Die RegenbogenbrückeDie Regenbogenbrücke

Es gibt eine Brücke, die den Himmel und die Erde verbindet. Weil sie so viele Farben hat, nennt man sie die Regenbogenbrücke. Auf der anderen Seite der Brücke liegt ein wunderschönes Land mit blühenden Wiesen, mit saftigem grünen Gras und traumhaften Wäldern. Wenn ein geliebtes Tier die Erde für immer verlassen muss, gelangt es zu diesem wundervollen Ort. Dort gibt es immer reichlich zu fressen und zu trinken, und das Wetter ist immer so schön und warm wie im Frühling. Die alten Tiere werden dort wieder jung und die kranken Tiere wieder gesund. Den ganzen Tag toben sie vergnügt zusammen herum.
Nur eines fehlt ihnen zu ihrem vollkommenen Glück: Sie sind nicht mit ihren Menschen zusammen, die sie auf der Erde so geliebt haben.
So rennen und spielen sie jeden Tag miteinander, bis eines Tages eines von ihnen plötzlich innehält und gespannt aufsieht. Seine Nase nimmt Witterung auf, seine Ohren stellen sich auf, und die Augen werden ganz groß. Es tritt aus der Gruppe heraus und rennt dann los über das grüne Gras. Es wird schneller und schneller, denn es hat Dich gesehen!
Und wenn Du und Dein geliebtes Tier sich treffen, gibt es eine Wiedersehensfreude, die nicht enden will. Du nimmst es in Deine Arme und hältst es fest umschlungen. Dein Gesicht wird wieder und von ihm geküsst, deine Hände streicheln über sein schönes weiches Fell, und Du siehst endlich wieder in die Augen Deines geliebten Freundes, der so lange aus Deinem Leben verschwunden war, aber niemals aus Deinem Herzen. Dann überquert ihr gemeinsam die Regenbogenbrücke und werdet von nun an niemals mehr getrennt sein ...

 

Niemals wirst Du ganz gehen.
(von unbekannt)

Ivokey

Ivokey
* 15.02.2016
† 07.07.2021

Ivokey ist mit gerade mal fünf Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen. Unfassbar, unfassbar schnell, völlig unerwartet.

„Aus heiterem Himmel“ ging es ihm am 06.07.2021 nicht gut, und unsere Stationsleiterin ging mit ihm zur Tierärztin. Er hatte Probleme mit den Nieren, bekam Infusionen – aber vergebens. Einen Tag später ging er über die Regenbogenbrücke. Die Tierärztin vermutet, dass Ivokey eine angeborene Niereninsuffizienz hatte, die sein Körper, sein Immunsystem bislang unter Kontrolle hatte. Warum diese Niereninsuffizienz gerade jetzt die Oberhand gewann - wir wissen es nicht. Wir sind nur unendlich traurig, dass Ivokey so jung über die Regenbogenbrücke gegangen ist und keine Chance hatte. Wir haben es nicht geschafft, Ivo, wie er in der Station liebevoll genannt wurde, die Chance zu geben, Teil einer Familie zu sein.

Ivo hatte in letzter Zeit Fortschritte gemacht, kleine, aber immerhin, sie gingen in die richtige Richtung: Er wurde immer offener und „milder“. Was blieb: Ivo war ein introvertierter Hund, er wollte keine Aufmerksamkeit, er stellte sich nie in den Vordergrund. Aber machte ihn nicht gerade das liebenswert? Warum erwartet man heute immer Hunde, die freudig auf jedermann zugehen, sich von jedermann streicheln lassen, immer freundlich sind? Sicher, diese Hunde gibt es auch, gibt es sogar viele, aber ist ein Ivo deshalb weniger liebenswert? Ivo, der immer einen Plan hatte, was er machen wollte und diesen auch durchgesetzt hat. Eine Persönlichkeit eben. Ivo, der nach außen immer unscheinbar sein wollte (trotz seines Aussehens), dessen „Innenleben“, dessen Gefühle aber nicht zu unterschätzen waren.

Leider hat diese Qualitäten außer den Stationsmitarbeiter*innen, Ivos fester Gassigeherin und seinen Pat*innen niemand erkannt, keiner hat Ivo so akzeptiert, wie er war, und ihn in seiner Familie aufnehmen wollen, niemand hat seinen feinen Charakter erkannt und zu schätzen gewusst.

Ivo war nie boshaft, er war in seinem Verhalten, seinen Reaktionen immer ehrlich. Wir können nur hoffen, dass es Ivo jenseits der Regenbogenbrücke nun richtig gut geht, und wir hoffen, dass er durch uns erfahren durfte, dass er geliebt wurde, so wie er war.

Unser herzlicher Dank geht an Ivos Pat*innen, die ihn mit guten Gedanken und finanziell unterstützt haben. Das bleibt als gutes Gefühl, das irgendwann die Trauer über Ivos frühen Tod überlagern wird.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde


Nichts wird mehr sein, wie es mal war.
Aber in jeder Träne spiegelt sich ein Bild von Dir.
(unbekannt)

Inochi

Inochi
* ca. 2015
Mai 2021

Am 20.10.2017 zog Inochi in seiner Pflegestelle ein – ohne Namen, ohne Papiere, ohne Altersangabe, stinkend, verwahrlost, ohne Muskulatur, total verängstigt, da isoliert gehalten, 3,5 kg. Ein paar Informationen, so leicht geschrieben – so schwer zu tragen, eine lebenslange Bürde für den kleinen Shiba-Buben. Wieder einmal ein Tier, das, von Menschen ausgebeutet, krank an Körper und Seele war.

Den Namen Inochi bekam er von der Pflegestelle, der Name bedeutet „Leben“. Und leben wollte Inochi und machte Fortschritte bei seiner Pflegefamilie – in den Augen seiner Pflegemama waren es riesige Fortschritte, für viele andere wären diese Fortschritte gar nicht wahrnehmbar gewesen.

Das Leben in einer Familie war für Inochi ein „Kulturschock“: Er hatte am Anfang sogar Angst vor seinem Pflegefrauchen, da er nie zuvor in Kontakt zu Menschen gelebt hatte, Stubenreinheit und Leinenführigkeit waren Fremdwörter, Hundebegegnungen Stress pur. Am Ende aber war Inochi der (von allen geduldete) „Chef“ seiner kleinen Hundefamilie, Husky-Hündin Skadi und Akita-Hündin Kaika, und führte sein Rudel über verwunschene Pfade durch den heimischen Wald.

Auch das: So leicht geschrieben – aber wieviel Liebe, Hingabe, Geduld, Fort- und Rückschritte, schlaflose Nächte hinter diesen paar Worten stecken, kann sich niemand von uns vorstellen, die wir das nicht selbst erlebt und durchlebt haben.

Inochi behielt aus seiner schlechten Haltung bei seinem Vermehrer dauerhafte gesundheitliche Schäden: Bauchspeicheldrüsenprobleme und eine chronische Darmentzündung (IBD), die immer wieder zu heftigen Durchfällen und zu einem drastischen Gewichtsverlust des ohnehin leichten Kerlchens führte. Aber das Pflegefrauchen bekam auch diese Probleme mit viel Geduld und Kompetenz auf ein mögliches Minimum reduziert.

Bis Inochi im Mai 2021 einen IBD-Schub bekam, der mit nichts mehr in den Griff zu bekommen war. Fünf Tage lang wurde alles versucht, Infusionen, Astronautennahrung, aber Inochis Kraft war zu Ende. Der Schock sitzt tief, immer noch, bei uns allen, vor allem aber natürlich bei Inochis Pflegefrauchen. Genauso groß wie die Trauer ist die Wut auf den Vermehrer, bei dem Inochi seine ersten Jahre verbringen musste und der Schuld hat an Inochis schlechter körperlicher, gesundheitlicher Verfassung. Und das Schlimmste: Dieser Vermehrer darf grad so weitermachen! Alle Bemühungen von diversen Seiten konnten ihn nicht stoppen, die Gerichte haben entschieden.

Wir können nur hoffen, dass Inochi hauptsächlich die guten Erinnerungen, die an seinen letzten Lebensabschnitt hier auf Erden, mitgenommen hat. Diese hat er seinem Pflegefrauchen und seinen Pat*innen, zu verdanken. Wir bedanken uns im Namen Inochis und seines Pflegefrauchens sehr herzlich für die Unterstützung, mental und finanziell.

Wir trauern um Inochi.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde


Die Welt ist nicht mehr dieselbe ....
(Bens Familie)

Ben

Ben
* 24.02.2008
28.04.2021

Die Stationsmitarbeiter*innen, die in unserer ehemaligen Station in Horb waren, als Ben dort an Weihnachten 2008 einzog und bereits wenige Tage später von seiner neuen Familie abgeholt wurde, waren andere als heute. Aber auch die heutige Stationsmannschaft durfte Ben kennen lernen – bei Arbeitseinsätzen auf der neuen Station. Wir erinnern uns an einen großartigen Hund mit großartigen Zweibeinern, und wir erinnern uns an Bens lustige Kommentare zu allem, was gewerkelt wurde. Ende April 2021 mussten Bens Menschen ihn gehen lassen. Mit 13 Jahren – das war wohl sehr viel älter, als man ihnen prognostiziert hatte, als man Ben als knapp einjährigen pubertierenden Jungspund in die Obhut dieser Familie gab. Der Abschiedstext seiner Menschen für Ben zeigt, dass wir damals mit unserem Glücklich-Text Recht hatten: „… dass man in dieser Familie auch dann geliebt alt werden kann, wenn man Ecken und Kanten mit- oder hervorbringt, war einst schon Tashiro’s Glück….“ Ein Abschied, der berührt:

Wir haben uns schweren Herzens von einem der großartigsten Wesen, die wir je kennen lernen durften, verabschieden müssen.

Ben, im Februar 2008 geboren, im Frühjahr unüberlegt in einer belgischen Tierhandlung gekauft und bereits am 2. Weihnachtsfeiertag, völlig unverstanden, zum Schrottwichteln in der damaligen Station der Nothilfe in Horb abgegeben.

Unerzogen, o-beinig, dünn, riesengroß an Körper und Selbstbewusstsein, ein typisch pubertierender Flegel, der nicht wusste, wohin mit seiner Energie und Kraft, auf der Suche nach Grenzen. So wurde er uns von der Nothilfe, ergänzt durch wenig vorteilhafte Fotos, wärmstens ans Herz gelegt. Hat ja auch funktioniert. Erste Januarwoche 2009 haben wir ihn, zusammen mit unserer Hündin Aimy, abgeholt.

Aus diesem liebenswerten Chaoten hat sich dann, mit sensibler Unterstützung durch Aimy und durch viel Bewegung, ein ganz feiner und besonderer Hund entwickelt.

Unser Ben war ein anhänglicher Freigeist, ein Kämpfer gegen all seine Handicaps. Erfinder der Lebenslust. Nie nur dabei, sondern immer mitten drin. Grobmotorisches Sensibelchen, apfelliebender Fleischfresser, Schelm und Schlingel, Clown und Schmuser. Bin da, kann losgehen.
Begnadeter Raufer und Um-die-Wette-Renner. Windhunde-Überrunder. Bekennender Anhänger der Großfamilie. Loyaler Menschenfreund, vertrauensvoll, aber keinesfalls vertrauensselig. Manchmal unsicher, aber mit gesundem Selbstvertrauen. Immer neugierig und für Abenteuer zu haben. Verehrer und Beschützer seiner zwei- und vierbeinigen Mädels, aber kein Pascha. Gelassener Zappler und Zoppler, lieber Solar- als Polarhund. Fan dänischer Sandstrände. Lässiger Im-Hof-Lieger, Nasen-Maler. Silvesterhasser. Nachgiebiger Sturkopf, respektierter Chef der Hundewiesen-Bande. Grummler, Brummler und mit Aimy und Suki zusammen Howlin' Wolf im Auto.

Letztlich nur geboren, um, über Umwegen, bei uns zu leben.

Mehr als 12 Jahre war er unser Sonnenschein und hat sich 13 Jahre trotz seiner schiefen Beine immer gut gelaunt durchs Leben geschoben. Immer an allen und allem um ihn herum interessiert, aufmerksam, neugierig. Ständig auf der Suche nach dem ultimativen Snack. Jäger des verlorenen Kekses. Beste Dicknase ever.

Jetzt sitzen wir hier und müssen, nach sieben gemeinsamen Jahren, Deiner Suki erklären, dass Du nicht mehr da bist. Keine leichte Aufgabe, denn Du warst sehr wichtig für sie.

Da, wo Du jetzt bist, wirst Du unsere anderen Besonderheiten (wieder)treffen. Ihr werdet euch sehen und erkennen. Deine Königin, die Liebe Süße Aimy, den großen Häuptlingssohn Thashiro und irgendwo weiter hinten die Unglaubliche Maya.

Hej, Hej, Ben und danke dafür, dass es Dir bei uns gefallen hat.
Renne frei, renne unbeschwert. Wir sehen uns wieder auf der großen Wiese.

Deine Familie B. aus Wiesbaden

Ja, Sie haben Recht, liebe Familie B.: „Die Welt ist nicht mehr dieselbe“ – diese Welt ist ärmer geworden. Ben war ein ganz außergewöhnlicher Hund, und es ist schön, dass Sie das erkannt haben und Ben (fast) sein ganzes Leben lang Sie an seiner Seite hatte. Wir wünschen Ihnen von Herzen, dass bald die schönen und lustigen Erinnerungen an Ben die Trauer um ihn überwiegen – auch bei Suki.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde


Der einzig angemessene Zustand für das Herz ist Freude.
Den Himmel, den man jetzt sieht, hat man noch nie zuvor gesehen.
Der perfekte Moment ist jetzt. Freu dich darüber.
(Terry Pratchett)

Rakete

Rakete
* 25.09.2012
26.04.2021

Die Siberian Husky-Hündin Rakete mit der tollen Ausstrahlung kam im Oktober 2018 zusammen mit Asira und Grinch zu uns auf die Station. Sie war als Langstreckensportlerin angekündigt, aber bereits bei der ersten Probefahrt war sie der Meinung, Alb-Zeitung lesen am Wegrand ist doch auch ganz schön interessant. Das veranlasste uns lachend, sie fortan Käte zu nennen. Anfänglich war sie eher zurückhaltend und schätzte ihr menschliches Gegenüber erst mal aus der Distanz ein. Ganz besonders erwachsene Männer. Das brachte ihrer neuen Familie viele Wochenendbesuche per Camp-Mobil auf dem Hasleberg ein, an denen sie nicht nur zusammen über die Alb gingen, sonders das ‚neue Herrchen‘ sich immer wieder sehr um Kätes Vertrauen bemühte. Es wurde Januar, bis das komplette Quintett, bestehend aus zwei Menschen und drei Huskys – endlich zusammen nach Hause fuhr. Dort erkundete Käte die Vorteile des Familien-Lebens im Haus und genoss fortan den Luxus, z.B. in IHREM Ohrensessel.

Liebe Christiane, liebe Nothilfe,

inzwischen sind wir fast zwei Monate ohne unsere Käte. Der Alltag kam schnell zurück, aber beim Blick auf ihren Sessel werden wir uns wohl noch jahrelang fragen, warum wir nicht doch noch ein bisschen mehr Zeit zusammen haben durften.

Als Käte 2019 nach vielen Besuchen auf der Station bei uns eingezogen ist war klar: Diese außergewöhnliche kleine Hündin braucht vor allem Zeit. Und so war es auch. Nach dem grundsätzlichen Ankommen, Angst abbauen und Vertrauen lernen hat sie besonders in ihrem zweiten Jahr bei uns nochmals (für uns) wahnsinnige Schritte gemacht. Auf einmal konnte man sogar ganz entspannt mit auf der Couch liegen und sich ankuscheln. Wir haben uns wahnsinnig darauf gefreut, mit ihr und den anderen Hunden weiter die Welt zu erkunden, aber solche Pläne sollen eben manchmal nicht sein.

Schon vor Monaten wurde Käte durch ein Lymphentzündung geradezu umgehauen. Auf mehrere Tage in der Klinik folgte eine ungewöhnlich lange Genesungsphase. Die Werte wurden einfach nicht besser. In der Tierklinik kannte sie inzwischen jeder und das Personal hat sich darum gerissen, sie begrüßen zu dürfen, weil sie jede Behandlung lieb mitgemacht hat. Mitte April sahen die Werte endlich besser aus und wir haben schon geplant, wie wir sie am besten wieder aufbauen können. Ihr nun doch sehr dicker Bauch war seltsam, aber eigentlich doch typisch bei so langer Cortisontherapie.
Nur leider war es dann doch nicht nur die Entzündung, sondern ein fieser, bis dahin gut versteckter Krebs, der zwischenzeitlich die Organe befallen hatte. Dazu viel Wasser im Bauch, eine gestörte Blutgerinnung, keine Medikamentierung mehr möglich. Am Freitag war klar, dass es nur noch um Tage geht, und als am Montag die Atmung immer schwerer wurde, war es an der Zeit. Auf den letzten Metern zum Tierarzt lief im Radio "Knockin' on Heavens door" und den Weg in diese Richtung hat sie sich wahrlich verdient.

Sie fehlt - als Führungskraft in der Gruppe, als Betreuungshund für Oma Alice, als gutgelauntes Begrüßungskommando an der Tür, als Bezugspunkt für River und als charaktervolle, wunderbare Freundin für uns. Es bleiben liebevolle Erinnerungen und eine große Dankbarkeit für jeden Tag mit ihr.

Michael und Sarah mit Shadow, River und Alice

Sie wird auch uns sehr fehlen, ganz besonders bei den Arbeitseinsätzen. Ich werde die Szene im letzten Sommer nie vergessen, die ich mit der Kamera einfangen durfte: eine strahlende Rakete, die zu einem ebenso strahlenden Michael auf die Bank vor der Station sprang und sich an ihn lehnte. Es sagte alles. Und wir sind unendlich froh, dass sie es mit Euch geschafft hat, schon auf der Erde ein Stückchen Himmel zu erleben.

Das traurige und sehr dankbare Team der Nothilfe für Polarhunde


Für uns ist es der Sonnenuntergang,
für Dich aber ein Aufgang.

(unbekannter Autor)

Semmel

Semmel
* 11.10.2006
16.04.2021

Das Fünfer-Rudel um Mama Lisa, Papa Nanouk und die Kinder Ronja, Tinka und Semmel ist wieder vereint – am 16.04.2021 ging Semmel als letzter der Hunde-Familie über die Regenbogenbrücke.

Mitte August 2018 war Semmel mit seinen Eltern und Schwestern in die Station gekommen – das Herrchen war verstorben, Frauchen musste umziehen und konnte die fünf nicht mitnehmen. Semmel hatte das große Glück, dass er zusammen mit seiner Mama in einer Pflegestelle einziehen durfte; Weihnachten 2018 verbrachten die beiden bereits bei ihren Pflegeeltern. Ganz schnell hatten Semmel und Lisa ihr neues Zuhause erobert und fühlten sich rundherum wohl, und sie wurden umsorgt und geliebt.

Dieser Fürsorge und Liebe ist es auch zu verdanken, dass Semmel sowohl den Tod seiner Mama im Oktober 2019 als auch eine Analtumor-Op erstaunlich gut „wegsteckte“. Ohne Lisas Schutz hatte Semmel zwar Angst vor Hunden, wenn ihm beim Spaziergang welche begegneten, aber zuhause genoss er es regelrecht, „Einzelprinz“ zu sein. Semmel war ein sehr menschenbezogener Hund und begrüßte selbst den Tierarzt freundlich schwanzwedelnd, aber natürlich hing er vor allem an seinem Pflegefrauchen.

Bei der Analtumor-Op konnten leider nicht alle Tumore entfernt werden, zwei kleinere mussten belassen werden. Lange Zeit wuchsen sie nicht und behinderten Semmel auch nicht. Jetzt im April wuchsen sie auf einmal explosionsartig, Semmel wollte nicht mehr essen und hatte extrem hohe Leberwerte – es war klar, dass Semmels Lebenskraft zu Ende war. Das Pflegefrauchen traf die sehr schwere, aber einzig richtige Entscheidung FÜR Semmel und ließ ihn gehen.

In Gedanken sehen wir die fünf auf den “blühenden Wiesen“ in dem „wunderschönen Land“ auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke. Wir sind sehr dankbar dafür, dass alle fünf nach ihrem schweren Schicksalsschlag „aufgefangen“ werden konnten und (bis auf Nanouk, der in der Station starb) noch einmal das Glück einer Familie erleben durften, egal, wie lange dieses währte. Dies war nur möglich dank der Menschen, die diesen wunderbaren Hunden ein neues Zuhause schenkten, und dank der Menschen, die für Semmel und Lisa Paten waren und gespendet haben. DANKE!

Das traurige und dankbare Team der Nothilfe für Polarhunde


Die Sonne ist untergegangen …

Majana
* 01.06.2008
09.03.2021

Majana

Majana - nicht wegzudenken aus ihren beiden Drei-Generationen-Familien – und doch müssen diese seit dem 9. März 2021 damit leben, dass Majana „nur“ noch in ihren Erzählungen, Erinnerungen und (natürlich vor allem) in ihren Herzen lebt.

Für das Pflegefrauchen war Majana „Lebensfreude pur, … ein Sonnenschein.“ Opa und „seine Lady“ waren ein Herz und eine Seele, ging es dem einen gut, ging es dem anderen auch gut. Bei dem kleinen Töchterchen der Pflegeeltern und Majana war es gegenseitige Begeisterung. Für Oma und den Pflegepapa (für beide war Majana der erste Hund und beide sind eher „Katzenmenschen) war Majana eine Katze, nur „ein bisschen“ größer. Kurz gesagt: Majana hatte im Sturm alle Herzen erobert.

Majana hatte Spondylose, Treppensteigen wurde oft zur Qual, und so genoss Majana es, als sie zu Oma und Opa ziehen und fortan ebenerdig leben durfte. Und sie genoss, dass sie so leben konnte, wie sie wollte, und tun konnte, was sie wollte. Bei Oma und Opa hatte sie barrierefreien Zugang zum Garten, die Richtung und die Länge ihrer Spaziergänge bestimmte sie. Was kann es für einen Malamute-Dickschädel Besseres geben, als dass alles nach seinem Kopf geht? Majana hatte das schönste Leben …

Das Gedenken an diese Malamute-Persönlichkeit haben ihre Menschen in ein Gedicht gefasst:

Zum ewigen Gedenken an Majana N.
Februar 2018 in unser Leben getreten,
verstorben am 09.03.2021

Wir suchten einen Hund‚ nen treuen Freund,
… uuuund, das Schicksal hat es gut mit uns gemeint!
Bei der Polarhundenothilfe Freudenstadt e.V. haben wir in wenigen Stunden,
das Beste, unser großes Glück gefunden!

Fortan waren wir nicht mehr alleine, gar verloren,
denn Malamute-Hündin Majana hatte uns als „Rudelgenossen“ auserkoren.
Sie war zwar nicht die Jüngste, neun Jahre wohl schon alt,
doch das, das ließ uns gänzlich kalt!

Denn mit ihrem Esprit und Charme,
wurd’s einem im Herzen ganz warm!
Sie eroberte „ihre“ Menschen blitzschnell,
mit ihren herrlich braunen Augen und hell glänzendem Fell.

Sie war eine Schönheit ganz und gar.
Jedem, der sie sah, war das sofort klar.
Sie war so sanft und auch elegant,
weshalb sie fortan die „Lady“ wurde nun genannt.

Doch dies Glück in unserer Stadtwohnung hielt nicht allzu lang,
da das Alter, Vestibularsyndrom und eine Spondylose uns zu Maja’s Umzug zwang,
zu Alexandras Oma und Opa, in deren kleines Einfamilienreihenhaus,
denn da konnte die „Lady“ nahezu stufenlos ein und aus.

Fortan durfte „Opa“ mit Maja Gassi gehen,
täglich konnten die Nachbarn zwei bis drei Mal das „Dream-Team“ sehen.
Rasch kannte Majana sich in der neuen Gegend aus,
und wählte dann die Gassi-Routen aus.

Bereits nach wenigen Stunden,
hat sie ihre Buddies gefunden.
Den „Gesundheitswert“ hat Opa schnell erkannt,
und sie sein MFS (Mobiles Fitness-Studio) genannt.

Und die Oma? Die fand ruck zuck heraus,
die Maja bringt nicht immer nur Freud’ ins Haus.
Putzen, Putzen war fortan geboten,
hat’ die Majana doch oft Dreck im Fell und an den Pfoten!

Dennoch hat auch Oma unverdrossen,
die „Lady“ in ihr Herz geschlossen.
Ein sanfter Pfotenschlag und ein Blick in ihre treuen Augen zugleich,
da war die Oma sofort „butterweich“.
Sie schlief in einem orthopädischen Bettchen zur Nacht,
der Opa hat ihr immer eine leckere „Hundesuppe“ gemacht,
denn Hundetrockenfutter war nicht so ihr „Ding“,
da waren einfach nicht genügend „Leckerlis“ drin.

Majana, Du warst unser Sonnenschein,
Du, Du warst ein Wesen, liebevoll und fein,
Du hast uns im Leben
oft den nötigen Halt gegeben.

Aber nun, wir können es einfach nicht fassen,
bist Du über die Regenbogenbrücke, hast uns verlassen,
erhältst nun für Deine Verdienste auf Erden Gottes Lohn
und ziehst ein in eine neue Dimension.

Wir, wir alle vermissen Dich
ganz, ganz fürchterlich!
Doch wir, wir vergessen Dich nie,
noch nicht einmal Töchterchen und Enkelchen Leonie.

Und, … wo immer Du jetzt auch bist,
sei gewiss …
Du, Du wirst hier so sehr vermisst!

Ja, manche Persönlichkeiten sind einfach nicht wegzudenken aus unseren Leben, Majana gehörte dazu, auch für uns, die wir, da Majana Pflegehund war, immer unterrichtet waren, wie es Majana geht. Unser ganz herzlicher Dank geht an die Familien N. und G. für die Liebe und Fürsorge, die Sie Majana gegeben haben. Die Lücke, die Majana hinterlassen hat, ist spürbar.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde


Wie sehr wünschte ich dich wieder hierher,
aber allein schon dass du mir so fehlst,
lässt mich mit dir verbunden sein,
jetzt und für immer:
Es ist nie ganz vorbei.

(Jochen Jülicher)

Aiko

Aiko
* 10.10.2009
14.03.2021

Aiko war kein einfacher Hund – und er war ein Herzenshund und ein Traumhund. Aiko hatte, wie man so sagt, „Charakter“; Aikos Respekt musste Mensch sich verdienen, und nur wenn Aiko Respekt vor einem Menschen hatte, konnte Mensch mit Aiko umgehen. Wobei mit Respekt beileibe nicht Angst gemeint ist, Angst vor der Macht des Menschen, sondern die Wertschätzung eines Menschen, weil dieser sich Aiko gegenüber fair und berechenbar verhielt. Der erste Vermittlungsversuch scheiterte genau daran – Aiko hatte keinen Respekt vor seinen Pflegemenschen, er hatte sie getestet, sie hatten in Aikos Augen „falsch“ reagiert und damit Aikos Respekt verloren – für immer. Aiko war konsequent. Danach wussten wir, dass es ganz besondere Menschen brauchte für Aiko. Aikos großes Glück: Es gibt diese Menschen, und sie sahen in Aiko das, was er war: einen Traumhund. Im Sommer 2015 war der erste Vermittlungsversuch gescheitert, Aiko war zurück in der Station, im Frühjahr 2016 waren Aikos neue Menschen nach dem Verlust ihres „Polarbären Arcas“ wieder offen für einen Nordischen – und nahmen die Herausforderung Aiko gerne, unvoreingenommen und unwiderruflich an. Auch diese Menschen testete Aiko – wie konnte es anders sein – aber diese Menschen machten Aiko klar: „Wir haben uns für Dich entschieden, wir behandeln Dich fair, und wir drei gehören zusammen, egal, was passiert.“ Und Aiko verstand, sein Vertrauen in und seine Liebe zu diesen Menschen wuchs von Tag zu Tag. Gemeinsam kämpften sie um dieses Leben, vor allem, als im Frühjahr 2020 ein bösartiger Nervenscheiden-Tumor diagnostiziert wurde. Alle Untersuchungen nach der OP und Aikos Genesung deuteten darauf hin, dass man diesen Alptraum in den Griff bekommen hatte. Jetzt verstarb Aiko ganz plötzlich, ohne „Vorwarnung“.

Aiko, wir sind so traurig und erschüttert, denn du hast uns fast von einem Moment auf den anderen verlassen – ohne die leiseste Vorwarnung. Eigentlich genauso kurzfristig wie du gekommen bist - bis zum Abend vor unserer Reise auf die Alb sollte es ein anderer Polarhund werden, aber dein Profil schien besser zu uns zu passen, und wir nahmen die Herausforderung an. Es folgte eine scheinbar schnelle Eingewöhnung, die dann aber auch schon mal schmerzhaft holperte. Wir haben wirklich alles getan und ausprobiert, um dich einen gesunden, zufriedenen und glücklichen Husky werden zu lassen. Wir haben gemeinsam aneinander gelernt, und wir hatten überwiegend Erfolg mit unseren Strategien.
Wir haben viel respektiert von deinem Verhalten – was teilweise deinem Stolz, viel mehr aber dei-nen schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit – geschuldet war. Die Tendenz ging mit kleinen Abweichungen stetig nach oben. Die letzten zwei Jahre wurde es sogar fast ruhig und von deiner Seite mehr und mehr vertrauensvoll. Du zeigtest dich als so guter und verlässlicher Kamerad. Und auch als sehr sozialer und freundlicher Hund, als wir mehr als kurzfristig eine dir nur oberflächlich bekannte Hundedame aufnehmen mussten von einer Nachbarin, die als Notfall vom Krankenwagen abgeholt wurde. Du hast Haus, Garten und Liegeplatz im Auto gütig mit ihr geteilt, und es gab nicht den Hauch eines Problems in den mehr als sechs Wochen.

Letztes Jahr im Frühling bist du dem Sensenmann von der Schippe gesprungen, als ein schnell wachsender, bösartiger Tumor an deinem Hinterlauf festgestellt wurde. Wir schlossen eine Amputation in deinem Alter aus, und eine Beinerhaltende Operation schenkte dir nicht nur Zeit, sondern war auch noch mehr als erfolgreich, was der Gewebstest des entnommen Tumors „im Gesunden“ bestätigte. „Noch mal davongekommen!“ dachten wir, als du mit „Segen“ einer Physiotherapeutin schon Wochen später wieder komplett normal am Rad laufen wolltest, konntest und auch durftest.

Vor ein paar Monaten dachten wir, du solltest wieder eine kleine Kameradin haben. Diese kam am 06. März diesen Jahres direkt aus Rumänien zu uns, und es wurde der „best case“. Unsere etwas scheue Ella liebte dich fast sofort abgöttisch, und du hast es sichtlich genossen, das Mädel an deiner Seite zu haben. Die nächsten guten Jahre schienen am Horizont zu erscheinen.

Acht Tage später gingen wir mit unserer Gassifreundin vormittags im Wald spazieren und nach einem kleinen Futter hast du danach wie gewöhnlich deinen geliebten Stammplatz auf dem Abstreifer vor der Haustür - schön erhöht mit gutem Überblick und windgeschützt – eingenommen. Irgendwann hatte dein Herrle die Eingebung, nach dir zu schauen, und fand dich zusammengebrochen, apathisch im Garten liegend. Vollkommen ohne Gegenwehr duften wir dein Zahnfleisch kontrollieren und dich auf eine Decke rollen zum Transport ins Auto und dorthin tragen. Unter normalen Umständen wäre das alles kampflos niemals möglich gewesen. In der nahegelegenen Tierklinik wurdest du sofort notfallmäßig behandelt mit Infusion, wurdest geröntgt und ein Ultraschall gemacht. Festgestellt wurden mehrere Tumore auf einer stark vergrößerten Leber und auffällige Leberwerte beim Bluttest. Bei der Sonographie erlagst du urplötzlich einem Herz-Kreislauf-Schock. Wir sind so fassungslos, da dir in all den vergangenen Monaten nichts anzumerken war. Keine Schmerzen, keine Schwäche, du warst wie immer und hast sogar wieder zugenommen.

Unser einziger Trost ist, dass du keine Schmerzen und kein Siechtum erleiden musstest und bis zum Schluss glücklich und zufrieden warst. Unsere Liebe begleitet dich für immer. Wir vermissen dich so sehr.

Liebe Familie M.-R., auch wir waren bestürzt und tieftraurig, als wir Ihre Zeilen gelesen haben. Aiko war ein sehr besonderer Hund, auch für uns ein „Herzenshund“. Unser tiefer Dank gilt Ihnen – Aiko hatte ein wundervolles Leben bei Ihnen, er hatte in Ihnen Menschen, denen er vertrauen konnte und durfte. Ein schönes Gefühl, für ihn, für Sie, für uns. Danke, dass Sie Aiko ermöglicht haben, ein glücklicher Hund zu werden. Wir wünschen Ihnen viel Kraft, das Geschehene zu verar-beiten.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde


Unsere unsagbaren Schmerzen und Trauer will ich nicht näher beschreiben,
es tut nur sehr weh.

(Amais Herrchen)

Amai

Amai
* 09.01.2007
26.02.2021

Ein glückliches Leben ging zu Ende. Fast genau 11 Jahre durfte Amai in IHRER Familie leben. Im März 2010 hatten ihre Familie und sie zueinander gefunden. Davor war Amai in Draußenhaltung innerhalb eines Rudelverbands gehalten worden, wenige Tage vor ihrer Aufnahme in unserer ehemaligen Station in Horb im Schwarzwald war sie bei einer Auseinandersetzung innerhalb dieses Rudels ernsthaft verletzt worden. Dass Amai aufgrund ihrer bisherigen Haltung kaum „Lebenserfahrung“ hatte, störte IHRE Menschen nicht. Sie waren nicht nur langjährige Hundebesitzer, sondern hatten auch in einem kinderreichen Haushalt genügend Erfahrung mit unerfahrenen „Kindern“ gesammelt – was für manch andere eine Katastrophe gewesen wäre, wurde lächelnd zur Kenntnis genommen. Aber Amai benahm sich von Anfang an im Haus auch so, als ob sie schon immer „Haushund“ gewesen wäre. Bis ungefähr ein halbes Jahr vor ihrem Gang über die Regenbogenbrücke war Amai nie krank gewesen, dann verließen sie nach und nach die Kräfte. Mit gut 14 Jahren begleiteten sie IHRE Menschen zur Regenbogenbrücke, tief traurig, aber auch sehr dankbar blicken sie zurück:

Liebes Nothilfe-Team,

im März 2010 haben meine Frau und ich die beiden Huskys Amai und ihre Schwester Ayuna für einen Besuch vormerken lassen. Dann, an dem ersehnten Donnerstag, sind wir mit Frau Wein (NfP) und Amai etwas um die alte Station in Horb spaziert. Dabei wurde uns schon klar, eine Auswahl zwischen Amai und Ayuna sollte es nicht geben, wir hatten uns den leichteren Weg gesucht und uns sofort für Amai entschieden. Leider wissen wir nun nicht, wie es Ayuna weiter ergangen ist.

Nach der anfänglichen Ablehnung uns gegenüber, wie auf den Bildern der Seite der "Glücksfelle" zu erkennen ist, legte sich diese aber immer mehr bei der langen Heimfahrt. Amai nahm sofort den vorbereiteten Platz im Wohnmobil ein und blieb dort ganz entspannt liegen. Bei den Pausen, wo ich Amai auf ruhigen Wegen ausführte, lief sie ebenfalls entspannt an der Leine und sprang dann wieder in ihr Wohnmobil zurück.

Zuhause angekommen wurde erst die Wohnung ausgiebig inspiziert und dabei vor lauter Aufregung ein kleines Häufchen hinterlassen. Das war aber auch das einzige Mal. Anschließend erkundete Amai ausgiebig das stabil eingezäunte Grundstück. Die Nacht verbrachte sie in ihrem großen Hundekorb. Später auch im Schlafzimmer neben unseren Betten oder im Wohnzimmer auf dem Teppich. Die heißen Sommertage konnte die Arme überhaupt nicht vertragen, deshalb haben wir ihr in einem Zimmer im Souterrain eine große Matratze gelegt, diese wurde mit Freude angenommen. In diesem kühlen Zimmer lag sie seitdem überwiegend nur noch.

Dann begann unser gemeinsames Leben mit Amai. Drei Mal am Tag wurden ausgedehnte Spaziergänge durch Feld, Wald und Wiese unternommen, einmal länger, einmal kürzer. Meistens konnte Amai bestimmen, welcher Weg genommen wurde. Um ihr Abwechslung zu bieten, wurde mit dem Pkw auch in anderen Gebieten nach Wegen gesucht. Bei den häufigen Wohnmobilfahrten war sie wirklich glücklich, und ihr Lieblingsplatz war dann unter dem Wohnmobil, die Nacht verbrachte sie natürlich drinnen.

Mit ihrer ruhigen und gelassenen Art konnten wir jedes Café und jede Gaststätte besuchen, man konnte sie überallhin mitnehmen. Auch in die Stadt, dort musste man nur auf die Tauben aufpassen und Amai zurückhalten. Am Meer war sie so ausgelassen und kaum zu halten, aber leider konnte man ihr nicht die Freiheit geben und von der Leine lassen, wie es bei vielen anderen Hunden der Fall war.

Bei Spaziergängen zuhause haben wir Amai an übersichtlichen Stellen schon mal kurz abgeleint, damit sie ungestört nach Mäusen springen oder sich im Schnee wälzen konnte. Bei einer dieser Gelegenheiten hat sie in einem tief verschneiten Winter ihrem "inneren Wolf" freien Lauf gelassen. Sie hatte eine Fährte gefunden und raste über die Wiese in den nahen Wald, Rufen war sinnlos. Mit meiner Tochter verfolgte ich die frische Spur im Schnee. Sie führte durch Schluchten und unter umgefallenen Bäumen immer tiefer in den Wald, sie führte kreuz und quer. Wir hatten Angst, Amai hätte sich mit ihrem Geschirr im Geäst und Gestrüpp verfangen können. Dann nach gut drei Stunden kam von meiner Frau der Anruf auf mein Handy, sie würde sehen, dass Amai müde und abgekämpft auf dem Waldweg nach Hause zurückkommen würde. Wir waren froh, und Amai schlief stundenlang.

Das Füttern von Amai mit verschiedenen Sorten an Trocken- oder Nassfutter zog sich über den ganzen Tag, bis der Napf leer wurde. Deshalb versuchte meine Frau, mit Rinderherz und Reis ihr etwas Besseres zu kochen. Danach war das alte Futter abgemeldet, und meine Frau kochte seitdem abwechselnd Rinderherz, Rinderhackfleisch, Rinderleber oder Hähnchenbrust mit Wildreis, Kartoffeln oder Nudeln.

Amai war unsere dritte "Weiße". Lucy, eine weiße Schäferhündin aus dem Tierheim Troisdorf, hatten wir 8 Jahre und 4 Monate, bis sie von uns ging. Rea, ebenfalls eine weiße Schäferhündin, aus dem Tierheim Olbia auf Sardinien, wurde durch den Tierschutz "RespecTiere e. V." von Sardinien nach dem Flughafen Köln/Bonn eingeflogen. Sie war nur 4 Jahre und 2 Monate bei uns.

Im Gegensatz zu Amai konnten Lucy und Rea ihre Freude und Zuneigung durch Anspringen und Schwanzwedeln zeigen. Das nordische Blut in Amai und ihre ruhige und zurückhaltende Art ließen das anscheinend nicht zu. Dafür zeigte Amai ihre Zuneigung durch ihre Augen und ihren lieben Gesichtsausdruck. Nach ausgiebigem Streicheln und Kraulen war ich froh, schon mal über die Hand geleckt zu werden. Diese Art haben wir aber in den 11 Jahren unsagbar lieben und schätzen gelernt.

Amai war nie ernsthaft krank, außer den jährlichen Impfungen und einigen Zahnreinigungen hat sie keine Tierarztpraxis gesehen. Davon war sie sowieso nicht begeistert. Bis vor einem halben Jahr stellte ich Probleme mit ihren Hinterbeinen oder Hüften fest. Der Tierarzt verschrieb ihr Meloxidyl 1,5. Danach, weil sie mit dieser Arznei den Napf nicht immer leeren wollte, mischten wir ihr Grünlippmuschelkonzentrat 500mg oder Bio-Teufelskralle-Pulver unter das Futter. Aber die Beschwerden wurden trotzdem immer schlimmer. Amai schleifte jetzt immer mehr mit ihren Hinterbeinen.

Ihre Matratze mussten wir schon längst aus dem Souterrain-Zimmer nach oben holen, weil Amai keine Treppen mehr steigen konnte. Der Tierarzt sprach dann von Röntgen und eventueller OP, wobei er für einen Erfolg nicht garantieren könne. Nach längeren Überlegungen und unter Berücksichtigung des hohen Alters von Amai lehnten wir das aber ab und ließen uns das Schmerzmittel Rimadyl 100 mg Kautabletten für Amai verschreiben. Ein weiterer Grund für diese Entscheidung war das Ableben von Rea. Da hatten wir einem anderen Tierarzt, den wir immer mit Rea aufgesucht hatten, vertraut. Wir hatten ihn besucht, um Rea einschläfern zu lassen. Er überredete uns aber, den Hund zur Beobachtung und zu weiteren Untersuchungen bei ihm zu lassen. Schon nach einer knappen Stunde rief er uns an, der Hund würde krampfen, und wir konnten dann unsere tote Rea abholen, ohne sie begleitet zu haben. Lucy ist zum Beispiel ruhig mit dem Kopf in meinen Händen eingeschläfert worden.

Ich konnte schon lange mit Amai abgeleint gehen, ihre Ausgänge wurden kürzer bis sehr kurz. Sie konnte selbst entscheiden, wann es genug war, sie sah mich fragend an und drehte dann einfach um und ging nach Hause. Nach einiger Zeit bekam Amai zusätzlich Probleme mit ihren Vorderbeinen. Sie machte damit so kurze Trippelschritte, das wurde dann so schlimm, dass sie nach zwei bis drei Schritten eine Pause machen musste.

Nun wurde es für uns höchste Zeit für eine endgültige Entscheidung. Am Freitag, den 26.02.2021, kamen wir im Hinblick auf das lange Wochenende für uns zögernd und widerwillig, für Amai hoffentlich befreiend, zu dem Entschluss, unseren Tierarzt zum letzten Mal anzurufen. Amai schlief ruhig, den Kopf in meinen Händen ein. Am nächsten Tag fand sie ihre letzte Ruhestätte auf ihrer Liegematte mit einem kleinen Kopfkissen unter ihrem Kopf und mit einer zweiten Liegematte zugedeckt neben Lucy und Rea auf unserem Grundstück. Amai wurde am 09.01.2007 geboren, sie wurde gut 14 Jahre alt, und davon lebte sie 11 Jahre mit uns zusammen.

Unsere unsagbaren Schmerzen und Trauer will ich nicht näher beschreiben, es tut nur sehr weh.

Wir möchten uns nun bei Ihnen für die Vermittlung eines so tollen, liebevollen und treuen Familienmitglieds bedanken, welches uns 11 Jahre begleitet hat und uns sehr glücklich gemacht hat. Amai war immer bei uns und wir immer bei Amai, sie fehlt uns jetzt überall, und wir vermissen sie sehr.

Nun möchten wir das Gedenken an Amai auf den Internetseiten verewigt wissen, wo wir sie im März 2010 glücklicherweise gefunden haben, wenn es auch die traurigste Seite ist. Sollte es möglich sein Amai, Rea und Lucy auf der Wiese in der anderen Welt wieder zu sehen, wären wir sehr glücklich.

Mit freundlichen Grüßen

H. und M. R.

Nicht Sie, liebe Familie M., sollten sich bedanken – sondern wir! 11 glückliche Jahre, und aus jeder Zeile Ihres Nachrufs ist Ihre Liebe zu Amai zu spüren – was kann es Schöneres für einen Hund geben? Und für diejenigen, die diesen Hund vermittelt haben! Auch wenn, aufgrund der langen Zeit seit Amais Vermittlung, kaum jemand aus dem heutigen Team Amai persönlich gekannt hat, trauern wir mit Ihnen. Sie haben ein geliebtes Familienmitglied verloren, und wir alle können aus eigener Erfahrung so einen großen Verlust mitspüren. Wir wünschen Ihnen viel Kraft bei der Verarbeitung dieses Verlustes!

Das Team der Nothilfe für Polarhunde


Wer den Tag mit einem Lachen beginnt, hat ihn bereits gewonnen.
(Cicero)

Hank

Hank
* ca. 10.2006
, † 12.03.2021

Hank war ein lachender Hund. Er begann sein neues Leben als Ureinwohner und einer der 11 Trennungswaisen mit der Inbetriebnahme der Auffangstation auf dem Hasleberg. Natürlich war er Mitglied der ‚Partygruppe‘ um Digger. Er schlug Saltos, wenn es zu Fressen gab und alle liebten ihn, aber keiner nahm ihn in den ersten 5 Monaten mit nach Hause. Als unsere Hexe verstorben war, fragte ich ihn bei unserem anschließenden Arbeitsurlaub auf der Station, ob er mich denn riechen könne und mit uns nach Hause kommen wolle. Er schleckte mir das ganze Gesicht ab. Naja, er wäre wohl mit vielen Menschen gegangen. Deshalb war ich sehr glücklich, dass das Schicksal uns drei im August 2014 zusammengeführt hat.

Hank war ein außergewöhnlicher Hund. Immer gut drauf, bescheiden und glücklich über jede Zuwendung. Er liebte das Leben bei uns, ganz besonders seine Hütte, das abendliche Kontaktliegen auf dem Wohnzimmerteppich und die selbstgebackenen Kekse. Kam ich abgespannt von der Arbeit nach Hause, lachte er mich an, als wollte er sagen: Zieh Dich schnell um, wir gehen zusammen aufs Feld und machen Party! Lange Zeit war er ‚pumperlgsund‘ und wir sahen unseren Tierarzt nur zu den Impfterminen. Aufkommender Arthrose und Spondylose konnten wir später mit Futterzusätzen und Schmerzmitteln begegnen.

Obwohl Hank bekennender Einzelhund war, nahm er die Notfelle Lupa und später Helga auf. Lupa war leider nicht lange bei uns. Helga respektierte - obwohl es ihr schwer fiel - immer seine Stellung in der Familie. Und als es ihm schlechter ging, krabbelte die ansonsten etwas grobe Hündin abends zu ihm auf sein Bett um ihn zu wärmen. Das hielt er allerdings nie lange aus und wechselte das Bett.

Seit meiner beruflichen Freistellung waren wir rund um die Uhr zusammen, das gefiel ihm gut. Als er letzten Sommer Anaplasmen bekam, bemerkten wir es zum Glück sehr schnell. Aber es hat ihn sehr geschwächt. Unsere Runden wurden kürzer, obwohl sie noch genauso lange dauerten. Es war Hank extrem wichtig, dass wir alle zusammen mit ihm zum Gassi ‚wackelten‘. Kaum hatte er sich erholt, fing er sich Fuchsräude ein. Er verlor seine Unterwolle und bekam einen Mantel, damit er nicht friert. Sein Lachen hat er auch verloren. Aber Fressen und Schnüffeln auf den gemeinsamen Runden waren immer noch seine tägliche Freude. Wir bauten Muskeln ab und froren manchmal während der Spaziergänge, aber hielten für ihn durch. Wenn er mal wieder komatös schlief, schlichen wir uns auf eine Extrarunde davon. Bekam er es mit, strafte er uns mit seinen ‚Verräter-Blicken‘. Es lag jetzt bei uns, Hank täglich ein Lachen zu schenken!

Am 12.03.2021 um 20:00 Uhr sagte er mir dann: hör auf zu kämpfen und hilf mir lieber, ich habe keine Kraft mehr. Ich griff zum Telefon und wir erfüllten ihm seinen letzten Wunsch.

Danke Hank, dass Du so lange und treu an unserer Seite warst! Du warst ein toller Freund und hast uns so viel gegeben. Mach‘s gut!

Deine Christiane, Uwe und Helga


Mehr als ein Traum wurde wahr.
(aus Santanas Glücklich-Text, September 2012)

Santana

Santana
* 17.02.2005
27.01.2021

Im Sommer 2012 hatten wir Santana, damals sieben Jahre alt, in der Vermittlung. Sie musste bis zu einem bestimmten Datum aus ihrer Familie ausgezogen sein, weil sich Herrchen und Frauchen trennten – und wir hatten damals keine Station, in der wir Santana hätten auffangen können. Zum Glück aber gab es zwei Menschen, die Santana auffingen - völlig unvoreingenommen, ohne Santana vorher kennen gelernt zu haben, fuhren sie 900 km, um Santana als neues Familienmitglied mit nach Hause zu nehmen. Santana und ihre Menschen wurden binnen kurzem zu einem Dream-Team. Es folgten schöne, unvergessliche Jahre – bis zum Rückenmarks-Infarkt im Januar 2018. Die folgenden Monate waren an Dramatik wohl kaum zu überbieten, Santana hatte spätestens jetzt den Beinamen „große alte Kämpferin“, aber auch ihre Menschen hätten den Beinamen „Kämpfer“ verdient. Und unsere Überschrift vom Glücklich-Text passte noch einmal: Die Kämpfer gewannen! Santana stand nicht nur wieder auf den Pfoten, sondern konnte auch wieder laufen: Zehn Kilometer – sieben Monate nach der Diagnose. 2 ½ gemeinsame schöne Jahre waren Santana und ihrer Familie noch vergönnt, im Januar 2021 verließen die „große alte Kämpferin“ aber endgültig ihre Kräfte. Ihre Menschen akzeptierten, und Santana durfte in ihrem Bettchen in den Armen ihrer Menschen die letzte Reise antreten. Mit einem Brief an ihren „Papa“ und ihre „Mama“ verabschiedet sich Santana aus dieser Welt:

Liebes Nothilfe-Team, liebe Freunde der Nordischen,

ich bin es ... Santana - Ihr kennt mich daher:<klick>

Ich möchte mich mit einem Brief an meine geliebten Menschen verabschieden:

Lieber Papa, liebe Mama ... meine geliebten Menschen,

mein Name ist Santana, doch auch oft habt Ihr andere Namen benutzt. Besonders gefallen haben mir Fräulein Buddelflink, Maus, Herzliebchen und ... Kämpferin.

Ja, die große alte Kämpferin – so haben mich alle zum Schluss genannt, und das hat mich auch etwas stolz gemacht. Denn ich habe darum gekämpft, bei Euch bleiben zu dürfen, auch wenn die Ärzte bereits aufgegeben hatten. Ha! Denen hab ich es gezeigt. Aber der Reihe nach:

Ich hatte ein wunderschönes Leben, und ich kann zu Recht behaupten, dass ich geliebt wurde. Meine Menschen und ich waren Eins. Nie wurde ich alleine zurückgelassen, durfte immer dabei sein, egal ob bei der Arbeit oder im Urlaub in kleinen und großen Häusern. Ich durfte über verschneite Meeresstrände rennen oder in kühlen Wäldern der Sommersonne entfliehen. Egal, ob in Deutschland, Frankreich oder Dänemark. Nur nach Estland durfte ich nicht mit, aber da hat Papas Bruder auf mich aufgepasst.

Ich war der Star auf Wolfsseminaren oder auch ein Hochzeitshund, als Papa und Mama endlich heirateten. Obwohl mir das auf dem Boot etwas unheimlich war, weil es so wackelte. Da bin ich nur auf dem Bauch gekrochen ... sicher ist sicher.

Dann zogen wir irgendwann um, und statt eines kleinen Gartens hatte ich auf einmal ein eigenes Wäldchen und 20.000 qm Grundstück. Wir hatten Rehe im Wald, Eichhörnchen in den Bäumen, und im kleinen zerfallenen Haus am Waldrand wohnte eine Waschbärenfamilie. Mein bester Freund war jedoch ein Fuchs.

Am Anfang schauten wir uns noch aus gehöriger Distanz nur an, aber im Laufe der Zeit wurden wir immer vertrauter, bis wir zusammen aus einem Napf tranken und die Hundeleckerlis teilten. Auch als die Babys kamen, durften sie natürlich in meinem Garten spielen. Teilweise hatten wir dann sechs Füchse zu Besuch, und ich lag friedlich unter meinem Lieblingsbaum und schaute ihnen zu. Das war eine schöne Zeit ... vielleicht die schönste Zeit in meinem Leben.

So flossen die Jahre dahin, bis zu diesem einen fürchterlichen Tag im Januar 2018. Mein Rücken tat mir schon seit einigen Tagen weh, und meine Beine fühlten sich so weit entfernt an. Papa und Mama waren sehr, sehr lieb zu mir, doch es wurde immer schlimmer, bis ich nicht mehr aufstehen konnte. Meine Eltern fuhren mit mir in die Tierklinik, und ich wurde einen ganzen Tag lang untersucht. Das Resultat: ich hatte einen Rückenmarks-Infarkt erlitten und war vom Hals abwärts gelähmt. Ich konnte nur noch den Kopf bewegen, sowie fressen und trinken - alles andere ging nicht mehr oder entzog sich meiner Kontrolle. Mein Papa und meine Mama bauten die Bibliothek zu meinem Krankenzimmer um, und dann bekam ich ganz viele Medikamente, aber es half nichts. Nach drei Wochen meinte der Arzt, es hätte keinen Sinn mehr und man sollte mir weiteres Leid ersparen, da ich nie wieder laufen könnte.

Doch der Kerl kannte weder meinen Papa noch meine Mama ... und vor allem nicht mich! Meine Zeit als "die große Kämpferin" begann.

Meine Eltern wollten mich nicht gehen lassen, bevor alle Möglichkeiten ausprobiert wären. Und so landete ich bei Vroni, Domi, Melli und Anja von der Physiotherapie in einem Nachbarort. Dort bekam ich zwei Mal wöchentlich Massagen und Training, und langsam, ganz, ganz langsam, kam das Leben in meine Beinchen zurück. Ich erinnere mich noch gut, als ich da lag und durchgeknetet wurde. Plötzlich spürte ich etwas, wie ein Kitzeln in der linken Pfote, und ich zuckte ... meine erste Bewegung nach drei Monaten. Alle feierten mich, und wir strengten uns noch mehr an.

Langsam konnte ich mich wieder aufrecht halten, dann die Seiten wechseln, dann mich robbend etwas bewegen. Und dann - im Mai 2018 - es war ein warmer Frühlingstag - lag ich im Garten, und plötzlich dachte ich „das schaffst du“. Ich strengte mich ganz doll an, und plötzlich stand ich auf meinen vier Pfoten. Ein Schritt, zwei Schritte, drei Schritte ... ich konnte nach fünf Monaten wieder laufen. Alle waren total begeistert, und als Belohnung durfte ich zu meinem geliebten Meer nach Warnemünde fahren.

Zwei Monate nach den ersten Schritten legte ich eine 10-Kilometer-Tour hin - das Leben hatte mich wieder. Ich hab es euch allen gezeigt!

Und somit waren mir noch 2 ½ Jahre geschenkt - immerhin war ich fast 13, als ich den Infarkt erlitt. Meine Haare wurden grauer, meine Schritte langsamer, die Touren immer kürzer, bis mir irgendwann mein Garten reichte. Ich liebte es, in der Sonne zu liegen, unter meinem Baum. Der Fuchs kam vorbei, und ich beobachtete die Vögel. Es war ein schönes, langsames, leises Leben - aber die Zeit und das Alter machte es mir immer schwerer. Aber das machte ich mit mir selber aus. Wenn mich etwas ausmachte, dann war es meine Selbstständigkeit, und ich wollte auch selbstbestimmt entscheiden, wann es Zeit ist zu ... ja zu was?

Die alten Hunde erzählen sich Geschichten über die Regenbogenbrücke, aber ich konnte doch Papa und Mama nicht alleine lassen. Aber es fiel mir immer schwerer. Also machte ich etwas, das ich noch nie gemacht hatte: Nachdem es mir plötzlich schlechter ging und ich fürchterliches Bauchgrummeln hatte, schmiegte ich mich zum ersten Mal richtig eng an meine Mama ...."Mama, bitte hilf mir!"

Und sie haben mir geholfen. Es war der einzig schöne Tag im Januar, die Sonne schien, keine Wolke am Himmel. Papa meinte, dass Pinto die Wolken weggeblasen hat, so dass ich den Weg in den Himmel finden konnte. Ich war noch mal im Garten, und ich genoss die Sonne ... dann war es Zeit.

Meine Mama trug mich rein und legte mich auf mein Hundebett, mein Papa nahm meinen Kopf in die Hand und sang leise ein Schlaflied, Mama streichelte mich. Den Pieks spürte ich kaum, und mein Kopf wurde schwerer und schwerer ... und dann war ich frei.

Nun stehe ich hier am Rande der Regenbogenbrücke und blicke zum letzten Mal zurück. Seid nicht traurig. Ich hatte ein wunderschönes Leben, und ich wurde geliebt - was erwartet man mehr als Hund, der aus der Nothilfe kam. Ich warte links auf der Wiese, und ich freue mich auf Pinto, das war der, nach dem das Auto so gut gerochen hatte, als Papa und Mama mich abgeholt haben.

Ich liebe Euch

Eure
Santana

Liebe Santana, mach’s gut, „große alte Kämpferin“, Du warst eine ganz besondere Hündin! Liebe Familie H., nicht mehr auf dieser Welt, aber für immer in Ihren und auch unseren Herzen, das ist Santana und wird es bleiben. Wir können uns gut vorstellen, welch große Lücke Santana hinterlassen hat – Santana war so besonders, Ihre Verbindung und Liebe waren so besonders, Ihre gemeinsamen Erlebnisse waren so besonders. Die Liebe und die Erinnerungen werden bleiben, wir wünschen Ihnen, dass Ihnen das die Kraft gibt, über den Verlust hinwegzukommen.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde   


Niemals wirst Du ganz gehen.
(Autor unbekannt)

Chrissy

Chrissy
* 06.04.2007
23.11.2020

Chrissy kam als ganz junges Husky-Mädel nach Horb in unsere ehemalige Auffangstation, und eben weil sie so jung war, hatte sie viele Interessenten. Aber es wollte nicht so richtig passen - Chrissy konnte damals schon die „kleine Zicke“ raushängen. So zog sich Chrissys Vermittlung hin, bis Mitte Dezember 2007 endlich die richtigen Menschen kamen: Ruhig und gelassen nahmen sie die junge Dame einfach so, wie sie eben war, und vor allem: auch „Ersthund“ Maja reagierte entspannt auf Chrissys Versuche, sie, die Ältere, dominieren zu wollen. Dreizehn Jahre durften Zweibeiner, Chrissy und Maja mit einander verbringen. Am 23. November 2020 ging Chrissy nach nur wenigen Stunden, in denen es ihr schlecht gegangen war, in ihrem Körbchen über die Regenbogenbrücke. Sie wird von allen sehr vermisst.

Liebes Team der Polarhunde,

wir haben Mitte Dezember 2007 unsere Chrissy bei ihnen in Freudenstadt abgeholt. Wir hatten unsere Siberian-Husky-Hündin Maja mitgenommen. Die beiden verstanden sich, obwohl Chrissy trotz ihres jungen Alters schon dominant war. Wir hatten sie erst als Pflegehund, ab Januar 2008 als unser neues Familienmitglied. Chrissy kam ursprünglich über Aktion Tier aus Teneriffa nach Deutschland.

Am Anfang hatten Chrissy und Maja die eine oder andere Diskussion, aber Maja blieb immer sehr entspannt. Auch war Chrissy eine kleine Ausbrecherkönigin, und wir mussten immer wieder unseren Garten besser sichern. Sie kannte alle Kaninchenställe in unserem Wohngebiet, denn da war sie dann zu finden. Ist aber immer gut gegangen.

Im Alter wurde Chrissy auch ruhiger. Sie hatte zwei Mal epileptische Anfälle und bekam Tabletten dagegen. Auch hatte sie zum Schluss Arthrose, aber das hinderte sie nicht daran, beim Spazierengehen zu ziehen.

Sie war schon eine kleine Zicke bis zum Schluss, aber wir haben sie sehr geliebt. Am 22. November 2020 war alles ganz normal. Am späten Abend verhielt sie sich auf einmal sehr merkwürdig, sie zitterte, hatte hohes Fieber, und sie war nicht mehr ganz klar. Wir sind noch nachts in die Tierklinik, sie bekam Entzündungshemmer und Antibiotika. Am anderen Morgen ist sie Zuhause in ihren Körbchen gestorben. Wir wissen nicht genau, woran sie gestorben ist. Es muss etwas Neurologisches gewesen sein.

Es tröstet uns, dass sie zuhause in ihrem Körbchen gestorben ist und wohl keine Schmerzen hatte.

Wir sind unsagbar traurig, und es ist schwierig, damit zu leben, dass unsere Principessa nicht mehr da ist. Unsere Maja (sie ist mittlerweile über 14 Jahre) und unser Happy (Zypernpudel circa 11 Jahre) vermissen sie sehr.

Wir sind alle sehr traurig.

K., F., Maja und Happy

Liebe Familie D., die meisten des heutigen Teams der Nothilfe für Polarhunde kennen Chrissy nicht persönlich, aber Ihrem Bericht nach hat Chrissy auf Sie gewartet und Sie auf Chrissy. Es tut uns sehr leid, dass Chrissy nun nicht mehr bei Ihnen sein kann, und wir sind so dankbar, dass sie ein schönes, langes Leben bei Ihnen haben durfte. Leider kommt im Laufe einer jeden Mensch-Tier-Beziehung irgendwann der Zeitpunkt, an dem man sich von seinem geliebten Vierbeiner verabschieden muss. Ein Weg, der keinesfalls einfach ist und erst einmal bewältigt werden muss. Wir wünschen Ihnen viel Kraft für die Verarbeitung der Trauer.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde


Als du Dich auf Deine letzte Reise begeben hast,
hast du ein Stück von mir mitgenommen. …
Trauer ist der Preis, den wir für unsere Liebe bezahlen.
(Tatonkas Frauchen)

Tatonka

Tatonka
* 01.04.2006
11.12.2020

Im Alter von zehn Jahren verlor Tatonka Anfang 2016 sein Zuhause: Sein Herrchen, ein Musher, war gestorben und hinterließ 14 Hunde. Tatonka war der älteste davon. Außer Zwinger und Hunderennen kannten alle nichts. Die Hunde wurden von den Erben auf verschiedene Tierheime verteilt, Tatonka „landete“ bei uns. Wir erkannten seinen tollen Charakter, aber als zurückhaltender, sogar scheuer Hund, der von manchen Alltagssituationen überfordert war, hatte er nicht gerade viele Nachfragen. Im Mai 2016 begann sein Glück: Eine Familie mit damals neunjährigem Sohn und junger Hündin besuchte Tatonka in der Station. Zu Kindern hatte Tatonka offenbar ein entspannteres Verhältnis als zu Erwachsenen, mit der jungen Hündin passte es auch, und so durfte Tatonka im Sommer 2016 sein Leben als Familienhund beginnen. Tatonka und seine Familie zeigen uns wieder einmal, dass auch ein „alter“ Hund sich wunderbar auf eine neue Situation einlassen kann, wenn man ihm Zeit lässt, ihn nicht bedrängt und nicht von Anfang an einen Hund erwartet, der „auf Knopfdruck“ „funktioniert“. Etwas mehr als vier Jahre durfte Tatonka sein Leben als vollwertiges Familienmitglied genießen – der Bericht, den sein Frauchen an uns schickte, um uns zu informieren, dass Tatonka über die Regenbogenbrücke gegangen ist, ist – nicht nur nach ihren eigenen Worten – „eine Liebeserklärung“.

Liebes Team der Nothilfe für Polarhunde!

Am 11.12.2020 mussten wir Tatonka, unseren großen Büffel, nach 4 ½ wunderschönen gemeinsamen Jahren in die ewigen Jagdgründe gehen lassen.

Als er im Sommer 2016 zu uns kam, brauchte er ein paar Tage, um überhaupt ins Haus zu kommen. Er hatte seine zehn Jahre bis dahin nur Zwinger gekannt. Mein Mann machte ihm ebenfalls Angst. An den Narben und seinem Verhalten war deutlich erkennbar, dass er nie ein „Alpha“ gewesen ist und es nie nur gut hatte. Trotz seiner imposanten Größe und seiner Stärke wäre Stolz nicht der richtige Ausdruck für ihn. Bescheidenheit, Sanftmut, aber auch Starrsinn und Würde passen besser.

Für uns war es wundervoll, zu sehen, wie schnell er mit Hilfe unserer Hündin Ylva selbstsicherer wurde und anfing, uns zu vertrauen. Er liebte alle Menschen, alle Hunde und das Leben. Ein großer, bescheidener und zurückgenommener Hund, der nie gelernt hat, zu erwarten oder gar zu fordern. Der aber in unserem Leben einen so großen Raum eingenommen und nun eine riesige Lücke hinterlassen hat. Er wusste, wie besonders er für uns war und hat seine Zeit bei uns genossen.

Er wurde geliebt.

Tatonka, mein Büffel,

als Du Dich auf deine letzte Reise begeben hast, hast Du ein Stück von mir mitgenommen. Aber ich bin sicher, Du bist jetzt bei unserem Rudel, bei Kali, Nora, Misha, German und Bluena. Wir alle werden uns wiedersehen, ganz bestimmt!

Bis dahin werden wir unser Versprechen an jeden einzelnen von Euch einlösen und den freien Platz immer wieder mit einer grauen Schnauze besetzen.

Trauer ist der Preis, den wir für unsere Liebe bezahlen ….

Ich schaue zum Himmel, zum Sternbild des Großen Hundes, und sehe Sirius als hellsten Stern am Winterhimmel. Sehe Dich, Euch alle, die Ihr vorausgegangen seid.

In Liebe
Deine Familie
A., A., N. & Ylva

Liebe Familie R., wie gut verstehen wir Eure Trauer, wir alle haben schon einmal einen Seelenhund gehen lassen müssen und auch gesehen, wie sehr Vierbeiner trauern können. Wir verstehen Eure Trauer auch, weil wir alle uns an Tatonka erinnern, an einen großartigen Hund, dessen Großartigkeit kaum jemand erkannt hat. Aber das ist egal – wichtig war, dass IHR es erkannt habt. Tatonka hat bei Euch die Sonnenseite des Lebens kennen lernen dürfen. Endlich, nach zehn Jahren! Zurück bleiben schöne Erinnerungen und die Liebe, die ein anfangs misstrauischer Hund Euch – zu Recht – entgegengebracht hat. Das bleibt ….

Das Team der Nothilfe für Polarhunde


Von der Erde gegangen - im Herzen geblieben.
(Autor unbekannt)

Nelly

Nelly
*11.08.2007 † 11.08.2020

Nelly und Moritz – eine der wenigen „Doppelpacks“, die wir vermitteln durften. Nicht immer ist es sinnvoll, zwei miteinander abgegebene Geschwister oder „Kumpels“ auch miteinander neu zu vermitteln, denn oft entwickeln sie sich, getrennt voneinander, weiter. Bei Nelly und Moritz war es ein Glückstreffer, dass sie gemeinsam eine Familie fanden. Wir erinnern uns noch gut an Moritz‘ Freude, als seine Nelly nach zwei Operationen aus der Klinik zurückkam. Nellys Krankengeschichte ist auch eine dieser Geschichten, die zeigt, dass wir um jedes Leben kämpfen sollten – dort, wo viele andere vielleicht schon aufgegeben hätten. Nellys Krankengeschichte schildert ihr Frauchen unten. Nelly und Moritz hatten, als Nelly genesen war, das unsagbare Glück, dass genau diese liebe Freundin der Nordischen, die immer wieder gerade ältere und kränkliche Hunde aufgenommen hatte, ihnen gemeinsam einen Platz in ihrer Familie schenken wollte. Die Abholung erinnerte an „großes Kino“ bzw. Slapstick: Das Auto rauchend und dampfend, als es in der Station einfuhr, die Diagnose „schrottreif“ – trotzdem kümmerte sich Frau S. erst einmal um ihre neuen Familienmitglieder, lernte sie kennen, und alle drei fuhren in einem Mietwagen nach Hause. Dies war im Januar 2017. Ende 2018 ging Moritz, drei Jahre älter als Nelly, über die Regenbogenbrücke. Nelly trauerte tief, verständlicherweise, denn sie kannte ein Leben ohne Moritz nicht. Aber Frau S. konnte sie auffangen, und Nelly erlebte an der Seite ihres neuen Kumpels Anoki noch einen neuen schönen Lebensabschnitt. Seit 11.08.2020 aber ist Nelly wieder an der Seite von Moritz.

Nachdem 2016 alle meine Hunde-Oldies verstorben waren, zog Nelly im Januar 2017 zusammen mit ihrem drei Jahre älteren Kumpel Moritz bei mir ein. Vorher hieß es noch Bangen und Hoffen, denn Nelly war krank, als sie in den Tierschutz kam, und man wusste nicht, ob das Gebilde in ihrer Blase ein Tumor war und überhaupt operabel …. Zum Glück war es kein Tumor, sondern ein Blasenstein, der herausoperiert werden konnte. Doch kurz nach der Entfernung - Nelly war noch in der Klinik - brach das durch den Stein geschädigte Gewebe der Blase auf, und es musste entschieden werden, ob noch mal operiert und ein Teil der Blase entfernt werden sollte, oder ob man Nelly gehen lassen sollte …. Zum Glück hat sich die Nothilfe in Absprache mit der Klinik für die zweite Operation entschieden, und Nelly hatte auch diesen Eingriff gut überstanden, als sie kurze Zeit später mit Moritz zusammen von der Schwäbischen Alb an den Niederrhein zog ….

Nelly kannte schon das Leben im Haus und hat sich vom ersten Tag an hier wohlgefühlt. Sie war ein liebes und absolut selbstbewusstes Mädel, immer freundlich und allen Hunden und Menschen gegenüber aufgeschlossen, während Moritz jedenfalls zu Anfang eher etwas scheu war – und in der „Hundebeziehung“ sowieso Nelly „die Hosen anhatte“....

Zu Anfang, als Nelly noch keine bzw. nur leichte Arthrose hatte, musste ich immer schmunzeln, wenn wir spazieren gingen, denn sie musste immer traben, um mit dem viel größeren Moritz Schritt zu halten, und dabei wippten ihre kleinen Öhrchen auf und ab und erinnerten mich immer an Rosenblätter im Wind ....

Nelly liebte es, am Rücken gekrault zu werden, und wenn man die richtige Stelle erwischte, tanzte sie einen richtigen Hula, da fehlte eigentlich nur noch das Baströckchen, sie steppte dann abwechselnd mit den Hinterbeinen auf die Erde und wackelte mit dem ganzen Hintern ….

Nelly liebte es, im Garten zu sein, und sonnte sich gerne auf den Terrassenplatten oder an einem ihrer Lieblingsplätze. Oder sie lag am Tor und beobachtete, was sich so vor dem Haus tat. Und je älter sie wurde, desto mehr wurde „kommentiert“.

In den ersten zwei Jahren mussten wir oft zum Tierarzt, um die Blase zu kontrollieren, und obwohl sie immer während des Ultraschalls nahezu starr vor Angst war, hat sie nie geschnappt oder versucht, vom Behandlungstisch zu entkommen o. Ä.. So konnten die Untersuchungen immer schnell abgewickelt werden, und zum Glück war immer alles in Ordnung.

Passend zu ihrer Fellfarbe liebte meine kleine „Frau Fuchs“ Möhren über alles; auch später, als sie schon heftig Arthrose hatte, konnte man sie mit Möhrchen-Werfen im Garten immer zum Laufen animieren …. So verbrachten wir eine schöne Zeit, Nelly und auch Moritz waren ganz tolle Hunde, haben mir immer Freude gemacht und mich zum Lachen gebracht, auch mit ihrer lustigen Art, miteinander umzugehen .... 

 Als Moritz Ende 2018 über die Regenbogenbrücke ging, hat Nelly furchtbar getrauert und jammerte, wenn ich aus dem Haus ging, sie hatte ja auch fast ihr ganzes Leben mit Moritz verbracht. Zum Glück durfte ich sie damals mit ins Büro nehmen, da musste sie zwar immer zwei Etagen Treppen steigen, aber sie hatte Ablenkung, bekam von vielen Kollegen Streicheleinheiten und von unserem Geschäftsführer immer ein Leckerli. Abgesehen von der Trauerphase war Nelly ansonsten eine absolut entspannte Hündin, selbst beim Möbeltransport für die Zweitwohnung saß sie absolut tiefenentspannt zwischen den Möbeln im Auto.

Trotzdem sollte Nelly nicht allein bleiben und nach einiger Suche zog dann der circa achtjährige Anoki aus dem Tierschutz bei uns ein. Zu Anfang hatte ich etwas Bedenken, weil Nelly sehr selbstbewusst und gern die erste war, egal ob es um Streicheleinheiten ging oder ums Fressen. Ganz zu Anfang hat es dann auch einmal „gekracht“, als beide einen Krümel (oder was auch immer) unter dem Sofa erspäht hatten … Doch das war zum Glück der einzige Vorfall und nach ein paar Wochen hatte Nelly auch wieder das Sagen in der Hundebeziehung. Wenn Anoki versuchte, etwas aus ihrem Napf zu stibitzen, knurrte sie ihn ordentlich an und hatte damit immer Erfolg. Und auch wenn es zu Anfang sicherlich schwer war für Nelly, sich an den „Grobmotoriker“ Anoki zu gewöhnen – er wollte immer mit ihr spielen, aber sie wollte das nicht, was sie ihm auch deutlich gezeigt hat –, hat er sie letztlich doch von ihrer Trauer abgelenkt. Auch wenn es zu Anfang wohl mehr der „Konkurrenzgedanke“ gewesen ist.

Im Frühjahr 2019 bekam Nelly plötzlich einen Gallenstau, es ging ihr sehr schlecht, und sie wollte gar nichts mehr fressen; so kannte ich mein Mädel gar nicht. Zum Glück konnte man alles mit Medikamenten behandeln, nur diese „in den Hund“ zu bekommen, war ein ziemlicher Akt, da blieb die sonst so kooperative Nelly stur. Medikamente? Nein danke, das Mäulchen bleibt zu …. Aber nach einigen Tagen ging es ihr wieder besser, und alles war überstanden. Nur das Cortison, was ihr gegen die Arthrose gut geholfen hatte, sollte sie mehr bekommen, da man in der Tierklinik einen kleinen Nebennierentumor entdeckt hatte. Doch sie hat zum Glück die Schmerzmittel gegen die Arthrose gut vertragen und sogar freiwillig gefuttert ....

Trotz der fortschreitenden Arthrose hatte sie immer Lebensfreude, hat mit Genuss gefressen, war aktiv und fröhlich und an allem interessiert. … Und wenn es Futter gab oder Leckerlis oder wenn sie irgendwo einen interessanten Hund erspähte, wurde sie sogar erstaunlich schnell. Und wenn ich morgens aufstand und in die Küche ging, wo die Näpfe standen, lief sie nach wie vor hinter mir her und stupste mich mit ihrer Nase in die Waden. Trotzdem machte ich mir Gedanken, wie lange das noch gutgehen würde mit der Arthrose und wie lange sie noch eigenständig würde aufstehen und laufen können und dass es irgendwann so weit sein würde, dass sie nicht mehr laufen könnte und ich dann handeln müsste ….

Aber es kam anders. Ende Juli 2020 brach sie plötzlich morgens das Futter aus, das sie abends gefressen hatte. Ansonsten ging es ihr gut, sie hatte nach wie vor einen guten Appetit, nur das Erbrechen wurde nicht besser. Ich habe es dann ein paar Tage mit Flüssignahrung und kleinen Portionen Schonkost probiert, und das blieb alles drin, aber als ich dann einmal ein paar Leckerli gefüttert hatte, kamen die wieder raus. Also zum Tierarzt, es wurde Blut abgenommen, und sie bekam etwas für den Magen. Nach ein paar Tagen wollte sie plötzlich nicht mehr fressen, die Nierenwerte waren sehr schlecht, sie war anämisch, und dann bekam sie auch noch schlimmen blutigen Durchfall, den die Tierärzte zwar behandeln konnten. Doch bei der Kontrolle hatten sich die Blutwerte weiter verschlechtert und die Tierärzte vermuteten, dass es eine Art Blutkrebs ist, bei dem sich in ganz kurzer Zeit das Blut zersetzt und es keine Rettung mehr gibt. Da aber noch Blut gebildet wurde, versuchten wir eine Bluttransfusion, und schon in der Nacht war sie dann nicht mehr so apathisch, sondern lief schon wieder im Haus herum und trank.

Es war der 11. August und ihr 13. Geburtstag. Und es war an diesem Tag extrem heiß. Nachmittags fuhren wir in die Tierklinik, und während die Infusion lief, kam die Ärztin mit den Blutwerten: Die Blutarmut hatte sich tatsächlich gebessert. Ich freute mich und hatte wieder Hoffnung, dass es mein tapferes Mädel auch dieses Mal schaffen würde …. Die Infusion lief, alles schien in Ordnung zu sein, und wegen der Hitze an diesem Tag dachte ich auch an nichts Schlimmes, als Nelly plötzlich hechelte. Als sie dann ausatmete und ihr Köpfchen auf die Pfoten legte, dachte ich noch, o.k., alles gut, doch dann verdrehte sie die Augen, hatte Schnappatmung und kollabierte. Die Tierärztin brachte Nelly sofort in den OP-Bereich. Als die Ärztin zurückkam, sagte sie, dass sie Nelly reanimieren konnte, allerdings wären die Reflexe nicht da, und dass man sie, sollte sie noch einmal einen Herzstillstand haben, gehen lassen sollte. Ich wollte sofort zu Nelly, doch da kamen uns schon die Helferinnen entgegen und sagten, dass mein liebes Mädchen über die Regenbogenbrücke gegangen wäre.

Liebe Nelly, Du warst so ein tolles Mädel, hast mir nur Freude bereitet, jetzt bist Du wieder bei Deinem geliebten Moritz. Du bleibst in meinem Herzen, ich werde Dich nie vergessen.

R. S. mit Anoki

Liebe Frau S., danke für Ihren ausführlichen Bericht – Sie haben uns noch einmal an Nellys Leben teilhaben lassen. Uns, die wir Nelly von der Station kennen, und die vielen lieben Menschen, die damals, als Nelly operiert werden musste, gespendet haben, nicht „nur“ Geld, sondern auch liebe Gedanken und Wünsche. Diesen Menschen und natürlich in erster Linie Ihnen ganz herzlichen Dank, dass Sie Nelly noch vier wunderschöne Jahre geschenkt haben. Tröstlich der Gedanke, dass Nelly und Moritz nun wieder vereint sind.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde


Where there is love and memory,
There is no true death!

(Autor unbekannt)

Janis

Janis
*28.02.2010
16.12.2020

Im Januar 2018 wurde Janis wegen Überforderung dem Tierschutz übergeben und landete – als Nicht-Nordischer – bei uns. Janis war damals knapp acht Jahre alt und kannte nichts, nicht einmal die üblichen Haushaltsgeräte, die jeder benutzt. Aber da für ihn das Wichtigste war, bei Menschen zu sein, und wir ihn so viel wie möglich in den Stationsalltag einbezogen, lebte er sich gut ein und lernte schnell. Und so fand der liebe Rüde innerhalb kürzester Zeit eine Familie. Leider waren der Familie und Janis keine lange Zeit vergönnt – aber die Länge sagt nichts aus über die Tiefe der Beziehung!

2 Jahre, 5 Monate und 2 Tage ist alles, was wir zusammen hatten.
Eine viel zu kurze Zeit.
But sometimes life ain’t fair.
Unser Janis war ein treuer Begleiter.
Nach einer kurzen und ein wenig holprigen Eingewöhnung, die seinem etwas empfindlichen Verdauungstrakt zu verdanken war, haben wir uns sehr schnell an einander gewöhnt.

Für ihn war immer nur wichtig, dabei sein zu dürfen, Streicheleinheiten waren immer willkommen. Oftmals, wenn es ihm zu wenig erschien, hat er sie eingefordert und dabei vergessen, dass er mit seinen 35+ Kilogramm ein wenig zu groß für einen Schoßhund war.

Ich könnte ewig so weitermachen und von seiner liebevollen Art zu berichten.

R I P. Big Man. You’re greatly missed!

Das Jahr 2020 war für alle ein sehr ungewöhnliches und schwieriges, jedoch hat es uns noch einmal richtig einen Tiefschlag verpasst.

Leider mussten wir uns plötzlich und unerwartet von unserem Janis verabschieden. Es ist alles noch unbegreiflich.

Alles war in bester Ordnung, und wir haben uns auf ein gemeinsames Weihnachtsfest gefreut. Es ging alles so schnell.

Am Freitag nach dem Gassigehen fing alles an, mit viel Wasser trinken, hecheln und Unruhe. Ich habe dann, sobald unsere Tierärztin wieder zu erreichen war, einen Termin gemacht. Sie war auch sehr besorgt und hat uns sofort zur Tierklinik weitergeschickt. Dort wurde eine Herztamponade festgestellt, die sofort punktiert wurde. Janis musste leider über das Wochenende in der Klinik bleiben. Am nächsten Tag kam dann der Anruf, dass es wieder nachgelaufen war. Es wurde nochmals punktiert, und am Sonntag ging es Janis schon viel besser. Am Montag hatte er einen Termin bei der Herzspezialistin, die einen dunklen Streifen am Herzen feststellen konnte, aber nicht mit Gewissheit sagen konnte, ob es sich um einen Tumor oder ein Gerinnsel handelt. Wir durften Janis aber mit nach Hause nehmen und hatten schon einen Termin, um nach einer Woche nochmals zu überprüfen.

Leider hielt unsere Freude nur zwei Tage, denn dann ging es Janis wieder schlechter. Also wieder zur Klinik, noch einmal Blut absaugen und ein Sonogramm, bei dem dann leider ein Tumor festgestellt wurde, der oben, wo die Venen ins Herz gehen, anfing und sich über das Herz zog.

Die Herzspezialistin hat uns dann mitgeteilt, dass es sich um einen sehr aggressiven und schnell wachsenden Tumor handelt und er nicht zu operieren wäre. Wir durften Janis noch einmal mit nach Hause nehmen und hatten die Hoffnung auf ein paar schöne Tage zusammen. Aber das war uns leider nicht vergönnt, denn nach ein paar Stunden war es wieder dasselbe, und wir machten uns schweren Herzens wieder auf zur Klinik.

Die Entscheidung ist uns furchtbar schwergefallen, aber wir wollten ihn keinesfalls unnötig leiden lassen. Der Abschied war sehr schwer und ist immer noch unbegreiflich.

Familie D.

Liebe Familie D., sicher hatten Sie sich, wie jeder mit seinem Traumhund, eine längere Zeit mit Janis vorgestellt – gewünscht sowieso! Aber wie oben geschrieben: Die Länge einer Beziehung sagt nichts über deren Tiefe! Ihre Beziehung zu Janis war, das merkt man aus Ihrem Nachruf, sehr, sehr eng. Und SIE haben ihm seinen Wunsch erfüllt, den er uns in der Station immer gezeigt hat: Seinen Wunsch nach Nähe, Vertrauen und Sicherheit. Unseren ganz herzlichen Dank dafür. Auch wir sind traurig darüber, dass Janis und Ihnen nicht mehr Zeit blieb. Und dennoch: für Janis und Sie ist diese wenn auch kurze Zeit mit nichts in der Welt aufzuwiegen.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde


Wir vermissen einen grossartigen, kleinen Shiba – unsere Kuki.
(Kukis Familie)

Kuki

Kuki
* ca. 2009
28.12.2020

„Kuki hat es in kürzester Zeit geschafft, sich in alle Herzen zu schleichen, und wir sind dankbar, sie bei uns haben zu dürfen.“ Das haben Kukis Menschen Anfang Juli 2014 geschrieben, als Kuki gerade mal drei Wochen bei ihnen war. Ja, so war Kuki! Das hat auch schon ihre Pflegefamilie immer wieder deutlich gemacht, die Pflegefamilie, in der Kuki Anfang April 2014 aufgefangen wurde. Kuki, das winzig kleine Shiba-Mädel als Animal-Hoarder-Fall. Die Hunde der Pflegefamilie mussten schon viele Hunde sozialisieren, und sie nahmen sich uneigennützig auch Kuki an. Aber wohl nie war die Aufnahme eines Pflegehundes problemloser verlaufen als bei Kuki. Dass Kuki trotz ihres gewinnenden Wesens so schnell eine „feste“ Familie finden würde, war dennoch alles andere als selbstverständlich, schon gar nicht nach der Diagnose „Mamma-Tumor“. Aber Kukis neue Menschen hielten uneingeschränkt zu ihrer Entscheidung. Am 21.06.2014 traf man sich in unserer Station, Kuki fuhr Richtung Schweiz und hinterließ eine Pflegefamilie in Tränen – darunter aber auch Freudentränen, denn man wusste Kuki bestens aufgehoben. Sechseinhalb Jahre waren Kuki und ihrer Familie vergönnt, dann schlug der Krebs wieder zu, diesmal endgültig.

Liebes Nothilfe-Team,

im Juni 2014 durften wir Kuki von Euch übernehmen. Die ersten Monate hat uns dieses kleine, willensstarke Wesen unsere Grenzen aufgezeigt. Aber das gemeinsame Kämpfen hat sich gelohnt: Kuki hat Vertrauen gewonnen, Lebensfreude erlangt und so unendlich viel gelernt und gegeben. Nach 6,5 unendlich schönen Jahren mussten wir unseren Sonnenschein gehen lassen. Der Krebs war letztendlich stärker.

Keine konnte so laut und beruhigend schnarchen.
Keine konnte solche Portionen verputzen (+ Dessert).
Keine war so tapfer und zäh und behielt selbst nach ihren schlimmen Erlebnissen (als Vermehrerin in einem Drahtkäfig) ihre Freude am Leben und ihren einzigartigen Charakter.
Wir vermissen ihre Fähigkeit, dass sich andere nach ihr umdrehten und lächelten.
Wir vermissen die schönen und turbulenten Zeiten miteinander, auch wenn es manchmal anstrengend war.
Wir mussten unseren kleinen Sonnenschein am Montag erlösen, jetzt ist sie an der Seite ihrer grossen Beschützerin Nanook.

Mach es gut, kleines Mädchen – wir werden uns eines Tages sicherlich wiedersehen.
Wir sind dankbar für die Zeit, die wir miteinander hatten.

Wir vermissen einen grossartigen, kleinen Shiba – unsere Kuki.

A., R., Kisho

Liebe A, lieber R, lieber Kisho, sechseinhalb Jahre, die Euch niemand nehmen kann! Mit einer einmaligen Shiba-Persönlichkeit. Allein Euer Satz „durften wir Kuki von Euch übernehmen“ sagt alles. Ihr „durftet“ Kuki übernehmen – wir DURFTEN Kuki loslassen, und wir KONNTEN Kuki loslassen, mit bestem Gewissen! So traurig uns Eure Nachricht macht, so dankbar sind wir, dass Kuki mehr als „nur einen Ausgleich“ für ihre ersten verheerenden Jahre hatte, bei Euch! Danke, danke, danke dafür! Wir sind in Gedanken bei Euch und trauern mit Euch um eine ganz süße liebe Shiba-Hündin!

Das Team der Nothilfe für Polarhunde


Aisha
geb. 8. Dezember 2008 – gestorben 3. September 2020

Aisha

Zwei Mal sprang Aisha dem Tod buchstäblich von der Schippe. Schon bei ihrer Geburt wurde sie von der Mutterhündin verstoßen und die Züchterin zog das hilflose Baby von Hand auf. Ein gutes Jahr später stand ihr Schicksal wieder auf der Kippe, als das Frauchen schwer erkrankte und die Besitzer Aisha nicht mehr behalten konnten. Aisha hatte sich zu einem pubertierenden Wildfang entwickelt, der beim Alleinbleiben in Minutenschnelle alles zerstörte, was sie erwischen konnte. Außerdem litt sie an Epilepsie und alles zusammen führte dazu, dass weder die Züchterin noch die umliegenden Tierheime oder gar irgendwelche Privatpersonen sich ihrer annehmen wollten. Der Termin zum Einschläfern stand bereits fest, doch sozusagen in letzter Sekunde erfuhren die Besitzer von der Nothilfe für Polarhunde. Und im März 2010 übernahmen wir Aisha in unsere damalige Station in Horb. Vermittlungsaussicht nahezu Null. Aber dann kam doch alles ganz anders…

Aisha, am 22.08.2010 bist Du bei mir eingezogen. Zuerst als Pflegehund. Aber ganz schnell war klar: es ist für immer! In Deinem kurzen Leben damals, hattest Du schon einiges erlebt und warst voller Frust. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis wir eine Vertrauensbasis aufgebaut hatten. In dieser Zeit kanntest Du nur „irgend etwas kaputt machen“, wenn Du Deinen Willen nicht durchsetzen konntest.

Im Gepäck hattest Du aber auch viele gute Eigenschaften wie Offenheit, Neugierde, Freundlichkeit gegenüber Menschen, ganz gleich welchen Alters, und anderen Hunden, solange sie mindestens so groß waren wie Du und sich Dir gegenüber höflich benommen haben. Du warst ein Freigeist, neugierig auf jeden neuen Tag und voller Tatendrang und jederzeit zu allerlei Blödsinn und Schabernack bereit.

Wir haben zehn wunderschöne und ereignisreiche Jahre miteinander verbracht. Fast überall, wo ich war, warst auch Du. Es gab nur selten Situationen, in denen ich Dich nicht mitnehmen konnte.

Deine freundliche Art gegenüber Mensch und Hund und Deine tolle Sozialkompetenz waren auch ausschlaggebend, dass Du mich beim Training von verhaltensauffälligen Hunden als „hundische Assistentin“ begleiten konntest, was dann auch von behördlicher Seite anerkannt wurde.

Du warst Dein ganzes Leben lang wissbegierig, lernwillig, aber in allen Situationen auch wild, selbstständig, abenteuerlustig und unangepasst.

Die Epilepsie, die von Anfang an zu unserem Alltag gehörte, hatten wir gut im Griff. Gut eingestellt auf die Medikamente und ein ausgeglichenes Leben haben Dir immer lange Zeiträume beschert, in denen Du anfallsfrei warst. Ca. alle 2-3 Jahre hattest Du einen Anfall. Und diese waren immer leicht. Du warst in solchen Situationen auch nie alleine. Das hatten wir immer zusammen durchgestanden.

Und dann kam dieser März 2020. Ich hatte einen Knubbel auf Deiner linken Schulter entdeckt. Es fühlte sich zuerst so an, als hätte Dich ein Insekt gestochen. Nachdem der Knubbel innerhalb von ein paar Tagen größer wurde, hatten wir beim Tierarzt eine Biopsie machen lassen. Das Ergebnis hat mich völlig aus den Socken geholt. Es wurden Krebszellen gefunden. Es wurde ein Liposarkom diagnostiziert, ein bösartiger Tumor, der schnell wächst und im gesunden Gewebe wurzelt. Ein paar Tage später erfolgte das MRT in der Tierklinik in Hofheim. Die Diagnose war niederschmetternd. Der Tumor war innerhalb der kurzen Zeit auf mehr als 10 cm Durchmesser angewachsen, war schon durch den Rippenbogen durchgebrochen und somit nicht mehr operabel. Die Prognose der Tierärzte: eine verbleibende Lebenszeit von ein paar Wochen, wenn Du die Krebsmedikamente gut verträgst. Ein Schock. Ich hatte das Gefühl, die Welt bricht zusammen.

Zum Glück war Dir Deine gesundheitliche Situation nicht bewusst. Du warst wild, abenteuerlustig und neugierig wie immer. Du hattest die Medikamente gut vertragen, keine Einschränkungen und keine Schmerzen. Für Dich war die Welt in Ordnung.

Sogar ein toller fast 3-wöchiger Urlaub im Mai war möglich. Du hattest noch Finn kennengelernt, einen Tschechoslowakischen Wolfhund. Ihr beide wart ein tolles Team und Du hast „dem Wolf“ noch einiges beigebracht. Finn hatte sich an so einem selbstsicheren Mädchen, wie Du es warst, gerne orientiert. Auch Chorheulen und dem ganzen Dorf mitteilen, dass „die Wölfe“ zuhause sind, musste mehrmals täglich sein. Gemeinsam den Garten umgraben, lange gemeinsame Spaziergänge, im Teich schwimmen und nachts zusammen liegen, gehörten für Euch nach ein paar Tagen des Kennenlernens immer dazu.

Über Sommer waren wir auch immer viel unterwegs. Lange Spaziergänge, unterwegs spielen mit anderen freundlichen Hunden, schwimmen in Bächen und kleinen Seen. Nichts hat darauf hingedeutet, dass es auf einmal ganz schnell gehen sollte.

Dann kam der September. Vier Tage bevor Du gestorben bist, hattest Du noch einen 1 ½ jährigen Husky-Rüden kennengelernt, der Dich zum Spielen animierte. Ihr hattet richtig viel Spaß. Am Abend dieses Tages hattest Du auf einmal leichte Schwierigkeiten beim Aufstehen. Na ja, wenn man als Oma mit einem Jungspund wild spielt, war es nicht verwunderlich, dass „die alten Knochen“ sich einmal melden. So stellte sich die Situation dar. Auch am Tag darauf hatte sich die Lage nicht verschlechtert. Als das Ganze aber nicht besser wurde, sondern eher etwas schlechter, kam am Tag darauf die Tierärztin zum Hausbesuch. Aber auch an diesem Tag hatte noch nichts darauf hingedeutet, was kurz darauf geschah. Du hattest kein Fieber, rosafarbene Schleimhäute, hast wie immer gut gefressen und warst eigentlich „gut drauf“. Auch die Tierärztin diagnostizierte nur Überanstrengung. Nach der Schmerzspritze war auch alles wieder viel besser. Du konntest wieder fast normal aufstehen, liefst durch die Wohnung und warst der Katze im Garten auf den Fersen. Auch am Tag darauf warst Du mit dem Schmerzmittel guter Dinge. Du wolltest zwar nicht spazieren gehen, aber das war ja auch o.k. wenn einem die Knochen schmerzen. Und dann kam Dein letzter Tag. Ich hatte morgens schon gemerkt, dass etwas anders ist. Du hast mich mit einem anderen Blick angesehen, der tief in meine Seele vordrang und Du hast anders geatmet. Oberflächlich, aber nicht angestrengt oder beschleunigt. Du wolltest nichts fressen, auch Deine Medikamente wolltest Du nicht freiwillig nehmen. Du hattest den ganzen Vormittag nur an der offenen Balkontür gelegen, Deinem „Fenster ins Dorf“. Deinem Lieblingsplatz, von dem Du alles beobachten konntest, was im Dorf los war. Nachmittags hast Du den Kopf nicht mehr gehoben und ich brachte Dich zur Tierärztin. Dein Zustand war sehr schlecht. Du hattest 40,4° C Fieber, fast weiße Schleimhäute, die Leberwerte waren exorbitant hoch, eine starke Blutarmut und das Röntgenbild zeigte ein vergrößertes und strukturverändertes Herz. Die Stabilisierung durch Infusionen funktionierte nicht mehr. Du hattest keine Kraft mehr aufzustehen. Du warst dabei, den Kampf gegen den Krebs zu verlieren. Das war die Situation, in der wir beide eine Entscheidung treffen mussten. Du bist dann in meinen Armen friedlich und entspannt eingeschlafen.

Aus der Überlebensprognose von ein paar Wochen wurden 5 ½ Monate intensive, lustige und ereignisreiche Zeit. Ohne Schmerzen oder Einschränkungen.

Ich vermisse Dich so sehr meine wilde Hilde, meine Mummel. Du hinterlässt eine große Lücke und eine tiefe Traurigkeit.

Ich danke Dir, dass Du Dich damals für ein Leben mit mir entschieden hast und für zehn Jahre gemeinsame Zeit, in der es nie langweilig wurde durch Deine liebenswerte Art, Deine Unbeschwertheit, Energie und Lebenslust.

Jetzt bist Du bei Piper auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Spiel und Herumtollen. Wir sehen uns wieder …

Dein Frauchen
Andrea

Wir möchten ein ganz herzliches DANKE sagen für die bedingungslose Liebe, die Sie Aisha geschenkt haben und auch für das Durchhaltevermögen, denn wir wissen, dass die „wilde Hummel“ vor allem in der Anfangszeit durchaus den einen oder anderen Nerv und auch diverse Einrichtungsgegenstände gekostet hat. Trotzdem hielten Sie immer fest zu ihr, begleiteten Sie liebevoll bis zum Ende und machten so aus einem vom Pech verfolgten Vierbeiner ein wahres Glücksfell.

 Das Team der Nothilfe für Polarhunde Freudenstadt


Einschlafen dürfen, wenn man müde ist,
und eine Last fallen lassen dürfen, die man lange getragen hat,
das ist eine köstliche, wunderbare Sache.

(Hermann Hesse)

Slade

Slade: *21.07.200826.11.2020

Slade hat durch einen harten Schicksalsschlag in der Familie alles verloren, was ihm über 12 Jahre lieb und vertraut war und kam Ende Oktober 2020 zu uns auf den Hasleberg. Der hübsche Siberian Husky zeigte sich uns als sehr angenehmer Vertreter seiner Art, der das Leben in der Natur und Menschen liebt. Er war einfach ein unkomplizierter, netter älterer Herr, den wir alle sofort ins Herz geschlossen haben. Slade war die ersten Wochen immer fröhlich und holte sich auch gerne hier und da seine Streicheleinheiten ab.

Er hatte bald Interessenten und wir freuten uns sehr für ihn, dass die berechtigte Hoffnung auf ein baldiges neues Zuhause bestand.

Dann ganz plötzlich ging es ihm nicht so gut. Wir fuhren mit ihm zu unserer Tierärztin und ließen ihn untersuchen. Die Diagnose war wie ein Schock für uns: Verknöcherung der Wirbelsäule! Das Röntgenbild zeigte eine ‚Knochensäule‘ im wahrsten Sinne des Wortes, ohne jegliche Zwischenräume. Weder Schmerzmittel noch Cortison wollten helfen und zwei Tage später konnte er nicht mehr eigenständig aufstehen oder stehen bleiben.

Er zeigte es uns auch ganz deutlich: lasst mich einfach in Ruhe sterben. Natürlich kämpften wir noch mit anderer Medizin um Besserung für Slade, aber am Abend des 26. November war klar, dass wir Slade‘s Wunsch erfüllen müssen, um ihm weiteres Leid zu ersparen.

Wir hätten diesem wunderbaren Hund seinen dritten Lebensabschnitt in einem neuen Zuhause so sehr gewünscht und gegönnt. Das Schicksal hatte leider einen anderen Plan.

Das traurige Team der Nothilfe für Polarhunde Freudenstadt

 

"If there are no dogs in Heaven,
then when I die I want to go
where they went."
Will Rogers, 1897-1935

 
 

übersetzt:
"Wenn es im Himmel keine Hunde gibt,
dann möchte ich, wenn ich sterbe, dahingehen,
wo sie hingegangen sind."

 

 

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18.08.21