Die RegenbogenbrückeDie Regenbogenbrücke

Es gibt eine Brücke, die den Himmel und die Erde verbindet. Weil sie so viele Farben hat, nennt man sie die Regenbogenbrücke. Auf der anderen Seite der Brücke liegt ein wunderschönes Land mit blühenden Wiesen, mit saftigem grünen Gras und traumhaften Wäldern. Wenn ein geliebtes Tier die Erde für immer verlassen muss, gelangt es zu diesem wundervollen Ort. Dort gibt es immer reichlich zu fressen und zu trinken, und das Wetter ist immer so schön und warm wie im Frühling. Die alten Tiere werden dort wieder jung und die kranken Tiere wieder gesund. Den ganzen Tag toben sie vergnügt zusammen herum.
Nur eines fehlt ihnen zu ihrem vollkommenen Glück: Sie sind nicht mit ihren Menschen zusammen, die sie auf der Erde so geliebt haben.
So rennen und spielen sie jeden Tag miteinander, bis eines Tages eines von ihnen plötzlich innehält und gespannt aufsieht. Seine Nase nimmt Witterung auf, seine Ohren stellen sich auf, und die Augen werden ganz groß. Es tritt aus der Gruppe heraus und rennt dann los über das grüne Gras. Es wird schneller und schneller, denn es hat Dich gesehen!
Und wenn Du und Dein geliebtes Tier sich treffen, gibt es eine Wiedersehensfreude, die nicht enden will. Du nimmst es in Deine Arme und hältst es fest umschlungen. Dein Gesicht wird wieder und von ihm geküsst, deine Hände streicheln über sein schönes weiches Fell, und Du siehst endlich wieder in die Augen Deines geliebten Freundes, der so lange aus Deinem Leben verschwunden war, aber niemals aus Deinem Herzen. Dann überquert ihr gemeinsam die Regenbogenbrücke und werdet von nun an niemals mehr getrennt sein ...

 

 

Am Mittwoch, 20.03.2019, als die Sonne unterging,
schloss sich Ragnarson dem letzten Licht des Tages an und ging ebenfalls.
Ich durfte seinen letzten Weg mit wohligen Klängen auf meiner Handpan begleiten.
Ich bin ihm unendlich dankbar, dass ich ihn ein Stück seines Weges begleiten
und bis zu seinem Ende dabei sein durfte.

(K.S., Ragnarsons Frauchen)

Ragnarson

Ragnarson (ehemals Lasse)

* ca. 200320.03.2019

Lasses Start ins Leben war wohl kein guter. 2007 kam er, mit geschätzten vier Jahren, als Fundhund in ein Tierheim. Er war nicht gechippt, nicht registriert, und keiner suchte nach ihm. Man kann also davon ausgehen, dass seine „Menschen“ nicht einmal die Courage besaßen, zuzugeben, dass sie Lasse nicht mehr wollten, und ihn ins Tierheim zu bringen, sondern ihn einfach weggeworfen haben. Eine erste Vermittlung scheiterte, die Familie kam, auch mit Hundetrainer, nicht mit Lasse klar und musste ihn ins Tierheim zurückbringen. Dann kam Lasse in unsere damalige Auffangstation in Schleswig-Holstein – und brachte diese mit seinen über 40 kg fast zum Einsturz, so zornig war der Malamuten-Mann. Doch dann, wie wenn man einen Schalter umgelegt hätte, verrauchte die Wut, und Lasse lebte sich überraschend schnell in den Stationsalltag ein. Vieles lief ganz einfach mit Lasse, in anderen Dingen zeigte er tief verwurzelte Verhaltensauffälligkeiten. Von Anfang an war klar, dass es ganz besondere Menschen sein mussten, denen man Lasse anvertrauen konnte. Als sich dann eine Interessentin aus der Schweiz meldete, war uns nach einigen Telefonaten klar, dass das passen könnte. Die Interessentin ließ sich auch nicht durch die weite Anreise abschrecken – nun musste nur noch der Funke seitens Lasse überspringen. Vieles wurde an dem Kennen-Lern-Tag ausgetestet, die Begeisterung des Frauchens hielt an, auch wenn ihr langsam bewusst wurde, dass Lasses Eingewöhnung in den nächsten Wochen ein Full-Time-Job sein würde. Am Ende dieses ganz besonderen Tages – für Lasse, für das neue Frauchen und für die Stationsmitarbeiter – hatte Lasse die Fahrkarte in sein neues Zuhause in den Pfoten. Die lange Autofahrt überstand er bestens, obwohl er Autos scheute wie kaum etwas anderes. Die Eingewöhnung war, wie erwartet, nicht einfach, aber die Beziehung zwischen Frauchen und Lasse, jetzt Ragnarson, wurde zu einer ganz besonderen, ganz innigen Beziehung. Jede Zeile des Abschiedsberichts, den das Frauchen geschrieben hat, zeugt davon:

"Hallo zusammen!

Im Oktober 2009 habe ich mit meinem Freund den Malamuten Lasse von Euch übernommen. Nach einigen Tagen knackigen Kennenlernens und der Erkenntnis, dass mit seinem früheren Namen wenig hilfreiche Erinnerungen verknüpft sind, wurde er von uns neu getauft und hörte innert weniger Tage zuverlässig auf den Namen "Ragnarson".

Ragnarson wurde in den letzten Jahren zu einem sehr coolen Opa, der mich täglich dazu aufforderte, mich neu in ihn zu verlieben. Sehr gewissenhaft bereiteten wir uns auf unseren Abschied vor, der unweigerlich näherkam.

Am Mittwoch, den 20. März, war es soweit, er schlief friedlich ein, ohne nochmal die Unterstützung eines Tierarztes zu benötigen.

Zu seinem Ableben und der Zeit davor:

Vor circa drei Jahren habe ich eine Hundephysio-Therapie-Ausbildung begonnen, auf der Ragnarson mir noch wichtigen Input lieferte. Nachdem er einmal wegen einer entzündeten Zahnwurzel in Narkose gelegt und operiert werden musste, wurde im Röntgen festgestellt, dass er zahlreiche Spondylosen im Rücken hat, besonders im letzten Lendenwirbelbereich. Cauda-Equina-Syndrom mit irgendwann vollständiger Lähmung der Hinterhand war die Diagnose und Prognose. Die Symptome traten eigentlich in der Schwere erst nach der Narkose auf, und er fand nicht mehr zu seiner früheren Fitness zurück. Mit dem neu gewonnenen Wissen aus meiner Ausbildung konnte ich jedoch gut entgegenwirken. Erneut begleitete er mich beim Lernen und half mir, Zusammenhänge zu verstehen.

Ragnarson ließ sich am Ende alles von mir gefallen, genoss Massagen und Manuelle Therapien, verlor dabei aber bis zum Schluss nicht seine Diskussionsfreudigkeit, wenn ihm etwas gegen den Strich ging. Aber er war viel sanfter und toleranter geworden, verwarnte mehr, als dass er zubeißen musste, und ließ sich leichter überreden, doch noch etwas auszuhalten. Ich genoss diese Diskussionen bis zum Schluss, es zeigte, dass er immer noch da war.

Gleichzeitig erkannte er mehr und mehr, wie gut ihm manche Behandlungen taten. So fand ich eine Osteopathin, die ihn noch etwas gezielter behandeln konnte, bei der er nach anfänglichen Motzereien (bei denen er auf meinen Wunsch trotzdem stillhalten konnte! :-)), nach einiger Zeit immer ruhiger wurde und in sich hinein hörte. Nur zwischendrin gönnte er uns mal wieder einen plötzlichen Motzer, der die Osteopathin jeweils etwas hüpfen ließ .... Ich würde sagen, das war sein größter Spaß :-). Es ging ihm einfach ums Prinzip, ER war dabei völlig entspannt.

Schmerzen hatte er keine, nur die Hinterhandschwäche trat immer mehr in den Vordergrund, und seine Sinne ließen merklich nach. Dafür lernte er noch letztes Jahr mit mir, größere Runden zu schwimmen, und so verbrachten wir den letzten Sommer vor allem im Fluss und im Weiher, was ihm sichtlich gut tat. Zuhause arbeiteten wir Seniorentraining für ihn aus, um die Muskulatur noch so lange es ging zu erhalten und die Koordinationsfähigkeit zu verbessern. Er zeigte sich hier richtig engagiert und forderte seine Trainingslektionen fast ein. Das war wirklich cool.

Zudem durfte er mich hin und wieder mit dem Zug nach Zürich begleiten, wo ich einen Lehrauftrag für Tiermedizinische Praxisassistenten erhalten hatte. Auf den Zugfahrten nutzten wir die Zeit für kleinere Übungen, und er staunte wieder wie ein kleines Kind über die großen Hallen des Züri Hauptbahnhofs. Er war einfach so ein unglaublich heller Kopf, das war wirklich herrlich anzusehen.

In den letzten Wochen überschlugen sich ein paar blöde Aktionen. Vereinfacht gesagt, sein Verdauungssystem schlug Kapriolen. Dies schwächte ihn am Ende so sehr, dass er sich davon nicht mehr erholen konnte. Am Samstag vor seinem Ableben waren wir noch in der Notaufnahme, er wurde stabilisiert und erhielt Schmerzmittel. Kurz sah es so aus, als käme er wieder auf die Beine, doch als es dann immer noch nicht überstanden war, wurde er zunehmend schwächer.

Begleitet von einer ganzheitlich arbeitenden Tierärztin und einer Tierheilpraktikerin unterstützten wir ihn, soweit es ging, doch lange wollte ich nicht mehr zusehen. Am Tag darauf hätte ich ihn wohl eingeschläfert, er fand den Weg aber selber und konnte sich ohne Hilfe verabschieden. Das hat mich sehr gefreut, denn er war einfach nicht der Typ, der sich hätte helfen lassen wollen. Bis zum Schluss war er diskussionsfreudig, wenn auch nicht mehr so deutlich spürbar.

Ein unglaublich starker Hund, der mir unglaublich viel gelehrt hat.

Wir haben beide sehr voneinander profitiert, unsere Aufgaben in diesem Lebensabschnitt haben wir, glaube ich, beide gut gemeistert.

Meine Trauer ist nicht so groß, wie ich erwartet hatte. Wir hatten uns schon zuvor verabschiedet und uns gut auf seinen letzten Weg vorbereitet; so war es am Ende für uns alle eine Erleichterung. Wer weiß, wie es noch weitergegangen wäre, wenn er sich nochmal erholt hätte. Alleine laufen, ohne aktive Unterstützung, konnte er in den letzten Monaten nur noch für sehr kurze Wegstrecken. Immerhin ließ er sich immer selbstverständlicher helfen, so richtig Spaß hatte er aber nur noch selten. So war dieser Weg wohl der passende für ihn, und ich gönne ihm die nun gewonnene, absolute Freiheit.

Ich möchte mich nochmal ganz herzlich für das Vertrauen bedanken, das Sie mir entgegenbrachten, als ich diesen Hund übernahm. Es ist eine Ehre für mich, dass er sich am Ende wirklich voll auf mich eingelassen hat und mich richtig zu schätzen wusste. Ich werde ihn immer in meinem Herzen behalten, und seine Lehren werden in mir weiterbestehen.

Ganz liebe Grüße aus der Schweiz
K. S."

Liebe K. S., kaum einer der heutigen Team-Mitglieder kennt Lasse/Ragnarson von damals. Aber Ihre Schilderungen lassen vor unseren Augen ein Bild von einem Malamuten entstehen. Ragnarson war einer der besonderen Hunde, die ganz besondere Menschen brauchen, um das Besondere an ihnen entfalten zu können. Dafür, dass Ragnarson dies bei Ihnen und durch Ihre Liebe konnte und durfte, möchten wir Ihnen von Herzen danken.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt


 

Deine Spur führt in unser Herz.
(Verfasser unbekannt)

Bone

Bone

* 05.07.08 † 01.12.18

Bone kam 2009 zu uns in die Vermittlung. Schweren Herzens wurde er abgegeben, von der Mutter des ehemaligen Herrchens. Herrchen hatte sich getrennt, die Mutter hatte Bone übernommen und ganz schnell auch ein „Versorgungsnetz“ für ihn gespannt. Was sie aber nicht vermeiden konnte, war, dass Bone nun auch alleine bleiben musste – eine Situation, die er noch nicht gekannt hatte und mit der er nicht zurechtkam. Eine private Vermittlung scheiterte, obwohl alles im Vorfeld sorgfältig geprüft worden war und zu passen schien. Die Mutter des Herrchens war schließlich froh, auf uns gestoßen zu sein, der weite Weg aus Berlin war kein Hindernis – Hauptsache, Bone bekam eine neue Chance, sprich neue Familie. Aus der Mutter wurde eine treue, inzwischen langjährige Unterstützerin der NfP, Bone hatte einen schweren Start bei uns: Sein innen liegender Hoden musste operiert werden, er war bereits mit der Niere verwachsen. Aber nach diesem erneuten Tiefschlaf fand Bone sein Glück. Viele Interessenten hatten sich für den bildhübschen, damals einjährigen Rüden gemeldet, alles löste sich letztendlich in Luft auf. Dann, Anfang November 2009, kam eine Familie, Vater, Mutter, Sohn und die Husky-Hündin Shiva, ebenfalls erst ein Jahr jung, in unsere Station, damals noch in Horb, um Bone kennen zu lernen. Die Hunde verstanden sich auf Anhieb, der sportliche Vater war total begeistert vom ebenso sportlichen Bone, und so durfte Bone die Reise in sein neues Zuhause antreten. Neun Jahre sind seither vergangen, neun glückliche Jahre für Bone und für die Familie. Am 01.12.2018 musste Bone über die Regenbogenbrücke gehen und hinterlässt eine traurige, aber dankbare Familie.

„Ich will dir einen Hund für eine Weile leihen“, sagte ein Engel. „Damit du ihn lieben kannst, solange er lebt, und trauern, wenn er tot ist. Ich kann dir nicht versprechen, dass er bleiben wird, weil alles von der Erde zurückkehren muss.

Wirst du auf ihn aufpassen, für mich, bis ich ihn zurückrufe? Er wird dich bezaubern, um dich zu erfreuen, und sollte sein Bleiben nur kurz sein, du hast immer die Erinnerungen, um dich zu trösten.

Willst du ihm alle deine Liebe geben und nicht denken, dass deine Arbeit umsonst war? Und mich auch nicht hassen, wenn ich das Tier zu mir heimhole?“

Mein Herz antwortete: “Lieber Engel, dies soll geschehen! Für all die Freuden, die dieses Tier bringt, werde ich das Risiko der Trauer eingehen. Ich werde es mit Zärtlichkeit beschützen und es lieben, solange ich darf. Und für das Glück, das wir erfahren durften, werde ich für immer dankbar sein.

Auch, solltest du es früher zurückrufen, viel früher, als geplant, werde ich die tiefe Trauer meistern und versuchen zu verstehen. Wenn mein geliebter Hund diese Welt voll von Spannung und Zwietracht verlässt, schicke mir doch bitte eine andere bedürftige Seele, um sie ihr Leben lang zu lieben.”

D. K.

Liebe Familie K., wir danken Ihnen von ganzem Herzen für diese Einstellung und dass Sie dem Wunsch des Engels entsprochen und auf Bone aufgepasst und ihn geliebt haben! Wir wünschen Ihnen viel Kraft, um über die Trauer um dieses geliebte Familienmitglied hinwegzukommen.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e. V., Freudenstadt

 

 

"If there are no dogs in Heaven,
then when I die I want to go
where they went."
Will Rogers, 1897-1935

 
 

übersetzt:
"Wenn es im Himmel keine Hunde gibt,
dann möchte ich, wenn ich sterbe, dahingehen,
wo sie hingegangen sind."

 

 

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15.04.19