Schon auf dem Weg nach Nordhessen war die Erfahrung tiefgreifend, dass auf dem Beifahrersitz Frauchen sitzt und nicht Rocky. Dein Hundebett mit Satin-Bettwäsche, die Du Frauchen früher gerne vor die Füße geschmissen hast, wenn diese schmutzig war, hast Du gar nicht vermisst. Aber bei Appetit anschlagen und an der Speisekammertür kratzen oder bei Gassi-Laune an der Haustür „rütteln“ war tief in der Hundeseele verwurzelt. Rocky geht voran, die Menschen folgen?

Jedenfalls hat Dich das Selbstbewusstsein, bei Tisch mit uns gemeinsam speisen zu dürfen und kräftig alles wegzuschieben zu dürfen (vor allem uns), um freien Zugang zu allen Tellern - vor allem bei Pizza und Pasta - zu bekommen, noch über Wochen nicht verlassen. Und wenn Du im Haus nicht überall hindurftest, wo Du hinwolltest und wann Du wolltest, Herrchen und Frauchen einfach mal im Weg standen, hast Du auch – gewissermaßen freundlich, aber bestimmt – gezeigt, wofür ein Schlittenhund seine Zähne außer zum Kauen benutzen kann. Der einzige Moment übrigens, bei dem auch mal ein lauteres Wort gefallen ist.

Riegelbildend in Türen stehen, draußen die gesamten 55 Kilo pausenlos in die gespannte Leine werfen und in einer Tour zerren, das konntest Du perfekt, obwohl die Kondition anfangs für nicht mehr als zehn Minuten Gassigehen gereicht hat. Hellwach sein, alle Hunde, alles, was entgegenkam, anbellen und den Weg bestimmen wollen, obwohl Du Dich im Wald gar nicht auskanntest, war wochenlang normal. Am zweiten Abend in Frielendorf hast Du am Sendberg vermutlich das erste Mal in Deinem achtjährigen Hundeleben ein Reh gesehen. Da bist Du verwundert stehen geblieben und hast es beobachtet. Nach mehreren weiteren Wild-Begegnungen hast Du Dich schließlich schnell daran „erinnert“, dass Du ein Polarhund bist und Deine Vorfahren offenbar nicht etwa Autos im Ruhrgebiet hinterhergelaufen sind, sondern Wild gejagt haben. Von da an warst du ganz schön schwer festzuhalten.

Du warst mehr als überrascht, zu erfahren, dass in Nordhessen jemand Malamute spricht, Dich und Deine Forderungen wochenlang ignorieren konnte und beim Spazierengehen zunächst konsequent vorweg gehen wollte. Dass der Hund weder beim Verlassen der Höhle noch bei der Rückkehr der erste ist, war schwer zu ertragen. Mit Joggen und gesunder, artgerechter Ernährung haben wir es gemeinsam geschafft, auf 43 Kilo Gewicht abzuspecken. Und nach drei bis vier Monaten schon waren die Spaziergänge mega-entspannt und zu Hause waren die Verhältnisse so weit geklärt.
Rocky, wir haben in diesen ersten Monaten alle viel gelernt! Du, dass man seinen Menschen durchaus vertrauen kann, und wir, dass man noch viel konsequenter sein kann, als man denkt, und viel über die Malamute-Seele wissen muss, damit man jedes Verhalten versteht und alles gut wird. Am Ende schien alles gut, Du warst ganz erleichtert, dass Du Deine Chef-Position loslassen konntest und wusstest, dass die Hundewelt genau so in Ordnung ist. Wir hatten einen sehr schlauen Weggefährten und Husky-Dame Mischa einen tollen Rudel-Partner. Auch wenn Dein Umgang mit dem Hunde-Mädchen ausbaufähig blieb.

Was wir alle nicht ahnen konnten, war, dass Deine gelegentlichen, aber zunehmenden Atemgeräusche und andere gesundheitliche Auffälligkeiten zu einem Krankheitsbild gehörten, das sehr schnell zur Gewissheit wurde: Nasentumor. Obwohl Du angeblich nur mit Maulkorb zum Tierarzt gehen konntest, bist Du hier gerne zum Veterinär gefahren. Schnell hast Du begriffen, dass die Kortison-Spritzen Linderung verschaffen. Wir aber wussten, dass die Dosis nach immer mehr Steigerung verlangt. Als nach acht Monaten Kortison-Behandlung die ersten Blutstropfen aus Nase und Augenwinkel kamen, haben wir alle erkannt, dass der Tag gekommen ist …

Bei Deiner Geschichte und dieser tollen Entwicklung haben wir in den letzten Tagen manchmal gefragt, warum jetzt und warum gerade Du? Eines Tages werden wir wissen, warum Du so schnell wieder gehen musstest. Jetzt wird Deine Seele irgendwo im Hundehimmel das Rudel um sich scharen, und ganz sicher bist Du wieder der Boss, und manchmal Macho? Es sei Dir gegönnt! Aber denk auch dran: Pizza, Pasta und Cappuccino sind für Hunde definitiv ungesund!

Mach’s gut, Rocky!
Du bleibst in unserer Erinnerung der eigensinnigste, aber liebenswerteste aller „Malamuten“!

Deine Menschen Karin und Rainer und Deine Husky-Freundin Mischa"

Wieder einmal ein Schicksal, das man als so ungerecht empfindet – warum durften Rocky und seine Menschen ihr Glück, für das sie so gekämpft haben, nicht länger genießen? Wir wissen die Antwort nicht, aber wir sind unendlich dankbar, dass Rocky von dieser Familie aufgenommen wurde und noch erfahren durfte, wie es ist, Menschen vertrauen zu können und von ihnen nicht „nur“ geliebt, sondern verstanden zu werden. Danke, Karin und Rainer!

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Hunde kommen in unser Leben, um zu bleiben.
Sie gehen nicht fort, wenn es schwierig wird...
Ein Hund entscheidet sich einmal für den Rest seines Lebens.
Er fragt sich nicht, ob er wirklich mit uns alt werden möchte. Er tut es einfach.
Seine Liebe, wenn wir sie erst verdient haben, ist absolut.

(Picasso)

Kojak *02.02.2005 17.01.2018

Neun Jahre lang war Kojaks Leben, ein Leben im Zwinger als einer von vielen, eintönig – wenn man von den schlimmen Erfahrungen absieht, die er vermutlich durch Menschen machen musste. Dann zog er im März 2014 in unserer damals gerade eröffneten Auffangstation ein, als einer der „11 Trennungswaisen“. Langsam, sehr langsam, fasste er Vertrauen, und begann das Leben in unserer Auffangstation zu genießen, das für ihn bereits einen enormen Fortschritt bedeutete. Als neun Jahre alter Grönländer, scheu, nicht mit jedem Artgenossen verträglich, dabei aber groß und kräftig tat er sich schwer, Interessenten für sich zu gewinnen. Aber dann, im Oktober 2014, kam Mandy – genau genommen muss man sagen, kam Mandy zurück. Denn sie gehörte zu den Menschen, die Kojak und seine Kumpels aus ihrem Zwingerdasein herausgeholt und zu uns in die Station gebracht hatten. Jetzt kam sie wieder in die Station, 800 km einfach, um Kojak abzuholen, da einer ihrer alten Hunde über die Regenbogenbrücke gegangen war. Für Kojak begann endlich das Leben, das dieser großartige Hund verdient hatte – als geliebter Familienhund. Dies blieb er bis zu seinem letzten Atemzug, durch viele Höhen und Tiefen hat er sein Frauchen begleitet, hat durchgehalten, bis er sicher war, dass er sie alleine lassen konnte. Müde vom Leben, aber friedlich durfte er in ihren Armen einschlafen. Was bleibt ist Trauer – und unendliche Dankbarkeit.

„Mein geliebter Kojak,

ich kannte Dich schon lange - schon damals, als Du noch in karger Zwingerhaltung leben musstest. Scheu und mit riesiger Angst vor Männern.

In 2014 haben wir Dich und Deine Kumpanen dann dort rausgeholt. Ich habe Euch alle persönlich in die Auffangstation der Nothilfe für Polarhunde in Burladingen-Gauselfingen gebracht. Ich weiß noch genau, wie ich auch Dich abends in der großen Halle der Auffangstation aus dem Pfötchentransporter geholt und in die Obhut der NfP-Freudenstadt gegeben habe. Mit der Vermittlung hast Du Dich dann allerdings schwer getan. Zu alt, zu stark, nicht gut verträglich mit anderen Rüden. Scheu noch dazu - das lief nicht sehr gut.

Und dann starb unser alter "Wolli". Bei uns zuhause war plötzlich im Oktober 2014 wieder ein Platz frei. Und ich fuhr los nach Gauselfingen. Die Würfel waren gefallen. Ich habe Dich abgeholt und mit nach Hause genommen. Du hast Dich so toll eingelebt damals. Unser kleiner Husky Pumi war ein echter Kumpel für Dich. Und Husky-Opa Magua war auch völlig in Ordnung. Du hast Dich ruckzuck an das Leben als "Familiengröni" gewöhnt. Uns geliebt, Pumi und Magua geliebt und das ganze beschauliche, ruhige Leben an der Kuhbrücke. Immer mutiger wurdest Du. Immer lebensfroher. Immer lustiger.

Die Zeit verging. Pumi starb, Opa Magua starb - und wir holten dann Chad dazu. Deinen alten Kumpel Chad. Du hast Dich so darüber gefreut. Chad hat sich so darüber gefreut. Ihr beide wart so dicke miteinander. Ich bin froh, dass ich solch eine enge Freundschaft zwischen zwei alten Rüden live und in Farbe miterleben konnte.

Und so hätte es für Dich, für uns alle für immer weitergehen können. Alles war gut.

Aber so ging es nicht weiter. Denn wir haben im April 2017 unseren Micha verloren. Ein Herzinfarkt hat Dir und Chad ihre zweite Bezugsperson genommen. Und mir meinen Mann. Das ganze Leben hat sich für uns schlagartig verändert. Vier Wochen später starb dann auch noch Chad ebenso plötzlich. Nun waren nur noch wir beide da, Kojak. Du und ich - die beiden "Überlebenden".

Und erneut hast Du Dich so gut an die völlig neue Situation angepasst! Wir beide haben so viel erlebt im letzten Jahr. Viel Trauer. Viel Verlust. Viel Veränderung. Du warst die ganze Zeit an meiner Seite. Danke! Als der gesamte Garten im Juni nach den heftigen Regenfällen überschwemmt war, haben wir es gemeistert. Und dann sind wir umgezogen. Haben das Alte hinter uns gelassen, haben das neue Grundstück umzäunt, haben das Haus renoviert und sind richtig gut vorangekommen. Du noch immer zufrieden an meiner Seite. Mit dem Gröbsten waren wir jetzt fertig - wir haben uns beide schon richtig zuhause gefühlt, wir kamen endlich wieder zur Ruhe.

Dass Deine schwere Herzerkrankung nicht mehr lange in Schach zu halten sein wird, wusste ich. Seit zwei Jahren schon war mir bewusst, dass Du jederzeit einfach umkippen könntest. Oft genug bist Du ja auch umgekippt. Aber Du hast weiter und weiter durchgehalten. Tapfer und zufrieden.

Weil sich unser Leben nun langsam wieder normalisiert hatte, solltest Du nun im letzten Monat endlich auch wieder einen zweiten Hund dazu bekommen. Auch wenn deine Krankheit schon deutliche Spuren hinterlassen hatte. Ich wusste, Du würdest maximal noch ein paar Monate, eher ein paar Wochen, leben. Aber dein Kopf war noch topfit! Daher zog Shaina, die achtjährige Malamutehündin, dann vor kurzem bei uns ein. Du hast sie sehr gemocht. Und über ihre liebenswürdige "Trampeligkeit" hast Du großmütig hinweg gesehen.

Und dann, nachdem Shaina ein paar Tage da war, war es plötzlich, als würdest Du nun zur Ruhe kommen. Als könntest Du nun abschließen und mich mit meinem neuen Leben alleine lassen. Mit Shaina. Du wurdest immer ruhiger und auch schwächer. Dein Herz konnte schon längst nicht mehr. Wir haben die letzten Tage sehr intensiv miteinander verbracht. Und dann bist Du friedlich zuhause in meinen Armen eingeschlafen.

Kojak, mein alter Freund, ich hoffe, Du bist jetzt da, wo Micha und Chad sind. Und vielleicht auch Pumi und Magua und alle anderen. Danke, dass Du mich ins neue Leben begleitet hast! Ohne Dich hätte ich das nicht so gut geschafft. Danke für alles, mein lieber "Mimihund". Run free.

In Dankbarkeit und Liebe
Mandy (jetzt mit Shaina)“

Tief betroffen gemacht hat uns dieser Abschiedsbrief. Wir standen zwar immer in Kontakt mit Kojaks Frauchen und wussten um die vielen Verluste, die sie in der letzten Zeit erleiden musste. Aber alles noch einmal geballt zu lesen... Liebe Mandy, wir sind Dir zutiefst dankbar, dass Du Kojak, einem „alten“, von niemand anderem gewollten Hund, ganz selbstlos ein Zuhause geschenkt hast, ein so liebevolles obendrein. Kojak ist einer dieser außergewöhnlichen Hunde, deren wahre Seele vielen, die nur oberflächlich hinschauen, verborgen bleibt. Er bleibt unvergessen. Wir bewundern Deine Stärke und wünschen Dir und Shaina von ganzem Herzen viele gemeinsame Jahre, in denen Du zur Ruhe kommen darfst.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Liebe versetzt Berge.
(Sprichwort)

Easy to love of Norton Sound *03.05.2005 10.01.2018

Kurz vor Weihnachten, kurz vor dem dritten Jahrestag von Easys Einzug bei IHRER Familie bekamen wir noch einen euphorischen Bericht und freuten uns wieder einmal, dass das Mädel noch eine so wunderbare Zeit - ja, den Himmel auf Erden - hatte. Und nun ist Easy ganz plötzlich von dieser Welt gegangen.

So sehr haben wir Easy noch eine ganz lange Zeit gewünscht, Zeit bei zwei Menschen, die sie liebten, nachdem man in ihrer vorigen Familie nicht viel für Easy übrig hatte – weder Zeit noch Liebe noch Fürsorge. Die riesige Krebsgeschwulst, die Easy mitbrachte, als sie 2015 zehnjährig zu uns kam, wurde entfernt, damit Easy wieder ungehindert das tun konnte, was sie liebte: spazieren gehen, rennen, toben. Und dann das unglaubliche Glück, dass sich zwei Menschen meldeten, wohlwissend, dass es sich bei Easys Krebs um einen wiederkehrenden Krebs handelt, und Easy ein Zuhause, ein wirkliches Zuhause, schenkten.

Wir freuten uns alle mit Easy und ihren Menschen über die gemeinsame glückliche Zeit. Die Krankheit war nicht vergessen, aber nicht sie bestimmte das Leben von Easy und ihren Menschen, sondern die Freude an- und miteinander, Lebensfreude, Optimismus, Dankbarkeit, Liebe und Achtung.

Nun aber ist die gemeinsame Zeit auf dieser Welt vorbei. Wir alle sind sehr traurig und müssen das auch erst verarbeiten. Wie viel härter trifft es die Familie, die Easy zurückgelassen hat!

Easy to love of Norton Sound

„Schock, Unverständnis, Trauer, Tränen, Leere, Alleine, das ist unser momentaner Gefühlszustand.

Aber beginnen wir von vorne.
Dezember 2015, auf der Homepage der NfP steht gross geschrieben „Easy’s Weihnachtswunsch“. Ja, der ging wirklich in Erfüllung. Wir hatten das grosse Glück, dass die Chemie zwischen Easy, Barbara und Urs von Anfang an stimmte. Nicht nur Easy war glücklich darüber, dass sie mit uns mit durfte, nein auch wir waren happy, dass das flotte Mädel uns von Anfang an ins Herz geschlossen hatte. Von Beginn weg wussten wir, dass die Krebserkrankung unheilbar war und dass sie mit grosser Wahrscheinlichkeit daran sterben würde.

So begann eine interessante, lustige, herausfordernde und glückliche Zeit. Vieles durften wir erleben mit unserer starken, lauffreudigen und motivierten Easy. Sie kämpfte voller Lebenslust gegen den Krebs an, trotz nochmaliger Operation und der Magendrehung hat sie nie die Motivation und positive Einstellung verloren. Immer wieder raffte sie sich auf, genoss die Tage um uns herum, wollte spazieren oder baden gehen und gab uns mit ihrer Mimik zu verstehen, wie sehr sie es genoss. Auch die Zurechtweisungen fehlten nicht, konnte sie doch mit tiefem Grollen und Geheule ihren Missmut zum Ausdruck bringen, wenn wir sie ein paar Stunden alleine liessen. Aber kaum waren die Töne verstummt, waren Streicheleinheiten und Kuscheln angesagt.

Autos, das war ihre grosse Leidenschaft. Wann immer möglich, wollte sie Auto fahren oder einfach nur im Auto liegen, das war „Genuss pur“. Bald merkten wir, dass ihr das Auto Sicherheit gab, vor allem während der Feuerwerkszeit in der Schweiz, am 1. August oder über Silvester. In der Wohnung äusserte sich dies im Dauerlaufen und ängstlicher Nervosität, jedoch im Auto war sie dann völlig genussvoll und entspannt.

Am 20.12.2017 war die Welt noch in Ordnung, da schrieb Easy noch einen Bericht für die Homepage der NfP. Glücklich feierten wir Weihnachten in unserem Ferienhaus bei viel Schnee. Wie sie die Spaziergänge und das Rennen im Schnee ohne Leine genoss! Am Ende gab es fast immer einen Zwischenhalt im Restaurant, wo sie mit Brot verwöhnt wurde.

Ja, 738 Tage des Glücks, die niemand missen möchte, die wir so sehr genossen haben, wir stolz waren, dass unser Sonnenschein uns so viele schöne Stunden und Tage geschenkt hat, und dann schlug das Schicksal unbarmherzig und völlig überraschend zu.

Am 26.12.2017 kamen die ersten Anzeichen. Leichtes Zittern und ab und zu ein Zucken. Trotz diverser Medikamente, Untersuchungen und tägliches Hoffen auf Besserung mussten wir tatenlos zusehen, wie der Gesundheitszustand unseres Sonnenscheins immer schneller schlechter wurde. Das Zittern wurde mehr, und auch das Zucken, verbunden mit Gleichgewichtsstörungen, nahm unaufhörlich zu. Alle Therapien oder Medikamente nützten und halfen nichts. Die Spaziergänge wurden immer kürzer und die Kraft immer weniger. Sie fing an, das Trinken und Fressen zu verweigern, da sie es meistens nach einigen Stunden wieder erbrach.

Nach 15 Tagen vergeblichen Hoffens und Bangens haben wir uns schweren Herzens entschlossen, Easy über die Regenbogenbrücke ziehen zu lassen. Easy hat nicht den Kampf gegen den Krebs verloren, sondern gegen die Neuropathie.

Wir möchten uns nochmals bei der NfP bedanken. Dafür, dass Ihr uns das Vertrauen geschenkt habt und vor allem, dass wir so einen liebevollen, verschmusten und tollen Hund zu uns nehmen durften. Es wird lange dauern, bis wir über den Schmerz hinweg sein werden, aber wir werden Easy immer in unserem Herzen tragen.

Barbara und Urs“

Liebe Barbara, lieber Urs, wir möchten Euch ein demütiges DANKE sagen - Ihr habt Euch unglaublich um Easy bemüht und Großartiges gepaart mit der Energie des Mädels geleistet. Die innige Verbindung, die man aufbaut, gerade zu Tieren, die sonst wenig oder auch keine Chancen haben, kann nur derjenige nachempfinden, der mit ihnen lebt, sie liebt mit allen Höhen und Tiefen, so, wie sie einem in die Verantwortung gegeben wurden.

Unser herzlicher Dank geht an alle, die es Easy ermöglichten, dass sie ihren Lebensabend genießen konnte. Wir sind sicher, viele trauern um Easy.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Lili
Dass die Kräfte erschöpft sind, heißt keineswegs, dass es der Wille auch wäre.
(Victor Hugo)

Lilli

Lili: *ca. 2004 04.01.2018

Die dreizehnjährige Hündin zeichnete sich immer durch ihren ganz eigenen Willen und ihre ganz eigene Art aus. Vor drei Jahren fand sie ein Herrchen, das sie einfach so nahm wie sie ist und beide verbrachten eine schöne Zeit miteinander mit gegenseitigem Respekt. Aber Lilly ihren Willen zu lassen, draußen zu leben, ging dann leider nicht mehr. Ihr Alter und der Zustand ihres Körpers liesen es nicht mehr zu.

Wir haben Lilly vor ein paar Wochen zurückgenommen, da sie nicht mehr in der Lage war, die steilen Treppen zu ihrem Zuhause zu bewältigen. Sie war komplett inkontinent und hatte sich eine schwere Blasenentzündung zugezogen, die behandelt wurde. Auch ihr Knochenbau war nicht mehr der beste. Ihre Haltung zeigte, dass mit ihrer linken Vorderpfote etwas nicht stimmte. Mittlerweile wissen wir, dass die Ursache wohl vom Zustand ihrer Wirbelsäule kam.

Lilly lebte fortan als ‚Hallenhund‘ in der Station. Dort konnte sie sich frei bewegen und hatte den notwendigen Grip, damit sie auf sicheren Pfoten ihre Bewegung bekam. Sie schlief ihrem Alter entsprechend sehr viel und konnte sich dazu an ein warmes Plätzchen in der Quarantänestation zurückziehen. Offensichtlich genoss sie auch die Gesellschaft ihrer beiden hündischen Mitbewohner. Und mit ihrem wachen interessierten Blick beobachtete sie gerne das menschliche Treiben zweimal täglich in der Halle. Immer wenn sie Lust hatte, schaute sie einen mit ihrem ‚Silberblick‘ an und kam auf uns zu, um sich ihre Streicheleinheiten abzuholen. Jeder Mensch war sehr erfreut, wenn er von ihr dazu ausgesucht wurde. Verhinderte mal wieder die linke Pfote, dass sie aufstehen konnte, maulte sie erzürnt, bis ihr jemand Hilfestellung gab. Wir haben alles getan, um ihr das Leben schmerzfrei und so angenehm wie möglich zu machen. Aber leider konnten wir ihr nicht die Lebenszeit und -qualität schenken, die wir ihr gegönnt hätten. Am Donnerstagmorgen konnte sie gar nicht mehr aufstehen, da nun ausgehend von ihrer Wirbelsäule zusätzlich ihre Hinterbeine Lähmungserscheinungen zeigten. Wir konnten für die alte Dame nur noch eines tun, sie in Abstimmung mit unserer Tierärztin in Würde gehen lassen.

Ihr trauriges Team der Nothilfe für Polarhunde e.V. Freudenstadt


Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.
(Icely Saunders)

Chariot

Chariot *25.10.200502.12.2017

Auch wenn wir grundsätzlich Icely Saunders‘ Worten zustimmen, sind wir sehr traurig, dass der kleinen, so liebenswürdigen Chariot nicht mehr Tage in ihrem „neuen“ Leben vergönnt waren. Neun Monate – viel zu kurz, um all das nachzuholen, was Chariot in ihrem vorigen Leben in Nur-Draußenhaltung ohne viel Beachtung oder gar Zuwendung verwehrt geblieben war. Viel zu kurz für das Frauchen, die noch viele Abenteuer für Chariot bereit gehalten hätte, viel zu kurz für Panda, der in Chariot die große Liebe gefunden hatte. Und trotz der Trauer und der Hilflosigkeit gegenüber solchen Schicksalsschlägen, die einem so ungerecht vorkommen, sind wir sehr, sehr dankbar, dass Chariot in diesen kurzen neun Monaten so viel erleben durfte – viel mehr als mancher Hund in neun Jahren. Selbst der Nachruf schäumt über vor Leben und ist eine einzige Liebeserklärung:

„Am 2. Dezember mussten wir uns von Chariot verabschieden – es war und ist nicht einfach. Chari-Schatzi fehlt … immer und überall. Nun animiert keiner mehr Panda zum Unfugmachen, keiner strampelt mehr unter meiner Decke, keiner rappelt am Futternapf, keiner sagt bei den Spaziergängen mehr, wo es lang geht… Sie war ein ganz besonderer Hund – ein Chari-Schatzi, eine kleine Diva und Pandas große Liebe. Wir hatten neun wunderbare Monate miteinander.

Richtig lustig wurde es, nachdem auch Panda bei uns eingezogen ist. Die beiden waren unzertrennlich – Chariot war der Kopf der Gang, und Panda machte, was von ihr angeordnet wurde: wenn man intensiv genug auf den Grafikschrank starrte (weil sie wusste, dass ich dort ein „Lecker“ abgestellt habe), dann kletterte Panda dort hoch, sobald ich das Büro verließ. Alles, aber wirklich alles, oben runterschmeißen, runter klettern und gemeinsam die Beute inspizieren und das Genießbare verputzen: geschwisterlich geteilt (ganz sicher nicht gerecht oder halbe/halbe). Wenn ich zurückkam, stand sie mit Engelsgesichtchen vor mir: ich war es nicht!! Ich habe mir die Show auf der Überwachungskamera angeschaut: das kleine Luder, sie hat ihn angestiftet, er hat es bereitwillig ausgeführt. Anschließend hat man angekuschelt ein Schläfchen gemacht – ist ja auch anstrengend, so ein Blödsinn!

Nachdem Panda gut sieben Wochen bei uns war, sind wir nach Österreich gefahren zum Bergwandern. Beide fanden Autofahren ja nicht besonders erbaulich und haben mich mit ihrem Gesang unterhalten… Es variierte zwischen Fiepen, Jaulen, Heulen, Quatschen – alles, was so ein Polarhund auf Lager hat, wurde zum Besten gegeben. Jeder saß/lag in seiner Box und tat seinen Unmut bzw. seine Langeweile kund. Besonders wenn das Auto zum Stillstand kam (Stau, rote Ampel etc.), wurde es richtig laut – je länger desto lauter. Ich habe eine Alu-Hundebox in das Auto einbauen lassen: beide gemeinsam in einer Box, sie schlafen ja auch in einem Bettchen. Auf die blöde Idee hätte ich auch eher kommen können: angekuschelt, hingelegt, Ruhe in der Kiste… Sie haben nicht geplärrt, weil sie nicht Auto fahren wollten, sie haben Rabbatz gemacht, weil sie nicht zusammen waren, herrjeh – so einfach!
Panda hatte sich gut eingelebt, und so haben wir uns auf die Reise gemacht. Bei einer Freundin im Hotel haben wir Quartier bezogen, das Zimmer wurde für die Hunde ein bisserl umdekoriert, und so begannen zehn wunderbare Tage.

Wir waren fast nur draußen, es war herrlich. Lange Spaziergänge an der Enns entlang, weit durch die Wiesen zurück. Wir sind auf die Berge gestiegen, in die Täler hinein gewandert, durch die Wälder gestreift und haben diese Freiheit und Zeit einfach genossen. Wir haben Freunde besucht, eine Malerei kennen gelernt (puh, das stinkt!). Wir haben Almkühe „bewundert“ (ist, glaub ich, besser, wenn ich Angst habe, aber riechen tun sie soo spannend: also hin, ne, besser weg, oder doch hin, oder weg oder wie nun). Wenn man ein guter Österreicher werden will, dann muss man als Junge auch „Fensterln“ – aber besser man beginnt ganz vorsichtig und nimmt erst mal Gartenzäune zum Drübergucken – das dann aber ausführlich!

Wenn man dann, nach den langen Gängen, wieder ins Hotel kommt, dann muss man erst mal ein ausführliches Nickerchen machen: am allerliebsten und am schönsten ist es, wenn alle drei gemeinsam auf dem Sofa lagern: Panda und Chariot liebten es, zwischen meinen Beinen im Formationsschlaf zu ruhen. Dass ich keinen Platz mehr hatte, war nebensächlich und definitiv nicht ihr Problem.

Abends wurde auch ich bei meiner Freundin verwöhnt: ich bekam jeden Abend wunderbares Essen! Erst wurden die Hunde versorgt, dann durfte ich zu Tisch. Eines Abends kam ich wieder in unser Zimmer, hatte Gottlob mein Telefon in der Hand. Panda saß mitten im Zimmer und guckte mich unverwandt an: „Gut, dass Du kommst!!! Gerade ist Deine Handtasche explodiert!!“

Der gesamte Inhalt meiner Tasche lag überall verstreut. Es war wirklich alles, alles aus der Tasche geräumt und großflächig im Zimmer verteilt. Pandas Blick war der Knaller! Chari-Schatzi lag auf dem Sofa und tat betont unbeteiligt – er war’s, er war’s …

Einen Tag haben wir dann auch eine richtig große Bergtour gemacht: ausgeschrieben sind acht Stunden reine Gehzeit. Es geht erst mal wunderbar durch Wiesen und Wälder auf Steigen hoch, die beiden waren begeistert und tappelten fröhlich vor mir her – allerdings konnte man es nicht „gehen“ nennen. Es war ein mehr als zügiges Bergauf – die beiden Zugtiere haben oben wohl das Schlaraffenland erwartet, so eilig, wie sie es hatten. Allerdings war immer Zeit zu schnuppern – es gibt dort oben noch eine Menge Wild und die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Geruch von Gämsen oder Murmeltieren kennen, war unwahrscheinlich: also schnuppern, viel schnuppern und dabei weiterlaufen.

Der weite Blick in die Berge hat sie nicht besonders interessiert, das war eher was für mich.

Die Steige sind wunderschön und im September ist kaum etwas los. Besonders, wenn man den langen Weg auf den Berg geht. Es gibt viele kleine Wildbäche dort, in denen kann man die Füßchen kühlen, und man kann trinken. Frisches Quellwasser – das mitgeschleppte Wasser und der Napf wurden ignoriert (wieso Wasser saufen, wenn der Champagner sprudelt)!!

Bei den Almen haben wir eine kleine Pause eingeschoben – in dem Tempo, in dem die beiden nach oben gewetzt sind, war ich heilfroh, mal ein paar Minuten zu sitzen. Panda hat sich hingelegt, Chariot hat schon wieder Almvieh entdeckt und musste gucken.

Von dort ging es dann auf den Gipfel. Beide sind perfekt trittsicher: dort oben gibt es nur noch Latschen (Krüppelkiefern) und Stein. Keine gemütlichen Waldwege mehr – aber die zwei haben es wunderbar gemeistert. Eilig und zielstrebig sind sie hoch marschiert – haben widerwillig absteigende Wanderer vorbeigelassen – und weiter geht es.

Als wir oben um die letzte Biegung kamen, hatten doch unerwartet viele das schöne Wetter genutzt und waren auf den Hausberg gestiegen. Chariot und Pandas Blick waren herrlich: „Du hättest uns ruhig sagen können, dass hier oben eine Bushaltestelle ist!“ (Man kann bis zu den Almen mit dem Auto fahren, dann ist es nur noch eine kleine Tour – aber das war ja nicht mein Plan). Nach wenigen Minuten hatten sich die meisten wieder auf den Weg gemacht, und so konnten wir zum Gipfelkreuz und haben dort unsere Jause gegessen. Berggehen macht hungrig.

Nach der Rast haben wir uns recht bald wieder auf den Weg nach unten gemacht – es war ja schon ein rechter Marsch. Da das Bergabgehen deutlich anstrengender ist als der Aufstieg (da pustet man mehr) und Chariot so tapfer nach oben marschiert war, war sie nun auch ziemlich kaputt. Die kleine Diva hat ja ihren persönlichen Alpensherpa dabei: also wurde Chariot getragen. Ich habe einen Hunderucksack für große Hunde – Chari ist eingestiegen und hat sich tragen lassen.

Echt praktisch, so ein persönlicher Sherpa. Auf diese Weise konnte die kleine alte Dame auch große Touren mitmachen: wenn sie müde wurde und mit ihren Hinterpfötchen angefangen hat zu schlurfen, dann kam sie in den Rucksack. Sie stieg gerne ein und ist darin sogar eingenickt. Ich gebe zu, das war Wandern unter verschärften Bedingungen: knapp 25 kg auf dem Rücken und Panda vorweg, der wie ein kleines Kind es richtig lustig fand, bergab zu rennen. Panda bremsen, Chariot schleppen: ich war abends noch vor dem Essen in der Sauna, ich hatte keine Lust auf Muskelkater (und er hat sich auch nicht blicken lassen)!

Nach 6,5 Stunden waren wir von dieser Tour wieder am Hotel! Soviel zu „reine Gehzeit 8 Stunden“). Wir hatten aber auch einen mörderischen Hunger und haben richtig gut geschlafen.

Am nächsten Tag haben wir es ruhig angehen lassen und haben „nur“ Enns-Spaziergänge gemacht. Keine wilden Bergauftouren. Aber auch auf diesen Runden war es wunderschön – ich liebe die Berge sowieso, und ich konnte den beiden ein wunderschönes Fleckchen Heimat zeigen. Auch wenn sie das nicht sooo besonders interessiert hat – die entspannte Stimmung, die Freude und die ganzen Tage draußen herumzugeistern, hat auch den beiden großen Spaß gemacht.

Aber es ist einfach auch schön, daheim zu sein. Nach diesen wunderbaren 10 Tagen sind wir zurück nach Köln. Auch dort hatte der Herbst bzw. die Vorboten des Herbstes Einzug gehalten. Auf unseren Streifzügen durch die Rheinauen, wenn beide frei in den Wiesen herumgeflitzt sind, hat Panda sich dekoriert.

Jedes Mal kam er über und über voll mit Kletten zurück – ich habe schon gefeixt: er geht Karneval als Igel und bastelt bereits an seinem Kostüm. Da es ein richtiger Junge ist, muss man beim „Entkletten“ piepsen und fiepen. Bei jeder Klette. Eines Tages habe ich den Lümmel gesucht: ich habe gerufen, gepfiffen – nix. Kein Panda. Ich wurde nervös. Laut rufen, laut pfeifen – nix. Kein Panda. Chariot war bei mir. Sie wusste aber auch nicht, wo Pandolino war, das sah man ihr an. Kein Panda, nirgendwo. Dann habe ich ihn entdeckt:

Ich war zwischen Lachen, Erleichterung, Wut und Entzücken hin und her gerissen. Mitten in dem Busch entdecke ich den Fell-Popo. Er war komplett erstaunt, als ich ihn erneut ansprach, es war auch gar nicht so einfach, sich aus diesem Gewirr von Grünzeug zu befreien – er hatte mich wahrhaftig nicht gehört. Er war entweder mit seinen Plüsch-Öhrchen so tief in dem Loch, dass er mich nicht hören konnte, oder er war wie ein Kind so vertieft, dass meine Stimme gar nicht bis zu ihm durchdrang.

Wir waren erleichtert – Panda war gar nicht weg, zumindest nicht körperlich weg. Rasselbande wieder komplett.

Am 6. Oktober bekam Chariot ihren ersten schweren epileptischen Anfall. Ich habe sogleich alle meine lieben Freunde Tierärzte mobilisiert, und Chariot wurde gründlichst untersucht. Ich wurde mit Notfall-Medikamenten ausgestattet, falls wieder ein Anfall kommt, dass ich ihr helfen und den Horror verkürzen kann. Der erste Anfall hat insgesamt über drei Stunden gedauert – nach dem Krampfen bekam sie einen sogenannten Wanderzwang – laufen – laufen – laufen. Sie wusste weder, wer ich bin, noch wo sie ist, oder wer Panda ist. Panda hat unglaublich reagiert – so etwas habe ich noch nie erlebt: wenn Chari krampfte, setzte er sich ruhig neben mich, wenn sie ihren Wanderzwang bekam, legte er sich irgendwo hin, wo er alles im Blick hatte, und lag ganz ruhig dort. Chariot ist auf ihn getrampelt, über ihn gestolpert – er hat sich nicht gerührt, hat keinen Mucks gesagt. Nur wenn sie ihm auf das Schnäuzchen getreten ist, hat er ein bisschen gebrummt. Fertig. Er lag da und hat abgewartet.
Am nächsten Tag hat er auf sie Acht gegeben – kein anderer Hund durfte in ihre Nähe, dann hat er geknurrt. So habe ich ihn nie erlebt, nur, wenn es Chariot schlecht ging.

Wir sind dann Mitte Oktober an den Strand in Holland gefahren. Ein bisschen Auszeit tat uns allen gut. Chariot und Panda haben die Nordsee gesehen und sind mit einer derartigen Begeisterung Strand gelaufen – es war herrlich.

Es war tüchtig windig und Chari flogen immer die Ohren hoch – es war wenig los am Strand, und die beiden konnten flitzen. Nordseewasser schmeckt scheußlich: Chariot hat sich geschüttelt vor Ekel, und Panda rümpft die Nase, wenn etwas fies ist: Das Wasser war fies – und wie!! Nach der ersten Geschmacksprobe war es deutlich so ekelig, dass man darin nicht mal die Füßchen waschen kann. Aber im Sand laufen, das ist herrlich.

So viel Sand – so viel Freiheit – so viel Schöööööön. Die beiden sind so befreit und gut gelaunt gelaufen – ich freue mich bis heute, dass ich ihr das noch zeigen konnte.
Ende Oktober gab es die nächste Krise – wieder so schwer, wieder so lang. Von da an kamen die „Grand Male“ in immer kürzeren Abständen. Wir hatten sie auf Medikation gesetzt, wir wussten bereits, dass sie einen irrwitzig hohen Toxoplasmose-Titer hat. Anfangs haben die Medikamente geholfen, und sie blühte förmlich wieder auf. Es war Herbst, und Chariot liebte es, durch das trockene Laub zu schlurfen – es raschelt schön und riecht toll.

Ich habe meine kleine Diva keinen Augenblick mehr aus meiner Nähe gelassen – sie brauchte es. Wir haben die Momente, in denen es ihr gut ging, so schön und ausführlich genossen, wie es ging – wenn sie müde wurde, schaute sie mich an und schielte.

Sie hatte noch ihre Mädchen-Momente: ich bekam von Freunden Blumen geschenkt, sie standen auf dem Boden, weil es ein wirklich großer Strauß war. Chariot stand lange vor dem Strauß und hat ihn ausgiebig beschnuppert und angeschaut – einfach goldig. Sie war halt ein Mädchen.

Die schweren Anfälle kamen immer häufiger, und als sie mich am Abend des 1. Dezember so verzweifelt angeschaut hat – da ging nichts mehr. Sie lag fest gepuckt in meinen Armen, schwankte zwischen Erschöpfung und Anfall, schlief ein bisschen in meinen Armen ein, wurde wieder unruhig, lief herum, krampfte, lag in meinen Armen und konnte einfach nicht mehr. Am 2. Dezember morgens früh hat sie wieder einen Anfall bekommen und lag auf meinem Schoß – vollkommen verzweifelt, vollkommen fertig – mit einem Blick: Hilf mir, bitte hilf mir. Ich bin mit ihr in die Klinik gefahren und seit vielen Stunden lag sie zum ersten Mal ganz ruhig in meinen Armen, hat sich in ihrer Lieblings-Kuschel-Position in meine Arme geschmiegt und ich merkte – sie wusste, was kam, und es war richtig so. Ich habe sie pitschnass geheult – sie hat mir noch ein Küsschen gegeben und ist eingeschlafen.

Panda und ich haben knapp drei Wochen gebraucht, um zu realisieren: Chariot ist wirklich weg. Es fällt Panda wahnsinnig schwer – seine große Liebe kommt nicht zurück. Er hat sie so gesucht, er hat so geweint. Ich versuche, ihn abzulenken, wir machen tolle Touren, besuchen meine Freundin mit dem Pferdehof, machen Riesenspaziergänge und Ausflüge. Es wird besser, er frisst wieder normal, er springt ab und an auch schon wieder albern herum. Es kommt langsam – auch er braucht seine Zeit.

Wenn ich jetzt sage: „, Auto holen“ sitzt er nicht mehr auf dem Platz, auf dem er immer mit seiner Chari gesessen hat, um zuzuschauen, wie ich das Auto aus der Garage hole.

Heute wartet er an dem Baum – er sitzt nicht mehr vor der Tür des Garagen-Vermieters. Es wird noch dauern, bis wir es verarbeitet haben. Wir sind noch auf dem Weg.

Aber eines wissen wir ganz sicher: Chariot hatte noch neun wunderbare Monate, sie hat uns Panda hergeholt, und wir werden sie niemals vergessen – sie war eine so einzigartige kleine Diva.

A.H. und Panda“

Auch wir können es noch kaum glauben, dass Chariot über die Regenbogenbrücke gegangen ist. Wir trauern mit Euch, liebe A. H. und Panda, und wir sind Euch unendlich dankbar dafür, dass Chariot diese abenteuerlichen neun Monate und Eure Liebe erleben durfte.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V.


Es ist besser, einfach das Leben zu leben, das wir für sinnvoll halten,
und das Glück, das sich ergibt, als Geschenk zu betrachten.
(Julian Baggini)

Bopi

Blue Sky Bobby (Bopi), * 2004 22.12.2016

Bopi war einer aus dem „verwahrlosten Rudel“, einer, der aber nach seiner Übergabe an uns wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben Glück hatte. Denn er konnte recht bald jemanden auf sich aufmerksam machen, der sich ganz bewusst schon mehrmals dafür entschieden hatte, einem älteren Hund noch einen schönen letzten Lebensabschnitt und ein Zuhause zu schenken – trotz des drohenden schmerzlichen Abschiedes, der für jeden kommt, aber für jüngere eben („normalerweise“) nicht so schnell. Und so durfte Bopi zu zwei weiteren Oldis ziehen, zu Selim und Gwen. Leider blieben ihm nur knapp zehn Monate, um erleben zu dürfen, wie es sich anfühlt, geliebtes Familienmitglied zu sein.

„Anfang März 2016 surfte ich auf den Seiten der Nothilfe und las den Bericht über das „verwahrloste Rudel“. Da meine beiden Oldies Selim (13) und Gwen (15) mit allen Hunden verträglich waren und auch Alaska, der Weihnachten 2015 zu uns kam und leider schon im Januar über die Regenbogenbrücke gegangen war, problemlos in ihre Rentner-WG aufgenommen hatten, entschloss ich mich spontan, ein oder zwei Senioren aus dem „verwahrlosten Rudel“ bei uns aufzunehmen. Schnell war ein passender Kandidat aus dem Rudel gefunden: Der circa zwölfjährige Bobby (Bopi).

Am Karfreitag machten wir uns also auf den Weg zur Schwäbischen Alb, und die Hunde haben sich auf Anhieb verstanden. Die Rüden schnüffelten schon beim ersten Spaziergang entspannt an den gleichen Mauselöchern, und besonders Gwen hatte es dem unkastrierten kleinen Kerl sofort angetan. Er machte ihr direkt in der ersten Nacht schon Avancen, denen die kastrierte Gwen freundlich, aber auch bestimmt Grenzen setzte, indem sie sich im Körbchen „breit machte“ und Bobby nach kurzem Protest einfach ignorierte. Bobby legte sich dann direkt vor Gwens Körbchen und schlief zufrieden ein. Selim hatte das ganze Spektakel nicht weiter interessiert, und die Nacht verlief ruhig, so dass wir uns am nächsten Tag zu dritt auf den Heimweg machten. Auch die lange Fahrt verlief ruhig, alle drei schliefen ganz entspannt im Auto.

An das Haus hat sich Bobby, der laut Impfpass eigentlich „Blue Sky“ hieß, sofort gewöhnt, und auch die Tierarztbesuche direkt nach unserer Ankunft zur Abklärung der Schwellung zwischen dem Oberkiefer und seinem linken Auge und nur wenige Tage später auch eine kleine OP (er hatte Teile der Umrandung der Schmutzfangmatte gefressen, die per Endoskop aus dem Magen geholt werden mussten - bei dieser Gelegenheit wurde auch gleich ein CT vom Kopf gemacht, das unauffällig war und die Schwellung wurde punktiert ) meisterte er souverän. Er war von Anfang an ganz zutraulich, nur fremden Menschen gegenüber eher scheu. Neugierig erkundete er das Haus und den Garten und erkundete all die für ihn neuen Dinge. So musste er natürlich hinter dem Fernseher nachsehen, wo denn die ganzen Tiere waren, die er eben noch gesehen hatte …. Im Dunkeln schien er nicht gut zu sehen, hier war er etwas unsicher, und auch sein sehr gutes Gehör und dass er bei Geräuschen viel schreckhafter war als Selim (der aber ohnehin schwerhörig war) oder Gwen sprechen dafür, dass er nicht so gut sehen konnte; dies waren aber auch die einzigen Anzeichen dafür, dass er schlechter sah; vielleicht hatte sich sein Sehvermögen aber auch gebessert. Und auch an die Straße mit den vorbeifahrenden Autos und besonders an die Scheinwerfer der Autos im Dunkeln, die ihm in den ersten Tagen überhaupt nicht geheuer waren, hatte er sich beim Gassigehen schnell gewöhnt. In Selim und Gwen hatte er auch souveräne Begleiter, und in den ersten Wochen machte er, lustigerweise immer nach dem Abendessen, Gwen auch ziemliche Avancen, wurde aber nie aufdringlich. Und Gwen, die ja aus dem Rennsport kam und die Gesellschaft mehrerer Rüden gewohnt war, wusste ihn auch freundlich, aber bestimmt in die Schranken zu weisen. Ab und an legte er sich auch zu Selim mit aufs Bettchen. Und er fühlte sich von Anfang an bei uns wohl. Das zeigte sich z. B., als mir kurze Zeit nach seinem Einzug morgens beim Spazierengehen plötzlich seine Leine aus der Hand rutschte und Bobby, von seiner Konstitution her alles andere als ein Oldie, losflitzte. Nur, er lief nicht weg, sondern direkt zurück zum Haus und setzte sich vor das Tor. Und auch sein Appetit besserte sich. In den ersten Wochen hatte er noch ziemlich schlecht gefressen und sogar die Fleischmahlzeiten, bei denen Selim und Gwen Luftsprünge machten, verschmäht (traurig aber wahr: das Antibiotikum, das er zu Beginn wegen der Schwellung und nach der OP nehmen musste, nahm er lieber mit Weißbrot als mit „Fleisch pur“). Und obwohl er zunächst so schlecht fraß, hatte er wohl in der ersten Zeit Angst, dass ihm jemand das Futter streitig machen könnte. Einmal hörte ich nach dem Füttern plötzlich Geräusche, so als ob vor meinem Haus jemand mit einer Schleifmaschine etwas abschleift. Als ich ins Wohnzimmer ging, wurde das Geräusch lauter und da merkte ich, dass es Bobby war, der während des Fressens so laut brummte und knurrte, obwohl die Türe zu war und die anderen beiden gar nicht in der Nähe waren …. Aber auch die Anspannung beim Fressen legte sich nach kurzer Zeit, und Bobby fraß trotz des hartnäckigen Durchfalls, mit dem er gut drei Monate zu kämpfen hatte, mit richtig gutem Appetit.

So verbrachten die drei fröhlichen Oldies eine unbeschwerte Zeit miteinander. Bobby war richtig aufgeblüht, auch äußerlich, sein Fell war ganz dicht und weich geworden, und er sprühte nur so vor Lebensfreude, war immer fröhlich und verschmust. Genau wie Selim und Gwen freute sich der „Mini-Mann“ - so habe ich ihn oft genannt, war er doch definitiv der kleinste von den dreien - immer riesig, wenn ich die Geschirre holte und wir spazieren gingen. Dann trabte er fröhlich, die Rute kerzengerade nach oben und freudig hin und her wedelnd, mit seinen Kumpels los …. Wenn er richtig übermütig wurde, ging er im Garten auf seine „Rennstrecke“: vom hinteren Teil des schmalen, aber langen Gartens aus nahm er Anlauf und raste dann los bis in den vorderen Teil des Grundstücks vor das Haus, machte dann kehrt und im selben Tempo ging es zurück in den Garten …. Und er war auch ein gewitztes Kerlchen. Schnell hatte er entdeckt, wie man auch dann, wenn das kleine Gartentörchen mal zu war, wieder auf den vorderen Teil des Grundstücks kommen konnte: er sprang einfach auf die Holzbohlen neben dem Pfosten des Törchens, lief dann oben an dem Törchen vorbei und hüpfte wieder runter … und während Selim und Gwen noch brav hinter dem Törchen warteten, bis ich es wieder aufmachte, war er meist schon wieder im Haus….

Ende August verlor Bobby dann seinen Kumpel Selim, der ganz unerwartet über die Regenbogenbrücke gegangen war. Im Oktober schwoll dann plötzlich die Partie zwischen dem Oberkiefer und dem linken Auge wieder an, die Tierärztin vermutete eine Zahnentzündung, doch das Antibiotikum schlug sofort an, und so dachten alle, dass alles wieder ok wäre und eine OP nicht erforderlich wäre, zumal ja das CT vor einigen Monaten auch unauffällig gewesen war … . Anfang November ging dann auch sein Mädchen Gwen über die Regenbogenbrücke und der zutrauliche Bobby und ich rückten noch näher zusammen. Doch auch wenn Bobby weiterhin mit Appetit fraß und auch seine Spaziergänge liebte, sollte er natürlich nicht allein bleiben. Bei der Nothilfe gab es auch eine passende „Kandidatin“, doch diese musste noch operiert werden. Und auch Bobby hatte im November plötzlich wieder die Schwellung im linken Oberkiefer, wieder wurde eine Zahnentzündung vermutet und die Tierärzte hielten einen CT bzw. eine OP noch nicht einmal für sonderlich eilig. Anders als vorher schlug aber dieses Mal das Antibiotikum nicht an. Da Bobbys Blutwerte Anfang Dezember schlecht waren und eine Narkose sehr riskant gewesen wäre, holte ich eine zweite Meinung ein. Die Schwellung war nicht zurückgegangen, und auch sein Zahnfleisch schien irgendwie geschwollen zu sein, bzw. es hatte sich am Zahnfleisch eine Art Gewebeüberschuss gebildet. Bobby bekam ein anderes Antibiotikum, Tabletten zur Unterstützung der Leber und ein Schmerzmittel, und es sollte abgewartet werden, ob sich seine Blutwerte wieder bessern. In zwei Wochen sollte ich ihn wieder vorstellen. Obwohl die Medikamente scheinbar gut anschlugen und er nach wie vor nicht krank wirkte, mit Appetit fraß, fröhlich war und gerne spazieren ging, nur etwas ruhiger war als sonst (was ich auf das Antibiotikum schob), ging die Schwellung nicht zurück und das Gebilde in seinem Maul wurde immer größer. Ich hatte etwas über Maulhöhlentumore gelesen und war extrem in Sorge. Daher stellte ich ihn noch vor Ablauf der zwei Wochen wieder beim Tierarzt vor, wo sich meine Vermutung bestätigte und man mir sagte, dass, wenn überhaupt, ihm nur noch in einer großen Klinik geholfen werden konnte. Ich wollte dem kleinen Kerl die Chance geben, hoffte so sehr, dass es sich um einen der wenigen zwar ebenfalls schnell wachsenden, aber gutartigen Maulhöhlentumore handeln würde und der kleine Mann noch ein paar schöne Jahre haben würde. Doch auch in der Uniklinik konnte man ihm nicht mehr helfen. Es war ein bösartiger Tumor, ein Melanom, laut der Tierärztin der schlimmste Krebs. Das CT zeigte, dass sich der Tumor schon sehr weit im Kiefer ausgebreitet hatte und auch mit einer radikalen OP nicht mehr hätte vollständig entfernt werden können. Und es hatten sich wohl auch schon Metastasen gebildet. So konnten wir nichts weiter tun, als ihn über die Regenbogenbrücke gehen zu lassen, um ihm unnötiges Leid zu ersparen.

Es macht mich unendlich traurig, dass Bobby nicht noch ein paar schöne Jahre vergönnt waren, wo er doch so aufgeblüht und lebensfroh war. Mach’s gut, lieber kleiner Bobby. Du wirst immer in meinem Herzen bleiben.

R.S.“

Wir trauern mit Ihnen, liebe Frau S., zumal Sie mit Bobby, Selim und Gwen drei Hunde innerhalb weniger Monate verloren haben, aber wir sind unendlich dankbar, dass Bobby bei Ihnen noch ein schönes und behütetes Leben erfahren durfte. Auf Menschen wie Sie, die uneigennützig den größten Sorgenfellen ein Zuhause geben möchten, baut Tierschutz auf, auf solche Menschen sind vergessene und verstoßene Schätze wie Bobby angewiesen.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


Als der Regenbogen verblasste, da kam der Albatros und trug mich
auf sanften Schwingen weit über die sieben Weltmeere.
Behutsam setzte er mich an den Rand des Lichts.
Ich trat hinein und fühlte mich geborgen.
Ich habe Euch nicht verlassen, ich bin Euch nur ein Stück voraus.

(Antoine de Saint-Exupery: Der Kleine Prinz)

Piper *Mai 200321.11.2017

Als Piper im März 2016 als Mitglied des „verwahrlosten Rudels“ zu uns kam, war er in einem desolaten körperlichen Zustand: Sein viel zu enges Halsband, unter dem bereits das Fell abgestorben war, musste aufgeschnitten werden. Sein übergroßer Hodentumor wurde mit einem Hormon-Chip erstbehandelt, da Piper zu diesem Zeitpunkt keine Narkose zumutbar war. Piper hatte das große Glück, Mitte April bei Frau F. und ihrer Hündin Aisha einziehen zu dürfen. Dort bekam er all die Zuneigung, die in seinem Zustand nötig war und die ihm ein Leben lang versagt worden war. Er gewann neuen Lebensmut, erholte sich und nahm zu. Er überstand die Hoden-Op und genas erstaunlich schnell davon. Es folgten unbeschwerte Monate, doch dann kamen zwei weitere Schicksalsschläge: Zuerst Anaplasmose durch einen Zeckenbiss, was aber mit Medikamenten, der Fürsorge des Pflegefrauchens und Homöopathe schließlich in Griff bekommen wurde; dann ein Vestibular-Syndrom, was ja bekanntlich meist wieder komplett ausheilt. So hatte es auch bei Piper zunächst den Anschein, aber dann hatte das Schicksal offenbar doch andere Pläne. Der Zusammenbruch, von dem sich Piper nicht mehr erholte, kam unerwartet. Wir können es noch gar nicht richtig fassen, dass Piper am 21.11.2017 über die Regenbogenbrücke ging und sein Pflegefrauchen, seine Gefährtin Aisha und auch uns traurig und fassungslos zurück gelassen hat. Kurz vorher hatte uns das Pflegefrauchen noch einen Bericht für die Weihnachtspost zukommen lassen, und wir waren glücklich, dass Piper seine gesundheitlichen Probleme der letzten Monate überwunden hatte.

Piper, im April 2016 bist Du bei mir und meiner Husky-Hündin Aisha eingezogen. Du warst knapp 13 Jahre alt und ein Mitglied des verwahrlosten Rudels. Damals wusste niemand, wie lange Du noch leben wirst. Wir mussten auf alles gefasst sein. Außer dem verklebten und verfilztem Fell und den verdreckten Ohren hattest Du einen riesigen Hodentumor, der dringend hätte operativ entfernt werden müssen, was aber aufgrund Deines schlechten Gesundheitszustandes zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich war.

Du warst hochgradig schmerzhaft, wolltest nicht mehr fressen und warst stark untergewichtig. 17,5 kg Körpergewicht war keine gute Ausgangslage für die Zukunft.

Für Dich gab es nur zwei Alternativen: Du willst dieses neue Leben mit Aisha und mir kennenlernen und genießen oder Du resignierst und fängst trotz hochdosierter Schmerzmitteltherapie nicht mehr an zu fressen, und wir hätten Dich gehen lassen müssen.

Du hattest Dich entschieden. Du wolltest leben!

Ein paar Wochen nach Deinem Einzug hattest Du gut an Gewicht zugenommen und wir konnten die OP des Hodentumors in Angriff nehmen. Endlich war Diagnostik möglich. Die Prognose war gut. Es war ein Tumor, der nur selten streut. Es waren keine Metastasen und keine Tumorstränge im Bauchraum oder dem Penis festzustellen. Aufatmen!
Bereits zwei Wochen nach der OP konnten wir alle Medikamente absetzen. Du warst gesund!

Du entwickeltest Dich zu einem lebenslustigen, freundlichen und neugierigen Husky-Opa, der auch für jeden Blödsinn, den Aisha angezettelt hatte, zu haben war. Dein Fell wurde wunderschön, weich und glänzend. Nichts erinnerte mehr an Deine schlimme Vergangenheit.

Schmusen, Streicheln oder auch Kämmen waren Balsam für Deine Seele. Davon konntest Du nie genug bekommen.

Du hattest Spaß an all dem Neuen und Interessanten. Mit Deinem Mädchen an der Seite hast Du viele tolle Momente erleben dürfen.

Auch längere Touren von acht bis zehn Kilometer waren kein Problem. Du hattest Deine Lieblingsstrecken und Lieblingsorte, an denen Du gerne verweilt hast. Du hast Dein Rentnersein in allen Zügen genossen.

Bis zu diesem verhängnisvollen Tag im März diesen Jahres. Du wurdest von einer Zecke gebissen und bist heftig an Anaplasmose erkrankt. Von Tag zu Tag ging es Dir schlechter. Aufstehen und Hinsetzen war ein Problem, auch Laufen. Schmerzen am ganzen Körper kamen hinzu, ohne dass es hier eine augenscheinliche Ursache gab. Erst vier Wochen nach Auftreten der ersten Symptome war es möglich, die Ursache festzustellen. Dank direkt eingeleiteter Behandlung ging es ab diesem Zeitpunkt wieder in kleinen Schritten bergauf. Seit August waren dann auch wieder kleinere Touren von circa zwei Kilometern möglich, ohne dass es für Dich zu anstrengend wurde. Was von der Anaplasmose blieb, war eine Steifigkeit in Deinen Gliedmaßen, eine Maulsperre und die chronischen Schmerzen. Du bekamst Dein Mäulchen nicht mehr richtig auf. Aber auch diese Symptome bekamen wir durch homöopathische Präparate wieder gut in den Griff, so dass sich dieser Zustand Stück für Stück verbesserte. Du konntest wieder ins Auto springen, rohes Gemüse fressen, das Du so gerne mochtest, und auch Leckerlies standen wieder auf Deiner Speisekarte. Alles ging wieder in die richtige Richtung.

Bis zum 08.10. dieses Jahres, als das Schicksal erneut unerwartet zuschlug. Du erkranktest am Vestibular-Syndrom mit Symptomen ähnlich wie bei einem Schlaganfall, aber einem Vorgang, der im Innenohr stattfindet und sich i.d.R. wieder nahezu vollständig regeneriert. Die Diagnose machte Hoffnung. Aber Du erholtest Dich nicht wirklich. Der Schwindel und der Linksdrall nahmen zwar stetig ab, aber spazieren gehen wolltest Du nicht mehr. Es waren nur noch maximal Minirunden im Schneckentempo durchs Dorf möglich. Und das auch nicht jeden Tag. Das Vestibular-Syndrom hat Dir einen heftigen Schub in Richtung „Alt-sein“ gegeben.

Drei Tage vor Deinem Abschied von dieser Welt ging es Dir immer schlechter. Du konntest Dich auf Bodenfließen nicht mehr auf den Pfoten halten, wolltest nur noch raus zum Bächlein und Häufchen machen und wolltest auch nicht mehr fressen. Du warst müde. Viel Schlafen mit Aisha auf Eurem gemeinsamen großen Bett war Deine Wahl. Auch ein letzter Therapieversuch schlug nicht mehr an.

Am 21.11.2017 gegen Mittag lagst Du im Sterben. Dein Mädchen Aisha war auch jetzt immer an Deiner Seite. Als die Tierärztin kam, hast Du kaum noch reagiert. Zusammen haben wir Dir mit viel Ruhe und unendlicher Liebe über die Regenbogenbrücke geholfen.

Ich werde Dich nie vergessen, mein Großer. Du hinterlässt eine große Lücke. Deine liebenswerte Art, Deine Güte und die Zuneigung, die Du gegeben hast, fehlen schmerzhaft. Auch Aisha sucht Dich immer wieder und läuft unruhig umher.

Ich danke Dir, dass Du Dich im letzten Jahr entschieden hast, Dein restliches Leben mit Aisha und mir zu verbringen, und für 19 wunderschöne Monate gemeinsame Zeit.

Andrea & Aisha

19 Monate lebte Piper in seiner Pflegefamilie, 19 Monate, in denen er dem Schicksal viele Schnippchen geschlagen hat, in denen er viel erlebt hat mit seiner Aisha und seinem Pflegefrauchen. Piper war ein ganz besonderer Vierbeiner, der seiner Pflegefamilie viel gegeben hat und der noch eine schöne aufregende Zeit in seiner Familie verbringen durfte. Wir alle trauern um Piper, doch wir sind auch dankbar, dass wir ihn kennen lernen durften und dass ihm, dank der Unterstützung, Hilfe und Anteilnahme seiner Paten, noch schöne und lebenswerte Monate vergönnt waren.

Das traurige Team der Nothilfe für Polarhunde e.V. Freudenstadt


Ronja * 26.05.2005 11.11.2017

Wenn die Liebe einen Weg zum Himmel fände und Erinnerungen zu
Stufen würden, dann würden wir hinaufsteigen und dich zurückholen …
(unbekannt)

Eine große Hundepersönlichkeit hat Abschied genommen.

„Wir vermissen sie so sehr.“ „Wir werden sie nie vergessen.“ „In unseren Herzen wird sie immer ihren Platz haben.“ „Es ist so still geworden ohne sie.“ „Sie ist viel zu früh, viel zu plötzlich gegangen.“ Worte, die, denken wir, die Gefühle der Pflegefamilie wiedergeben – und doch viel zu abgedroschen sind für einen Nachruf auf eine solch außergewöhnliche Hündin. Doch was schreiben? Worte versagen.

Ronja hat auf einzigartige Weise ihr Schicksal gemeistert. Was ihre Angststörung, die sich bereits verselbstständigt hatte, als sie zu uns kam, letztendlich ausgelöst hat, werden wir nie mit Sicherheit wissen. Tatsache ist, ihre ehemalige Familie wandte sich verzweifelt an uns, sie waren aufgrund von Ronjas Panikattacken und Schreianfällen nervlich am Ende. In der Pflegefamilie stabilisierte sich Ronja im Laufe der Jahre (!), die Panikattacken wurden weniger, und mit Hilfe ihrer Hundefreundinnen in der Pflegestelle, Tonja und Jenny, sozialisierte sich Ronja. Aber nicht nur das – Ronja erwarb sich die Fähigkeit, andere Pfleglinge, meist scheue oder ebenfalls traumatisierte Hunde, zu therapieren und wuchs an dieser Aufgabe. Viele Hunde verdanken den „Therapiehunden“ Tonja, Jenny und Ronja, dass sie heute ein „normales Hundeleben“ in ihren Familien führen können. Tonja verstarb Ende 2011, Jenny 2016 – Ronja ist nun jenseits der Regenbogenbrücke wieder mit ihren Freundinnen vereint.

Ronja

„Ein ganz besonderer Hund.

Während ich diese Worte schreibe, frage ich mich, gibt es das überhaupt, den ganz besonderen Hund? Ist nicht jeder Hund, der von einem Menschen ganz besonders geliebt und befürsorgt wird, zumindest für diesen einen Menschen ein ganz besonderer Hund?
Sicher ist das so.
Nichtsdestotrotz gibt es Tiere, bei denen man irgendwie nicht umhin kann, sich zu fragen, ob all die Last und Bürde, unter der sie schwer zu tragen haben, nicht einen tieferen Sinn hat. Und die man, während man sie durch all ihre dunklen Täler begleitet, derart innig ins Herz schließt, dass der am Ende stehende Abschied nur noch mit dem Verstand, nicht aber mit dem Gefühl greifbar wird.

Bei Ronja war dies mit Sicherheit bei uns, als Pflegeeltern, der Fall. Und auch bei denen, die sie mochten und begleiteten. Ihre Paten, die ihr all die Jahre treu zur Seite standen und denen wir aus tiefstem Herzen danken. Denn so ausnehmend hübsch sie in ihrer Erscheinung auch war, dazu dieser ganz eigene zärtliche, oft clowneske, dann aber auch wieder in sich gekehrte, fast nachdenkliche Blick – sprach sie durchaus Interessenten an. War im ersten Drittel ihres Aufenthaltes als Pflegehund bei der NfP aufgrund ihrer Panikanfälle, ihres oft zutiefst verunsicherten Rückzugs vor den Menschen, während sich in ihrem Inneren ein ums andere Mal tiefschwarze Löcher auftaten, an eine Vermittlung gar nicht zu denken, so beruhigte sich ihre traumatisierte Seele im zweiten Drittel ein wenig. Sie begann Fortschritte zu machen. Langsam, aber stetig. Unterstützt durch Tonja und Jenny entwickelte sich eine ganz eigene Hundedynamik. Die 3 Mädels, liebevoll Therapiehunde-Gang genannt, waren ganz in ihrem Element, wenn in der Pflegestelle ein hilfsbedürftiger Gast einzog. Ganz gleich, ob Hund oder Katze, sie nahmen sich aller an, jede nach ihrer Fasson. Es tat ihnen gut, sie hatten eine Aufgabe.

Ronja konnte zu dieser Zeit ein richtiger Feger sein. Abseits ihrer traumatisierten Phasen zeigte sich immer mehr eine Hündin, deren ureigenstes Wesen faszinierte. Charismatisch, mehr und mehr lebensfroh, teilweise albern-verspielt und endlich auch vorsichtig verschmust. Unvergessen ihr Stimmchen, wenn sie etwas partout wollte oder kommentieren musste – wie wenn man eine lange verschlossene alte Türe öffnet.
Neuankömmlinge wurden, aufgrund ihres Temperaments aber auch Unsicherheit, erstmal angezickt. Dann aber unwiderruflich, aufs Äußerste liebevoll und großherzig aufgenommen. Nur an ihr Spiel-und Trost-Tau ließ sie niemanden heran. Es war ihr ein und alles, Ort für alberne Leichtigkeit, Ort auch für die schlechten Momente. Denn die Diagnose „Abnormalität im Kleinhirn“ erklärte inzwischen so einiges.

Im Dritten Drittel ihres Lebens vervollkommneten sich ihre Therapiequalitäten. Mit jedem Notfall, dessen sie sich immer souveräner und feinfühliger annahm, gewann sie selbst weiter an Stabilität.
Charakterbildung nennen wir das bei Menschen. Wenn aufgrund von wachsender Erfahrung mit einem klaren, regulativen Umfeld die eigene Persönlichkeit geschliffen wird. Wenn die Komplexität eines Individuums immer mehr lernt, dass die Ausgewogenheit von Geduld, Fairness, Kreativität und Vertrauen die Lebenssicherheit gibt, in der man sich entfalten kann. Und wenn man das dann auch noch weitergibt, wie Ronja es über die Jahre von Tonja und auch Jenny gelernt hatte, dann steht Mensch daneben, erstaunt und manchmal auch ein wenig demütig. Denn wer von uns kann schon von sich behaupten, dass er jeden Gast gleich großmütig, herzlich und gänzlich ohne Vorbehalt bei sich aufnehmen würde?
Ronjas dunkle Momente waren noch da. Es gab weiterhin durchwachte Nächte und schockstarrende Momente, weiterhin die Panik heraufbeschwörenden Tierarztbesuche, begleitet von Ronjas gellenden Schreien. Doch all die Liebe, die man für sie empfand, diese ganz besondere Verbundenheit, das innige Band des Vertrauens gewannen jedes Mal die Oberhand. Bis Ronja im Mai 2017 körperlich zusammenbrach. Eine schwächende Entzündung und Wirbelprobleme. Alles wurde unternommen, um sie wieder auf die Pfötchen zu bekommen. Tage wurden zu Nächten, Nächte zu Tagen.

Im September war sie soweit erholt, dass sogar der Jahresurlaub angegangen werden konnte.
Ein Segen nach der schweren Zeit. Durchatmen. Genüssliche Sonnenbäder, Spaziergänge, die Meeresbrise, die allen die überstandenen Spannungen aus Kopf und Knochen blies. Ronja lächelte wieder, betüttelte ihr Tau, der Schalk blinkte aus den Äuglein, und bei den Balgereien der beiden anderen gab sie den witzigen Kommentator.

Am 11. 11.2017 in den frühen Morgenstunden dann der Schock. Nicht voraussehbar. Die Diagnose: Herz-Lungen-Ödem. Medikamente schlugen nicht an. Keine Hoffnung mehr. Nur wenige Stunden blieben, dann mussten wir die Entscheidung treffen, diese besondere Hundeseele gehen zu lassen. Hilflos, dankbar, ohne Zeit zum Abschiednehmen.

Ihr Tau, ohne das sie nicht sein konnte, nicht sein wollte, liegt noch immer da, wo sie es gelassen hat. Der Schmerz ist noch nicht angekommen. Still ist es. Ein besonderer Hund ist gegangen. Wir sind dankbar, dass wir mit ihr leben durften, dass wir durch sie so viel lernen konnten.

Wir danken Ronjas Paten für Ihr Verständnis und warmherzige Zuwendung. Und wir suchen Trost im Gedanken, dass Ronja im Hundehimmel von Tonja und Jenny schon liebevoll erwartet wurde.

Die Pflegeeltern von Ronja

Es weht der Wind ein Blatt vom Baum-
von vielen Blättern eines.
Das eine Blatt-man sieht es kaum,
denn eines ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein
bestimmte unser Leben.
Drum wird dies eine Blatt allein
uns immer immer fehlen.
-unbekannt-

Natürlich hätte Ronja diese enorme Entwicklung nicht durchlaufen können ohne die unermüdlichen Bemühungen ihrer Pflegemenschen um sie – oft genug kräftezehrend, wenn Ronja wieder einmal nächtelang weinte, schrie, in ihrem „Tunnel“ und nicht ansprechbar war. Alles zusammen, Ronjas Charisma, ihre Fortschritte, die besondere Aufmerksamkeit, die sie brauchte und bekam, bewirkte, dass sie ganz tief ins Herz geschlossen wurde und der endgültige Abschied umso schwerer fällt. Wir trauern mit der Pflegefamilie.

Danken möchten wir ganz herzlich den Paten, die Ronja über viele Jahre begleitet haben, Anteil nahmen an ihrem Schicksal und sie unterstützten.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V.


Das kostbarste Vermächtnis eines Hundes ist die Spur,
die seine Liebe in unsern Herzen zurückgelassen hat.

(abgewandelt, Albert Schweitzer)

Gwendolin(chen)

Gwen *25.05.200006.11.2016

Gwen(dolinchen) – Gwenny - war die Älteste aus einer Vierer-Gruppe von Huskys, die in ihrem früheren Zuhause im Sport eingesetzt worden waren und nur Draußenhaltung kannten. Gemeinsam mit den Rüden Merlin, Raven und Sable zog die „Grand Dame“ im Sommer 2014 im Tierheim Schwebheim ein, das uns netterweise und völlig unkompliziert mit der Unterbringung der Oldies unter die Arme griff. Alle vier waren im zweistelligen Alter – Gwen mit ihren vierzehn Lenzen war die „Spitzenreiterin“. Aber unsere Befürchtungen waren umsonst: Kurz nachdem Gefährte Merlin nette Menschen für sich erobern konnte, kam eine Anfrage für Gwen: Frau S., die bereits mehrere Hunde von der NfP adoptiert hatte, suchte für ihren etwa neunjährigen Rüden Selim eine ruhige Begleiterin. Und bei Gwens Beschreibung als „liebenswerter, leiser und etwas schüchterner Charakter“ war Frau S. hellhörig geworden. Das gegenseitige Beschnuppern fiel zur allseitigen Zufriedenheit aus, und so wurde die Heimreise mit Gwen angetreten. Es folgte eine unbeschwerte Zeit, in der Gwen viel erlebt hat, die viel zu schnell vorbei ging, und in der Gwen den Himmel auf Erden hatte. Dann ging völlig unerwartet ihr geliebter Selim über die Regenbogenbrücke – nur zwei Monate später folgte ihm Gwen. In den Herzen ihrer Menschen werden beide für immer ihren Platz haben. Wir fühlen mit der Familie und bedanken uns, dass Sie dem „alten Mädchen“ noch zwei wunderschöne Jahre mit vollem Familienanschluss geschenkt haben.

„Nach dem Tod meiner ebenfalls aus dem Tierschutz stammenden Hündin Dapsi, die fast 17 ¾ Jahre alt wurde, sollte der neunjährige Selim wieder eine passende Gefährtin bekommen. Wegen Selims Spondylose sollte es eine ältere, freundliche und eher ruhige und sanfte Hündin sein. Nach längerer Suche sah ich dann die damals vierzehnjährige Gwen aus dem Vierer-Oldie-Rudel auf den Seiten der Nothilfe, die als eine mit allen im Rudel verträgliche Hündin mit einem eher schüchternen und zurückhaltenden Charakter beschrieben wurde. Da wusste ich: das ist sie! Also machte ich mich mit Selim Anfang Oktober 2014 auf den weiten Weg ins Tierheim Schwebheim, das Gwen für die Nothilfe aufgenommen hatte. Selim war von Gwen gleich ganz angetan, die beiden haben sich sofort prima verstanden, und so war klar, dass wir zu dritt die Heimreise antreten würden. Als Selim merkte, dass wir zusammen mit Gwen losfuhren, guckte er zwar etwas irritiert, und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass er beleidigt war, aber die Fahrt verlief ruhig, und die Hunde haben sich gut vertragen.

Im Haus angekommen, war ich ganz gespannt, wie sich Gwen in der Wohnung verhalten würde, da sie ja bislang nur die Draußenhaltung kannte. Da ich noch Hundefutter einkaufen musste, bat ich nach einem Gartenrundgang meinen Nachbarn, ein „Ohr“ auf meine Wohnung zu haben. Als ich kurz danach wiederkam, war alles ok, und auch mein Nachbar sagte, dass alles ganz ruhig gewesen wäre. Als ich dann in die Wohnung kam, lag der „schüchterne Charakter“ in meinem Bett! Gwen hat sich in der Wohnung sofort wohlgefühlt und neugierig die neue Umgebung erkundet, sie hat überhaupt nicht gefremdelt, war von Anfang an stubenrein, mochte auch sofort ihr Bettchen - oft schlief sie ganz entspannt auf dem Rücken - und zeigte drinnen überhaupt keine Scheu, im Gegenteil, wenige Tage nach ihrer Ankunft setzte sie sich sogar direkt neben einen Besucher aufs Sofa! Auch im Garten war sie nicht unsicher, aber wenn ich die Tür öffnete, war sie immer ganz schnell wieder in der Wohnung. Ihre „Komfortzone“ war also eindeutig „drinnen“. Begegnungen mit Menschen und Hunden verliefen mit den beiden „Pazifisten“ von Anfang an harmonisch, wenn Gwen auch beim Spazierengehen an der Leine in den ersten Wochen recht unsicher war. Alles, was sie nicht kannte oder was anders aussah als sonst - z. B. ein Auto, das sonst nicht an dem Platz geparkt war oder die am Straßenrand abgestellte Mülltonne - war ihr nicht geheuer und sie machte dann immer einen großen Bogen um alles, was ihr nicht geheuer war.

Aber auch das legte sich ziemlich schnell, und als wir ½ Jahr später an den Niederrhein zogen, war auch an der Leine von Unsicherheit keine Spur mehr. Fröhlich und selbstbewusst erkundete Gwen mit Selim ihre neue Umgebung. Wenn es rausging und ich die Geschirre holte, machte sie immer einen richtigen Steptanz! Vielleicht hatte sie sich das auch von Selim abgeguckt, denn dieser liebte es, raus zu gehen, egal ob an der Leine oder frei im Garten, er tanzte immer vor Freude und warf seine Beine dabei nach vorn wie ein Pferd bei einer Piaffe (ein Tierarzt meinte mal, er hätte den Gangnam Style schon vor Psy gekannt), es war jedes Mal lustig, wenn die beiden merkten, dass es raus ging - Gwenny steppte, was das Zeug hielt und Selim tanzte im Gangnam Style. Wenn sie richtig „aufdrehte“, erinnerte sie mich manchmal an Scrat, das Eichhörnchen aus Ice Age … Man merkte Gwen ihr Alter überhaupt nicht an, sie war trotz ihrer inzwischen fünfzehn Jahre kerngesund und topfit, wenn ihr nach Spielen zumute war, tollte sie übermütig im Garten herum, sie hüpfte dann herum wie ein Flummi und legte sich dann hin und klopfte mit beiden Beinen auf den Rasen! Zwei Tage lang hatte sie zwar mal etwas „Schlagseite“ und taumelte beim Spazierengehen, aber auch das verschwand ohne weiteres Zutun genau so schnell, wie es gekommen war.

Gwen war eine kluge, immer freundliche und angenehme Hündin, sie war zwar kein „Kampfschmuser“, so wie Selim, der aktiv auf einen zukam, sich an mich drückte und seine Streicheleinheiten einforderte, aber wenn ich sie mit „Gwenny, komm eiiii machen“ lockte, kam auch sie und ließ sich den Pelz kraulen. Auch für ihre Hundekumpels war sie eine absolut angenehme „Mitbewohnerin“, die sich im Rudel allgemein eher im Hintergrund hielt, wobei sie durchaus selbstbewusst war. Das zeigte sich insbesondere beim Spazierengehen, denn wenn Selim draußen etwas Interessantes zu schnüffeln entdeckt hatte, drängelte sie ihn manchmal einfach zur Seite, um zu sehen, was es da Interessantes gab … der immer tiefenentspannte Selim ließ sie dann einfach gewähren und suchte sich etwas Neues zum Schnüffeln. Ich musste schon lachen, als dann im Winter 2015 Alaska zu uns kam und Gwen ihn in gewohnter Manier draußen auch einfach zur Seite drängeln wollte, um zu sehen, was es da Interessantes zu Schnüffeln gab. Alaska beschwerte sich lautstark, und Gwen guckte ganz erstaunt, das kannte sie bislang nicht. Und bei ihm konnte sie dann auch plötzlich warten, bis er weiterging oder sich gaaaanz vorsichtig an seine Seite vortasten und mitschnüffeln. Beim Fressen war es eher umgekehrt, hier ließ sich Gwen manchmal etwas zu viel Zeit, bevor sie anfing zu fressen und die Jungs haben die Gelegenheit zu einem zweiten Frühstück oder Abendessen nicht verstreichen lassen, hier ließ sie sich von den Jungs einfach viel gefallen. Einmal hat Alaska in bester Malamuten-Manier einfach so im Vorbeigehen - schwupps - ihren Napf leergemacht und ging dann gemütlich zu seinem eigenen Napf, und Gwen guckte ganz empört, dafür stiebitzte sie Alaska, als dieser sich von einer schweren OP erholte, einmal seine Leckerlis, aber als Alaska lautstark protestierte, war sie so beeindruckt, dass sie sich zuerst nicht mehr an ihm vorbei traute. Sie war schon ein schlaues Mädchen, und auch wenn sie manchmal durchaus den Schalk im Nacken hatte, so war sie doch immer friedfertig und ging jedem Streit aus dem Weg.
Nach Alaskas unerwartetem Tod zogen wir nochmal um. Gwen und Selim habe sich im neuen Haus und Garten sofort wohlgefühlt, und Gwen ging auch viel lieber als vorher in den neuen Garten. Vor allem die Stelle am Zaun, hinter der Nachbars Hühner saßen, hatte es ihr angetan …

Ostern 2016 holten wir dann Bobby (Bopi) aus dem „verwahrlosten Rudel“ zu uns. Der unkastrierte Bobby war von Gwen - auch wenn diese kastriert war - ganz angetan, und lustigerweise immer nach dem Abendessen machte er ihr Avancen. Gwenny reagierte auch hier ganz souverän und legte sich einfach auf ihr Bettchen, nur wenn es ihr zu viel wurde, weil Bobby permanent um sie herumwuselte, schnappte sie ein paar Mal in die Luft (das machte sie auch so ab und zu, ich hatte dann immer das Gefühl, dass sie sich über irgendetwas geärgert hatte), bis sich Bobby dann trollte. Nach ein, zwei Wochen hatte Bobby dann verstanden, dass er bei Gwen nicht „landen“ kann, und alles war wieder im Lot.

So hatten wir eine richtig schöne Zeit, drei fröhliche Hunde, die sich miteinander gut verstanden haben. Und Gwen war auch mit ihren mittlerweile sechszehn Jahren immer noch topfit, sie ging gern mit den Jungs spazieren und kannte den Tierarzt bis kurz vor ihrem Tod nur vom Impfen und einmal einer Spritze gegen Durchfall.

Als Ende August 2016 plötzlich und unerwartet unser Selim über die Regelbogenbrücke ging, war es für uns alle ein Schock. Der kleine Bobby war ganz verunsichert und suchte meine Nähe. Gwen schien zwar insgesamt unverändert, aber ich hatte den Eindruck, dass sie sich mehr zurückzog als früher. Wenn ich Mittags zum Gassigehen bzw. Abends nach der Arbeit nach Hause kam, lag sie oft auf Selims Bettchen, aber sobald sie mich bemerkte, ging sie zurück auf ihr Bettchen und ließ sich, zumindest in den ersten Wochen, auch nicht wieder dazu bewegen, sich in meinem Beisein wieder auf Selims Bettchen zu legen. Zuerst dachte ich, dass sie nicht mehr in meiner Nähe sein wollte - sie hatte ja mitbekommen, wie ich mitten in der Nacht mit Selim fortgefahren und traurig und verzweifelt ohne ihn wieder zurückgekommen war -, was mich noch trauriger machte, aber vielleicht respektierte sie ja auch nur Selims Platz und dachte, dass er auch mit mir wieder zurückkommt. Zwar fraß Gwen weiter mit gutem Appetit, sie ging auch nach wie vor gern in den Garten, freute sich auf die Spaziergänge und steppte vor dem Tor fröhlich herum, wenn ich mit den Geschirren kam, doch wenn wir dann losgingen, hatte ich den Eindruck, dass sie nicht mehr so richtig Lust hatte zu laufen. Ob ihr ohne Selim das Spazierengehen tatsächlich nicht mehr so viel Spaß machte oder ob es das Alter war - sie war ja immerhin schon sechszehn Jahre alt - und ich sie einfach nur mehr beobachtet habe, kann ich natürlich nicht sagen. Ich dachte, dass es für uns alle das Beste wäre, wenn wieder ein dritter Hund ins Haus käme, doch dann wurde erst einer der in Frage kommenden „Kandidaten“ krank, und dann erkrankte Bobby und musste Antibiotika nehmen, so dass der geplante Besuch abgesagt werden musste.
Ende Oktober bekam Gwen Zahnprobleme. Das Antibiotikum und die Schmerzmittel schlugen gut an, die Entzündung war wieder weg, und ich dachte, dass alles überstanden wäre, doch dann ließ plötzlich ihr Appetit nach, und oft erbrach sie das wenige Futter, dass sie gefressen hatte, auch noch. Zwar konnten die Tierärzte das Erbrechen mit Medikamenten einigermaßen in den Griff bekommen, und sie bekam wieder Appetit, doch dann musste sie sich in der Nacht zu Freitag wieder erbrechen und danach mochte sie gar nicht mehr fressen und nahm nur zwei kleine Leckerlis. Obwohl sie am Samstag noch ein appetitanregendes Medikament gespritzt bekam, wollte sie gar nicht mehr fressen. In der Nacht zum Sonntag wurde Gwen plötzlich unruhig und konnte nicht einschlafen, sie reckte ihren Hals und „röhrte“, dann schaute sie mich ganz lange an. Ich streichelte sie und sprach ganz ruhig mit ihr und meldete uns dann in der Tierklinik an. Als wir losfuhren, konnte sie sich schon nicht mehr hinsetzen, nur noch etwas den Kopf heben und der Tierarzt konnte dann auch nicht mehr für sie tun, als ihr einen eventuell langen Sterbeprozess zu ersparen und sie ohne Angst oderSchmerzen über die Regenbogenbrücke gehen zu lassen.

Liebe Gwen, Du wirst immer in meinem Herzen bleiben. Danke für fünfundzwanzig wundervolle Monate! R.S.“


Tierschutz bedeutet auch, zum Wohle des Tieres im richtigen Augenblick Abschied nehmen zu können.
(C.B.)

Karma

Karma: geboren ca. 200929.10.2017

Karma kam im Sommer über den Amtsveterinär zu uns. Sie konnte bei ihrer Ankunft in der Station kaum laufen und wir vermuteten schon Schlimmstes an ihrem Knochenbau.
Ihr langhaariges Fell war komplett verfilzt und verschmutzt. Beim Abtasten kam man gar nicht an ihren Körper heran. Also hieß es, erstmal freischneiden.
In mehreren Aktionen entfernten wir den Filz und badeten sie. Karma ließ die Prozeduren geduldig über sich ergehen und war sichtlich überrascht, ihre Bewegungsfreiheit wiedergewonnen zu haben. Fortan trabt sie durchs Gehege und fühlt sich dabei sichtlich wohl. Es mangelte allerdings auch etwas an Kondition, die sie langsam im großen hinteren Quergehege aufbaute.

Wir wünschten uns für diese wunderbare zurückhaltende alte Dame nichts sehnlicher als ein entspanntes ruhiges Plätzen bei gelassenen Menschen. In der Zwischenzeit lebte sie sich auf der Station ein, das Fell wuchs nach und fing wieder an zu glänzen. Sie zeigte uns, dass sie großzügigen persönlichen Freiraum sehr schätzt, und durfte in die Halle umziehen, was ihr sehr gefiel. Ihr Schlafzimmer wurde damit das Quarantänehaus. Wenn die Öffnungszeiten auf der Station um waren, öffneten wir die Tür für sie und sie hatte zusätzlich die Halle für sich. Das gefiel ihr sichtlich. Immer wenn morgens ‚ihr Personal‘ kam, begrüßte Karma freudig und holte sich Streicheleinheiten. Waren Besucher im Büro, schaute sie auch interessiert vorbei, ebenso bei Menschen, die ruhig in der Halle etwas arbeiteten. Auch der Kontakt zu anderen Hunden war wichtig für sie, aber wie alles, in Maßen. Ging es für sie zu stürmisch zu, zog sie sich wieder in ihren Bereich zurück.

Am letzten Wochenende merkten wir, dass es ihr nicht so gut ging. Wir dachten, vielleicht waren die vielen Menschen und Geräusche bei unserem Arbeitseinsatz zu viel für sie. Sie bekam sofort rund-um-die-Uhr-Betreuung und das war genau richtig. Wir erlebten mit, wie sie rapide abbaute und im Abstand von zwei Stunden krampfende Anfälle bekam. Die Medikamente nutzten nicht viel, wir kontaktierten unsere Tierärztin. Die Ursache war wohl ein Hirntumor, der diesen schnellen Verfall der Körperfunktionen verursachte. Am Sonntag gegen 21:00 Uhr beschlossen wir, sie in Würde gehen zu lassen. Das tat weh. Wir müssen es erst noch verarbeiten. Ja, wenn man immer wieder alte, kranke Hunde aufnimmt, werden diese Momente nicht ausbleiben. Aber wir sind froh, dass Karma bei uns war und wir ihr ein bisschen einen schönen Lebensabend bieten konnten.

Mach‘s gut, liebe Karma! Wir freuen uns darauf, dass hinter der Regenbogenbrücke Deine Hinterbeine und Augen wieder funktionieren und Du über die Landschaft rennen kannst. Danke, dass wir Dich ein Stück weit begleiten durften.

Das traurige Team der Nothilfe für Polarhunde e.V. Freudenstadt


 

Wenn die Sonne des Lebens untergeht,
dann leuchten die Sterne der Erinnerung.

(Unbekannter Verfasser)

Volvo * 04.200821.10.2017

Volvo stammte ursprünglich aus Italien, war dort ausgesetzt worden. Ein Charmeur, ein Sonnenschein. 2008 fand er über uns zu SEINEN Menschen, wickelte diese, „Oma“ und „Opa“ und alle, die ihm begegneten, um seine Pfötchen. In sein Frauchen war er von Anfang an verliebt, seinem Herrchen, damals Hundeanfänger, brachte er schnell das große Hunde-Einmaleins bei. Jetzt, nach neun wunderschönen Jahren für Volvo und seine Menschen, siegte die Krankheit.

Volvo

Liebes Team der Nothilfe für Polarhunde,

leider mussten wir am Samstag von unserem kleinen Volvo Abschied nehmen. Megaösophagus, Lungenentzündungen und ein Tumor haben letztlich gesiegt.

Volvo, im Dezember 2008 kamst Du zu uns, unser Sonnenschein. Nun ist die Sonne untergegangen. Wir können nicht in Worte fassen, wie sehr Du unser Leben bereichert hast, wie sehr wir Dich lieben. Wir können Dir nur danken für die neun wunderschönen Jahre mit Dir. Wir behalten Dich in unseren Herzen.
Whenever, wherever, forever!

Deine Birgit und Dein Volker

Volvos Sonne scheint nun jenseits der Regenbogenbrücke – er hinterlässt eine riesengroße Lücke, aber auch Dankbarkeit – seine Menschen sind ihm dankbar für diese neun wunderschönen Jahre, und wir sind dankbar, dass es damals diese Menschen gab, die Volvo nach seinen schlechten Erfahrungen Geborgenheit geschenkt haben und ihm zeigten, dass man Menschen vertrauen kann.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V.

 

 


 

Nach jedem Tod wird das Leben zarter und feiner.
(Hermann Hesse)

Elmo: geboren 7.7.2014, gestorben am 11.10.2017

Elmo hatten wir im Sommer von einer anderen Tierschutzorganisation übernommen. Er war ein junger lebenslustiger Hund, immer zu einem Spiel mit Artgenossen aufgelegt, und dabei auch sehr den Menschen zugetan.
Elmo stellte uns von Beginn an vor viele Rätsel. Warum war dieser sozialverträgliche liebenswerte Hund in seiner Gruppe verletzt worden? Die Frage war bald beantwortet, nachdem wir seinen nächsten epileptischen Anfall miterleben konnten.
Wir starteten einen wahren Analyse-Marathon, alles wurde versucht um herauszufinden, warum sein junger Körper immer wieder von diesen Krämpfen geschüttelt wurde. Aber kein MRT, Blutbild, Hirnwasser, nicht einmal eine Haar-Analyse gab Auskunft darüber, warum er sich nicht medikamentös so einstellen ließ, dass die Anfälle weniger wurden oder gar ausbleiben.

In der gesamten Zeit, die Elmo bei uns war, hatte er Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Tagsüber durfte er mit zur Station und mit seinen Artgenossen spielen oder ruhen. Das ganze Team war informiert, wo die Notfall-Medikamente deponiert sind, und alle schauten immer wieder nach ihm.
Verließ die Stationsleiterin ihren Arbeitsplatz, war Elmo immer an ihrer Seite. Nachts durfte er kontaktliegend bei ihr schlafen, damit immer sofort geholfen werden konnte, wenn es wieder losging. Sie mutierte zur wahren Krankenschwester und spritzte sogar die Medikamente direkt in seine Muskeln, als rektale Anwendung nicht mehr half.
Nach seinen Anfällen hatte er nach ausgiebigem Schlaf immer wieder gute Tage und wir schöpften weiter Hoffnung, doch noch die Lösung für seine Lebensqualität zu finden. Aber das Verhältnis Elmos guter, unbeschwerter Tage zu seinen - stark durch die Anfälle und Medikamente -beeinträchtigten Tage nahm immer mehr ab.

Die Möglichkeiten der herkömmlichen Medizin und der Homöopathie waren erschöpft und wir wussten, wir mussten bald eine Entscheidung treffen. Elmo bestimmte den Tag der Entscheidung gewissermaßen mit, als sein Körper nach einem Anfall um 4 Uhr morgens keine nachhaltige Wirkung der sofort verabreichten Spritze zuließ. In Absprache mit unserer Tierärztin ließen wir ihn über die Regenbogenbrücke gehen.

Elmo

Seither trösten wir uns damit, dass wir nichts unversucht ließen und dem liebenswerten kleinen Kerl alles gegeben haben, was wir zu bieten haben. Ganz besonders unsere Stationsleiterin, die selbstlos über mehrere Wochen für Elmo an ihre Grenzen ging.

Lass es Dir gut gehen, kleiner Elmo, und hab wieder viel Spaß am Spiel hinter der Regenbogenbrücke!

Das traurige Team der Nothilfe für Polarhunde

PS: Wir möchten uns im Namen Elmos an dieser Stelle gerne für das Interesse und die Tipps vieler Menschen und - nicht zuletzt – für ihre finanzielle Unterstützung bedanken. Danke, dass sie immer mit uns um das Wohl unserer Notfelle kämpfen!


Floris *01.200925.08.2017

Auch ein kurzes Leben kann Spuren hinterlassen, die für immer bleiben ...
(Floris‘ Frauchen)

Wir sind immer traurig, wenn einer unserer Schützlinge über die Regenbogenbrücke gehen musste. Noch trauriger stimmt uns, wenn es sich um einen Hund handelt, der lange Zeit oder sogar Zeit seines Lebens vor der Vermittlung nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen durfte, und dem nicht viel Zeit blieb, zu merken, wie es ist, willkommen und geliebt zu sein. So ist es auch bei Floris. Seine Kindheit und Jugend verbrachte der Shiba-Rüde als Wanderpokal bei mehreren Besitzern und landete schließlich im Tierheim. Von dort wurde er leider zu Menschen vermittelt ohne jegliche Erfahrung mit Hunden, geschweige denn Erfahrung mit Shibas, und noch schlimmer mit bereits leidgeprüften Shibas wie Floris. Fünf Jahre verbrachte Floris in diesem Zuhause, aber ein Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Mensch entwickelte sich nicht – konnte sich nicht entwickeln, denn, wie gesagt, die Menschen hatten keinerlei Erfahrung mit Hunden, und der eingeschaltete Hundetrainer arbeitete immer noch nach der längst überholten Methode von Dominanz und Unterwerfung. Bei keinem Hund angebracht, bei einem Shiba erst recht nicht. Floris reagierte auf die empfohlenen Methoden mit Einnässen und vermehrter Aggression gegenüber dem Frauchen. Daraufhin suchte man nach einer Lösung. Diese fand man bei uns und im November 2014 zog Floris sechsjährig in eine unserer sehr erfahrenen Pflegestellen ein. Diese übernahm (übernimmt nie) die vorgefassten Meinungen, sondern lässt den jeweiligen Hund ankommen und urteilt dann selbst. Floris hat es seinem Pflegefrauchen wahrlich nicht leicht gemacht, er konnte sich leider nicht mehr zu einem Hund entwickeln, der „normal tickt“ – zu vieles war vorgefallen. Dennoch machte Floris in der Pflegestelle eine unglaubliche Entwicklung durch, und vor allem durfte er hier in der kurzen Zeit erfahren, was es bedeutet, dass Mensch immer hinter ihm steht, egal was passiert, und dass er geliebt wurde, so wie er eben war. Zu seinem Abschied beschreibt das Pflegefrauchen Floris‘ Weg bei ihr so:

Floris musste lange ein "Hunde-Leben" führen, bevor er endlich als Hund leben durfte.

Irgendwann im Jahr 2009 geboren (die genaue Herkunft und der Geburtstermin blieben unklar), mutierte der noch junge Kerl zu einem Wanderpokal, bis er im Alter von zwei Jahren in einem Tierheim landete. Dieses Tierheim, wohl unerfahren mit den Besonderheiten der japanischen Hunderassen, vermittelte Floris an Menschen, die zuvor noch keinen eigenen Hund besessen hatten. Fünf Jahre lebte Floris in deren Haushalt, sein Verhalten war zu diesem Zeitpunkt schon auffällig, man schaltete einen Hundetrainer ein, der leider noch die alten "Erziehungsmethoden" praktizierte. Floris sollte immer wieder „unterworfen" und "dominiert" werden, indem man ihn auf den Rücken drehte und dort festhielt. Selbstredend brachte diese Methode keinen Erfolg, und die Situation verschlechterte sich immer mehr, bis sie in einen Beißvorfall mündete und Floris zum Herrscher des Haushalts wurde. Floris sollte weg, ein Vertrauensverhältnis konnte in all den Jahren nicht aufgebaut werden.

Die NfP nahm Floris im November 2014 auf und brachte ihn bei mir, einer ihrer Pflegestellen, unter, wo Floris sehr schnell sein problematisches Verhalten zeigte. Ich versuchte, ein Vertauensverhältnis aufzubauen, und es sollte abgeklärt werden, ob Floris‘ Verhalten an körperlichen Beeinträchtigungen liegen könnte. Floris hatte einen Tierarzt bis dato nur einmal bei einer Impfung zu sehen bekommen. Im Laufe der Zeit wurden viele Untersuchungen gemacht, Ultraschall-, Röntgen-, Blut- und Hormonuntersuchungen und ein CT. Jede Untersuchung lieferte mehr Fragezeichen als eindeutige Ergebnisse. Eine Epilepsie wurde festgestellt und erfolgreich mit Medikamenten behandelt. Die Anfälle ließen deutlich nach. Zudem kristallisierte sich heraus, dass Floris in der wichtigen Prägephase als Welpe zu wenig Umweltreizen ausgesetzt gewesen war und die Hundesprache, mit der sich Hunde untereinander verständigen, einfach nicht verstand. Floris war unsicher oder hatte Angst - was zu Abwehrreaktionen seinerseits führte, die Mensch wiederum bislang als Aggression gewertet und bestraft hatte. Ein Teufelskreis, der erstmals hier in der Pflegestelle unterbrochen wurde. Ein umfangreiches Verhaltenstraining wurde begonnen, und Floris lernte, Kontrolle abzugeben und auf mich zu vertrauen.

Dieses brüchige Vertrauen wurde immer wieder auf die Probe gestellt, wenn Floris neue körperliche Auffälligkeiten entwickelte. Floris‘ Verdauungssystem war angegriffen, die Analbeutel mussten entfernt werden, Leber und Milz waren auffällig, was auch an den starken Medikamenten gegen Epilepsie liegen konnte. Rückenprobleme und Knieprobleme, die vermutlich von den Vorbesitzern unwissentlich verursacht wurden, konnten mit Hilfe einer Physiotherapeutin gelindert werden. Ein CT wurde veranlasst, das eine kleine Auffälligkeit am Hirnstamm aufwies, eine Biopsie war leider nicht möglich. Immer wieder tat sich eine neue Baustelle auf, aber mit jeder Krise festigte sich das Vertrauen zwischen Floris und mir. Floris entwickelte sich für Außenstehende zu einem völlig normalen Hund, der sich sehr stark an seinem Frauchen orientierte. Bis es soweit war, musste das Frauchen die Alarmzeichen erkennen lernen, mit denen Floris zu viel Stress anzeigte. Nachdem Floris in seinem vorherigen Leben immer bestraft worden war, wenn er drohte, zeigte er kein ausgeprägtes Drohverhalten mehr. Floris glich einem Vulkan, der jederzeit ausbrechen konnte. Hier half, dass Floris zeitig nach seinem Einzug in der Pflegestelle einen Ruheraum zugewiesen bekam (einen mit einem Türgitter abgetrennten Bereich der Wohnung), in dem er alles mitbekam, aber zur Ruhe kommen konnte. Diese Ruhephasen, die Floris zugebilligt wurden, hatten einen starken Einfluss auf sein übriges Verhalten. Bei seinen Anfällen, zu denen Floris von jeher neigte, war er, nachdem diese vorbei waren, extrem angriffslustig und griff jeden an, der ihm in dieser Situation zu nahe kam. Diese Anfälle schienen wir mit den Medikamenten im Griff zu haben, hatten sie sich doch von mehrmals wöchentlich auf einen bis zwei im Monat verringert.

Leider verschlechterte sich Floris Gesundheitszustand Mitte August 2017 dramatisch. Floris baute körperlich stark ab, konditionell war er stark eingeschränkt. Floris wirkte immer häufiger völlig abwesend, war trotz Gewöhnung wieder sehr schnell gestresst. Die Anfälle, die Floris extrem schwächten, häuften sich extrem auf vier bis fünf in der Woche. Selbst sein geliebtes Pflegefrauchen erkannte Floris kaum noch. Bevor wir noch einen Termin zu einer weiteren Untersuchung in einer Tierklinik machen konnten, verschlechterte sich die Situation so gravierend, dass wir in Absprache mit den Verantwortlichen des Vereins und dem Tierarzt beschlossen, Floris Leiden zu beenden. Er durfte am 25.08. in meinen Armen ruhig und ohne Schmerzen über die Regenbogenbrücke gehen.

Ich trauere immer noch um Floris und darum, dass Floris nur eine so kurze Zeit als geliebtes Familienmitglied vergönnt war. Floris hat mir eine Menge über Hunde beigebracht - mehr als ich in jahrelangen Studien hätte lernen können. Dass er sich mir gegenüber geöffnet hat, ist für mich das größte Geschenk und der größte Vertrauensbeweis. Egal wo Floris jetzt ist, er wird geliebt und bleibt unvergessen.

Bettina D. mit Familie

Aus diesen Worten wird klar, welch immense Anstrengungen das Pflegefrauchen auf sich nahm und welch unermessliche Liebe sie Floris entgegenbrachte. Wir können in Worten nicht ausdrücken, wie dankbar wir sind, dass Floris wenigstens diese kurzen drei Jahre erleben durfte. Danke, Frau D., das werden wir Ihnen nie vergessen.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt

 

 

"If there are no dogs in Heaven,
then when I die I want to go
where they went."
Will Rogers, 1897-1935

 
 

übersetzt:
"Wenn es im Himmel keine Hunde gibt,
dann möchte ich, wenn ich sterbe, dahingehen,
wo sie hingegangen sind."

 

 

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10.11.18